VW stutzt Verbrenner-Produktion mangels Nachfrage

VW stutzt Verbrenner-Produktion mangels Nachfrage
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Volkswagen

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Beim Wolfsburger Automobilhersteller Volkswagen verschieben sich die Gewichte zwischen Verbrennern und Elektroautos offenbar schneller, als noch vor wenigen Monaten erwartet. Im Wolfsburger Stammwerk reagiert der Automobilhersteller nun auf eine nachlassende Nachfrage nach Modellen mit Verbrennungsmotor und streicht geplante Sonderschichten, berichtet die Automobilwoche. Gleichzeitig entwickelt sich das Geschäft mit Elektroautos deutlich dynamischer.

Betroffen sind dem Bericht zufolge unter anderem die Produktion von Golf und Tiguan. Noch vor wenigen Wochen hatte die Situation ganz anders ausgesehen: Volkswagen plante für September zusätzliche Wochenend- und Nachtschichten im Stammwerk, um die hohe Auslastung zu bewältigen. Nun werden Sonderschichten wieder gestrichen. Die Nachfrage nach klassischen Verbrennermodellen hat demnach spürbar nachgelassen.

Damit dreht sich eine Entwicklung um, die noch vor rund einem Jahr genau andersherum verlief. Im Herbst 2025 hatte Volkswagen die Produktion in mehreren Elektroauto-Werken zeitweise reduziert, während in Wolfsburg wegen der starken Nachfrage nach Golf, Tiguan und Tayron zusätzliche Schichten gefahren wurden. Damals galt das Stammwerk mit seinem Verbrenner-Portfolio innerhalb des deutschen Produktionsnetzwerks noch als vergleichsweise gut ausgelastet.

Inzwischen hat sich vor allem der deutsche Elektroautomarkt deutlich belebt. Im August 2026 waren bereits 32,4 Prozent aller neu zugelassenen Pkw reine Elektroautos. Besonders deutlich fällt die Verschiebung bei Privatkund aus: Dort stiegen die Elektroauto-Neuzulassungen binnen eines Jahres um 141 Prozent auf knapp 36.800 Fahrzeuge. Damit waren 42,7 Prozent aller privat neu zugelassenen Pkw vollelektrisch. Benziner verloren in diesem Marktsegment gleichzeitig 28 Prozent, Diesel 22 Prozent.

VW profitiert vom wachsenden Elektroauto-Markt

Auch Volkswagen bekommt diese Verschiebung zunehmend in den eigenen Auftragsbüchern zu spüren. Bereits im ersten Halbjahr war der europäische Auftragsbestand des Konzerns bei Elektroautos gegenüber Ende 2025 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Mehr als 30 Prozent des gesamten europäischen Auftragsbestands entfielen zuletzt auf reine Elektroautos.

Besonders wichtig ist dabei die neue Electric Urban Car Family rund um VW ID. Polo, ID. Cross, Škoda Epiq und Cupra Raval. Schon kurz nach dem Marktstart gingen für die günstigen Stromer zehntausende Bestellungen ein. Allein für den ID. Polo hatte Volkswagen im Sommer bereits 25.000 Bestellungen gemeldet. Mit einem Einstiegspreis von knapp 25.000 Euro dringt der Konzern damit erstmals seit längerer Zeit auch elektrisch in ein echtes Volumensegment vor.

Für Wolfsburg kommt diese Entwicklung zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Volkswagen hatte bereits beschlossen, seine Produktionskapazitäten in Deutschland deutlich zu reduzieren. Im Stammwerk wurden die ehemals vier Fertigungslinien auf zwei zusammengelegt, langfristig soll auch der Verbrenner-Golf nach Mexiko umziehen. Wolfsburg wiederum soll eine zentrale Rolle bei der nächsten Generation elektrischer Volkswagen spielen, unter anderem mit dem kommenden elektrischen Golf.

Die nun gestrichenen Verbrenner-Schichten sind deshalb noch kein Beleg dafür, dass Golf oder Tiguan plötzlich zu Ladenhütern geworden wären. Doch sie sind auf dem besten Weg dorthin. Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie schnell sich das Verhältnis der Antriebsarten derzeit verschiebt. Gerade im deutschen Privatmarkt spricht die Entwicklung inzwischen klar für Elektroautos – und damit verändert sich zunehmend auch die Auslastung der Werke.

Quelle: Automobilwoche – VW spürt Elektro-Boom – und streicht Schichten für Verbrenner in Wolfsburg

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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