Warum ein E-Auto andere Reifen braucht als ein Verbrenner

Warum ein E-Auto andere Reifen braucht als ein Verbrenner
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Hankook

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

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Reifen sind das einzige Bauteil am Auto, das mit eigenem Namen auf der Straße sichtbar ist. Und sie sind das einzige Bauteil, das den Wagen tatsächlich mit dem Asphalt verbindet. Wie sehr sich die Anforderungen an dieses unscheinbare Stück Gummi durch den Wechsel zum E-Auto verschoben haben, darüber spreche ich in der aktuellen Folge des Elektroauto-News-Podcasts mit Nils-Hendrik Schröder. Er leitet als Team Manager Europe OE des Hannoveraner Büros von Hankook für die Erstausrüstung, also für jene Reifen, die ab Werk auf einem Neuwagen montiert sind und gemeinsam mit dem Auto die Fabrik verlassen.

Hankook gehört in Europa und global zu den etablierten Reifenherstellern und hat sich neben anderen großen bekannten Marken der Branche eine solide Position erarbeitet. Der Schwerpunkt liegt auf Pkw-Reifen, ergänzt um ein Geschäft mit Lkw- und Busreifen. Das OE Office in Hannover, das Nils mit seinem Team verantwortet, betreut die Automobilhersteller von der ersten Anfrage bis zum Lebensende des Autos sowohl vertrieblich als auch als technische Kundenbetreuung.

E-Autoreifen: Vom Lastenheft zum maßgeschneiderten Profil

Wer denkt, ein Reifen sei ein Reifen, liegt daneben. Jedes Modell, jede Dimension wird individuell nach Lastenheft des Automobilherstellers entwickelt. Ein Prozess, der nicht selten zwei, drei oder sogar vier Jahre dauert, bis das Auto in den Markt kommt und das Profil exakt darauf abgestimmt ist. Der Status als Erstausrüster ist dabei mehr als ein Prädikat. „Der Reifen ist das einzige Bauteil am Auto, welches mit eigenem Namen vertreten ist“, erklärt Nils im Gespräch. Sichtbarkeit, Vertrauen, Marktdurchdringung, das alles hängt daran, ob die Marke ab Werk auf einem Neuwagen rollt.

Mit dem Hochlauf der Elektromobilität hat sich das Anforderungsprofil spürbar verändert. Der Rollwiderstand ist dabei zum dominierenden Entwicklungsziel geworden, denn er entscheidet unmittelbar darüber, wie weit ein E-Auto mit einer Akkuladung kommt. Das EU-Energielabel für Reifen kennen viele, doch Nils macht deutlich, dass das bisherige A-Label längst keine ausreichende Differenzierung mehr bietet. „Inzwischen müsste es eigentlich schon ein A-Plus oder A-Plus-Plus geben“, sagt er, da die technischen Abstände zwischen den Spitzenprodukten am Markt feiner geworden sind, als das Label abbilden kann.

Gleichzeitig bleibt der Rollwiderstand nur eine Größe unter mehreren. Nasshaftung, Bremseigenschaften und Haltbarkeit müssen im Gleichgewicht bleiben. Ein Reifen, der ausschließlich auf minimalen Rollwiderstand optimiert wird, verliert an anderer Stelle. Hankook spricht intern von einem „Baukasten“, aus dem die Entwickler:innen schöpfen, um die jeweils beste Kombination für ein konkretes Fahrzeugprojekt zu finden.

Was die nächsten zehn Jahre Elektroautoreifen prägen wird

Ein E-Auto ist schwerer als ein vergleichbarer Verbrenner, und die volle Leistung steht beim Tritt aufs Pedal sofort zur Verfügung. Mit dem Ion-Profil hat Hankook eine eigene Reifenfamilie speziell für E-Autos entwickelt. Sie ist auf niedrigen Rollwiderstand, höhere Lastreserven und ein reduziertes Innenraumgeräusch ausgelegt. Eine Soundabsorber-Technologie senkt die Geräuschentwicklung im Innenraum spürbar. Ein Punkt, der bei einem Stromer ohne Verbrennerlärm deutlich relevanter geworden ist. Die Folge: Wer einen normalen Reifen auf sein E-Auto montiert, verschenkt Reichweite, Komfort und im Zweifel auch Sicherheit, etwa bei Aquaplaning oder plötzlichen Ausweichmanövern.

Nach vorne gerichtet sieht Nils zwei zentrale Themen, die Hankook und die gesamte Branche beschäftigen werden: Abrieb und Geräusch. Beides bei gleichzeitig weiter sinkendem Rollwiderstand und unverändert hoher Performance bei Nässe, Trockenheit und Bremsen. Hinzu kommt das Thema Nachhaltigkeit. Recyclatanteile und nachhaltige Rohstoffe werden in den Lastenheften der Automobilhersteller zu einem festen Bestandteil. Eine Anforderung, die mit jeder Auto-Generation steigt. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt ins Gespräch mit Nils-Hendrik Schröder einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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