Die Diskussion um das künftige Ende des Verbrennungsmotors in Europa gewinnt erneut an Dynamik. Auslöser ist ein Vorschlag der EU-Kommission, wonach gewerbliche Fahrzeugflotten bereits ab 2030 deutlich strengere CO2-Vorgaben erfüllen sollen. In der Praxis würde dies bedeuten, dass ein Großteil neu zugelassener Firmen- und Mietwagen elektrisch fahren müsste. Da diese Flotten einen erheblichen Anteil des europäischen Neuwagenmarkts ausmachen, wird der Vorstoß von Teilen der Branche als faktisches Vorziehen des Verbrenner-Ausstiegs interpretiert. Vor allem der Lobbyverband VDA und das Mietwagenunternehmen Sixt setzen sich zur Wehr, wie die Automobilwoche berichtet.
Entsprechend formiert sich Widerstand, der vor Überforderung, fehlender Ladeinfrastruktur und wirtschaftlichen Risiken warnt. Der Verband der Automobilindustrie verweist auf bestehende Unsicherheiten im Marktumfeld und mahnt technologieoffene Lösungen an. Auch aus Sicht der Autovermietungen sei der Zeitpunkt kritisch: Sixt argumentiert, dass starre Quoten die Nachfrage ignorierten und das Risiko steigender Kosten auf Kundinnen und Kunden abwälzen könnten.
Ja zum Klimaschutz, nein zu den Maßnahmen
Auffällig ist jedoch, dass sich die aktuelle Debatte stark auf kurzfristige Umsetzungsfragen konzentriert – während die langfristige Zielrichtung kaum infrage gestellt wird. Das bisherige EU-Ziel, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen, bleibt formell bestehen, wurde zuletzt aber bereits aufgeweicht. Statt eines vollständigen CO2-Nullwerts ist nun eine Senkung um 90 Prozent vorgesehen, ergänzt um Sonderregelungen für synthetische Kraftstoffe. Damit verschiebt sich der Fokus zunehmend von klaren Enddaten hin zu Übergangsmodellen.
Gerade vor diesem Hintergrund erhält der Flottenansatz strategische Bedeutung. Frühere Analysen haben wiederholt darauf hingewiesen, dass gewerbliche Fahrzeuge eine Schlüsselrolle beim Hochlauf der Elektromobilität spielen: Sie kommen schneller in den Markt, werden häufiger erneuert und prägen den Gebrauchtwagenbestand von morgen. Eine frühere Elektrifizierung dieses Segments kann somit eine Hebelwirkung entfalten, die weit über einzelne Unternehmensflotten hinausreicht.
Rudert die EU auch hier wieder zurück?
Auch internationale Vergleiche zeigen, dass ambitionierte Vorgaben kein Sonderweg sein müssen. Länder mit klaren politischen Leitplanken verzeichnen nicht nur höhere Elektroanteile, sondern auch schnellere Investitionen in Ladeinfrastruktur und Netzausbau. In diesem Licht erscheint der EU-Vorstoß weniger als abrupter Kurswechsel, sondern vielmehr als Versuch, bestehende Klimaziele mit wirksameren Instrumenten zu unterlegen. Und Klimaschutz ist absolut notwendig, dazu wurde jüngst erst wieder die Bundesregierung gerichtlich verurteilt.
Die Reaktionen aus Industrie und Vermietersektor verdeutlichen dennoch, wie groß die Spannungen innerhalb der europäischen Verkehrswende bleiben. Zwischen Planbarkeit, Marktrealität und Klimazielen verläuft eine Linie, die politisch immer wieder neu austariert wird. Ob die Flottenvorgaben am Ende kommen – und in welcher Form –, ist offen. Vorwiegend konservative Kräfte versuchen, wie schon bei den Regelungen ab 2035 für generelle Neuzulassungen, unter dem Deckmantel der vermeintlichen Technologieoffenheit die Notwendigkeit persönlicher Technologieoffenheit zu verhindern. Klar ist jedoch: Ohne verbindliche Zwischenetappen drohen die großen Ziele weiter in die Zukunft zu rücken, während der Handlungsdruck im Verkehrssektor unverändert hoch bleibt.
Quelle: Automobilwoche – Verbrenner-Aus schon 2030? Abwehrfront gegen EU-Pläne








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