Waffen statt Autos: Audi-Ingenieure arbeiten künftig für Rüstungsfirmen

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Während die Ingolstädter VW-Tochter Audi angesichts des Umbruchs in der Automobilindustrie Stellen abbaut und Kosten senken muss, werden Fachkräfte in anderen Branchen dringend gesucht. Davon profitieren nun unter anderem Unternehmen aus der Rüstungsindustrie: Beschäftigte von Audi können künftig vorübergehend zu Firmen wie Diehl, MBDA oder KNDS wechseln. Auch Airbus gehört zu den beteiligten Unternehmen.

Wie die Automobilwoche berichtet, hat Audi am Hauptstandort Ingolstadt dafür ein ungewöhnliches Personalmodell gestartet. Beschäftigte sollen für bis zu zwei Jahre bei einem der Partnerunternehmen arbeiten können und anschließend eine Rückkehrgarantie zu Audi haben. Der Bayerische Rundfunk (BR) bestätigte die Pläne auf Nachfrage beim Unternehmen.

Gedacht ist das Angebot vor allem für Ingenieure und Qualitätsingenieure sowie für Projektmanager und Beschäftigte aus Werkstätten der Technischen Entwicklung und Qualitätssicherung. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen von Audi angeordneten Wechsel: Die Teilnahme erfolgt freiwillig, die Beschäftigten bleiben während der Arbeitnehmerüberlassung Angestellte von Audi. Ende Oktober will der Automobilhersteller die Belegschaft bei größeren Informationsveranstaltungen ausführlicher über das Modell informieren.

Audi baut zugleich Tausende Stellen ab

Interesse scheint bereits vorhanden zu sein. Ein Audi-Sprecher erklärte gegenüber dem BR, das Programm stoße innerhalb der Belegschaft sogar auf „sehr großes Interesse“. Audi begründet das Modell damit, Beschäftigten zusätzliche Perspektiven eröffnen und gleichzeitig den Fachkräftebedarf anderer Unternehmen in der Region unterstützen zu wollen. Zudem soll auf diese Weise die Transformation der Industrie begleitet werden.

Der Schritt steht exemplarisch für die derzeit sehr unterschiedlichen Entwicklungen in der deutschen Industrie. Während zahlreiche Unternehmen der Automobilindustrie unter Kostendruck stehen und Personal reduzieren, wächst die Verteidigungsbranche angesichts höherer staatlicher Ausgaben kräftig und sucht qualifizierte Fachkräfte.

Bei Audi selbst ist ein umfangreicher Stellenabbau bereits beschlossen. Unternehmensleitung und Betriebsrat hatten sich 2025 darauf verständigt, bis 2029 bis zu 7500 Stellen in indirekten Bereichen abzubauen. Gleichzeitig wurde die Beschäftigungssicherung an den deutschen Standorten bis Ende 2033 verlängert. Nach Unternehmensangaben waren Anfang 2026 bereits 65 Prozent der zunächst bis 2027 vorgesehenen Reduzierung um bis zu 6000 Stellen umgesetzt oder verbindlich vereinbart. Weitere bis zu 1500 Stellen sollen anschließend bis 2029 entfallen.

Beide Seiten profitieren

Dass Know-how aus der Automobilindustrie für andere Branchen zunehmend interessant wird, ist dabei kein Einzelfall. Eine von der Automobilwoche veröffentlichte Erhebung hatte bereits 2025 gezeigt, dass unter deutschen Automobilunternehmen, die sich neue Geschäftsfelder erschließen, die Rüstungsindustrie besonders häufig genannt wird.

Für Audi bietet die zeitweise Arbeitnehmerüberlassung damit einen doppelten Vorteil: Beschäftigte können weiterhin im Unternehmen gehalten werden, auch wenn ihre Arbeitskraft vorübergehend an anderer Stelle stärker benötigt wird. Und die stark expandierende Rüstungsindustrie erhält Zugriff auf Ingenieure und andere Spezialisten, deren Kompetenzen aus der Fahrzeugentwicklung und industriellen Großserie gut übertragbar sind.

Quelle: Automobilwoche – Audi „verleiht“ Ingenieure in die Rüstungsindustrie; BR – Audi „verleiht“ Beschäftigte an bayerische Rüstungsbetriebe

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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