Audi verhandelt Informationen des Manager Magazins zufolge mit Huawei über eine Kooperation, die das Flaggschiff A8 in China auf eine neue Grundlage stellen könnte. Statt das Oberklassemodell weiterhin aus Deutschland zu exportieren, soll eine eigene Variante direkt vor Ort entstehen, im Kern entwickelt von dem chinesischen Technologiekonzern. Geplant ist demnach, mehrere Modelle ausschließlich für den chinesischen Markt auf eine Huawei-Architektur aufzusetzen. Eine Einigung gibt es laut Insidern bislang nicht.
Neben dem A8 könnte unter anderem ein SUV im obersten Segment hinzukommen. Gefertigt werden sollen die Autos im Werk in Changchun, das Audi gemeinsam mit FAW im Joint Venture Audi FAW Nev Company (Nevco) betreibt. Die Anlage ist auf rund 150.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt, steht phasenweise jedoch fast still. Im Idealfall könnten die ersten Huawei-Audis Ende 2028 vom Band laufen. Die Zuversicht stützt sich auf das Entwicklungstempo, das VW und Audi bei Kooperationen mit Xpeng und Saic erlebt haben.
Errichtet wurde das Werk für das elektrische SUV Q6 L und die E-Limousine A6 L, die sich in China bislang als nahezu unverkäuflich erweisen. Insider rechnen für 2026 im günstigen Fall mit 12.000 verkauften Einheiten beider Modelle zusammen. Audi hält an der Nevco, für China ungewöhnlich, die Mehrheit und hat nach eigenen Angaben rund 2,6 Milliarden Euro in Werk und Aufbau investiert. Schon 2025 brauchte die Nevco eine Kapitalspritze.
Huawei ist in den vergangenen Jahren ins Automobilgeschäft eingestiegen und drängt mit verschiedenen Partnern ins Premiumsegment, das Audi für sich beansprucht. Der Maextro S800 wird in Topausstattung für gut 130.000 Euro angeboten, Marken wie Aito und Hima fallen durch fortgeschrittene Funktionen beim autonomen Fahren auf. Bei der Konnektivität kooperiert Audi in China bereits mit Huawei, eine komplette Plattform hätte jedoch eine andere Dimension.
Wenn der einstige Gewinnbringer plötzlich schwächelt
Hintergrund ist die Lage auf dem chinesischen Markt. Insidern zufolge dürfte Audi dort 2026 kaum mehr als 420.000 Autos absetzen, rund 30 Prozent weniger als 2025 und so wenig wie seit 2012 nicht mehr. Die einst profitablen Importe von Modellen wie dem A8 oder den RS-Varianten seien fast zum Erliegen gekommen, mehr als 5000 Fahrzeuge stehen derzeit auf Halde. Intern wird bereits gewarnt, das China-Geschäft könne in diesem Jahr in die Verlustzone rutschen.
Gleichzeitig dürfte der Verbrenneranteil 2026 auf etwa 40 Prozent sinken, während Audi vom Wachstum der Elektroautos kaum profitiert. Hinzu kommen personelle Veränderungen. Chinachef Johannes Roscheck soll seinen Posten räumen, möglicherweise schon im November, als Nachfolger sei ein externer Kandidat im Gespräch. Audi wollte sich “zu Personalspekulationen” nicht äußern.
Auch weltweit stehen die Zahlen unter Druck: Für 2026 erwarten Vertriebsverantwortliche kaum mehr als 1,4 Millionen verkaufte Autos, so wenig wie zuletzt 2011. Die Brand Group Progressive, zu der neben Audi auch Lamborghini, Bentley und Ducati gehören, verbuchte im ersten Halbjahr einen operativen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro, Audi steht dabei für fast 90 Prozent des Umsatzes. VW-Finanzchef Arno Antlitz begründete die Ende September reduzierte Konzernprognose auch mit operativen Schwächen bei Audi.
Viele offene Fragen vor dem China-Tag
Unabhängig vom China-Projekt geht der A8 auch in Deutschland neue Wege. Die nächste Generation, anders als ursprünglich geplant nicht elektrisch, wechselt auf den modularen Baukasten MSB des Porsche Panamera. Auf der Betriebsversammlung am 8. Oktober in Neckarsulm kündigte Audi-Chef Gernot Döllner zudem an, dass das Modell, seit 34 Jahren fest mit dem Werk verbunden, künftig wahrscheinlich von Porsche in Leipzig gebaut wird.
Für das China-Vorhaben bleiben mehrere Hürden. Huawei kooperiert bereits mit mehreren chinesischen Marken, und als vierter oder fünfter Partner untermauere Audi den eigenen Premiumanspruch kaum, warnt ein Kritiker: “Die hissen die weiße Fahne.” Teuer würde das Projekt obendrein. Beteiligte rechnen mit einer erneuten Investition von mehr als einer Milliarde Euro, da das Werk umgerüstet, die Entwicklung finanziert und Verluste aus der laufenden Produktion getragen werden müssten.
Widerstand dürfte sich zudem intern formieren, unter den Beschäftigten ebenso wie in Konzernführung und Aufsichtsrat. Der Konzernvorstand war zunächst nicht einmal eingeweiht. Im November könnte Döllner sein Konzept für den A8 dort vorstellen, dann ist ein China-Tag angesetzt.
Quelle: Manager-Magazin – Riskanter Plan – wie Audi mit Huawei den A8 retten will








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