Bei der VW-Tochter Audi zeichnet sich die nächste Runde des Konzernumbaus ab. Während der Vorstand angesichts des Kostendrucks weitere Einschnitte und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit anstrebt, signalisiert der Betriebsrat grundsätzlich Verhandlungsbereitschaft – allerdings nur gegen verbindliche Perspektiven für Beschäftigte und Standorte. Gleichzeitig könnte Audi künftig häufiger Mitarbeiter zeitweise an andere Unternehmen ausleihen, um Überkapazitäten aufzufangen und Fachkräfte im Unternehmen zu halten.
Wie die Automobilwoche berichtet, hat sich der Konflikt zuletzt vor allem an den deutschen Standorten zugespitzt. Konkrete Entscheidungen über mögliche Werksschließungen oder zusätzliche Stellenstreichungen seien bislang allerdings nicht gefallen. Audi-Betriebsräte betonen entsprechend, dem Vorstand keinen Freibrief für weitere Einschnitte erteilt zu haben.
Auf einer Betriebsversammlung in Ingolstadt machte die Arbeitnehmervertretung deutlich, notwendige Veränderungen nicht grundsätzlich blockieren zu wollen. Zusätzliche Beiträge der Beschäftigten müssten allerdings mit belastbaren Zusagen für Arbeitsplätze, Produkte und Standorte verbunden werden. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Rita Beck brachte die Position auf die Formel, die Zukunft von Audi werde nun erst verhandelt.
Audi-Chef Gernot Döllner argumentiert auf der anderen Seite mit einer erheblich verschlechterten wirtschaftlichen Lage. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks will Audi unter anderem bestehende Zusagen an die Beschäftigten neu verhandeln. Dazu gehört offenbar auch die bislang bis 2033 reichende Beschäftigungsgarantie.
Besonders Neckarsulm steht unter Druck
Besonders kritisch ist die Situation im Werk Neckarsulm. Dort beschäftigt Audi rund 15.000 Menschen. Das Unternehmen hat die sogenannte Schlechtwetterklausel aus einer bestehenden Zukunftsvereinbarung aktiviert beziehungsweise deren Voraussetzungen zur Prüfung gestellt. Sie ermöglicht neue Gespräche über Einsparungen, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erheblich verschlechtert haben.
Hintergrund ist der Druck des Volkswagen-Konzerns, die Kosten des Standorts deutlich zu senken. Für Neckarsulm soll innerhalb eines Jahres ein tragfähiges Konzept entstehen. Neben Audi selbst hängt auch eine große Zahl von Zulieferern und Dienstleistern von dem Werk ab.
Der Konflikt zeigt damit ein grundsätzliches Problem des derzeitigen Audi-Umbaus: Das Unternehmen muss seine deutschen Standorte wirtschaftlicher machen, benötigt gleichzeitig aber Fachkräfte für neue Technologien und künftige Modelle. Ein reiner Personalabbau wäre deshalb nur bedingt geeignet, beide Probleme gleichzeitig zu lösen.
Audi prüft flexibleren Einsatz von Mitarbeitern
Genau hier setzt ein zweites Modell an, über das wir bereits berichtet haben. Audi hat in Bayern eine sogenannte „Jobdrehscheibe“ gestartet. Dabei können Beschäftigte zeitlich befristet bei anderen Industrieunternehmen arbeiten, während sie weiterhin bei Audi angestellt bleiben.
Zum Kreis der beteiligten Unternehmen gehören unter anderem Diehl, MBDA, KNDS und Airbus – und somit geht es vorwiegend um aktuell zusätzliche Personalbedarfe in der Rüstungsindustrie. Zunächst richtet sich das freiwillige Angebot insbesondere an Beschäftigte aus indirekten Bereichen in Ingolstadt, etwa Ingenieure, Projektmanager sowie Fachkräfte aus technischen und qualitätsbezogenen Funktionen, wobei für einen Wechsel in die Rüstungsbranche für die Audi-Mitarbeitende natürlich auch ethische Überlegungen eine Rolle spielen dürften.
Nach Angaben von Audi-Chef Döllner könnte das Modell perspektivisch laut Automobilwoche auch auf andere Standorte als Ingolstadt ausgeweitet werden. Die bisherige Lösung sei damit offenbar nicht nur als kurzfristige Reaktion auf die Situation in Ingolstadt gedacht, sondern könnte Teil eines grundsätzlich flexibleren Umgangs mit schwankendem Personalbedarf werden.
Für Audi hat eine solche Arbeitnehmerüberlassung mehrere Vorteile: Beschäftigte müssen nicht unmittelbar abgebaut werden, gleichzeitig sinkt zumindest vorübergehend der eigene Personalbedarf. Zudem bleiben erfahrene Fachkräfte grundsätzlich an das Unternehmen gebunden und könnten zurückkehren, wenn Audi sie für neue Projekte wieder benötigt.
Quelle: Automobilwoche – Audi-Betriebsrat gesprächsbereit, aber kein Blankoscheck für den Vorstand sowie Audi-Chef Döllner: Mitarbeiter-Ausleihe auch für andere Standorte denkbar








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