Umfrage: Markentreue nimmt bei Elektroautos ab

Umfrage: Markentreue nimmt bei Elektroautos ab
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Etablierte Autohersteller haben sich in der Vergangenheit gerne auf die beiden Säulen des guten Rufs und der Markentreue verlassen, um ihren Kundenstamm zu erhalten. Aber aufgrund der zunehmend stärkeren Konkurrenz von aufstrebenden Elektroauto-Herstellern kann die Markentreue nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden, so eine aktuelle Umfrage unter 5000 europäischen Verbrauchern von Adevinta, zu deren spezialisierten Mobilitätsmärkten unter anderem mobile.de (DE), coches.net (ES) und automobile.it (IT) gehören sowie allgemeinere Marktplätze mit einem starken Mobilitätsangebot wie leboncoin (FR) und Marktplaats (NL).

Die Markenreputation bleibt demnach zwar ein Schlüsselfaktor bei Kaufentscheidungen. Für 45 Prozent der europäischen Verbraucher bleibe es die oberste Überlegung bei der Suche nach einem neuen Fahrzeug, und fast ein Drittel (31 Prozent) haben in der Vergangenheit demnach Fahrzeuge derselben Marke gekauft.

Aber der Übergang zu Elektroautos hat die Karten neu gemischt, wie Adevintas Umfrage zeigt: Demnach sind überdurchschnittlich viele Kunden bereit, die Marke zu wechseln, um das Elektroauto zu bekommen, das am besten ihren Bedürfnissen entspricht. Demnach würden gut ein Viertel (28 Prozent) eher ein E-Auto von einer neuen oder unbekannten Marke kaufen als im Vergleich zum Verbrenner.

Eine Reihe von Schlüsselfaktoren, die regelmäßig als Hindernisse für die Einführung von Elektroautos genannt werden – wie Batteriereichweite, Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit –, veranlassen demnach die Verbraucher, auch Marken in Betracht zu ziehen, mit denen sie möglicherweise nicht vertraut sind. Zum Beispiel würden fast vier von zehn (39 Prozent) Verbrauchern in Betracht ziehen, ein Elektroauto von einer neuen oder unbekannten Marke zu kaufen, wenn es andere Modelle in Bezug auf die Batteriereichweite übertrifft. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) würde dasselbe tun, wenn es billiger wäre als andere Modelle. Und mehr als einer von vier (26 Prozent) würde den Kauf eines Elektroautos von einer neuen oder unbekannten Marke in Betracht ziehen, wenn das Fahrzeug schneller geliefert werden könnte als bei der bisherigen Marke.

„Hersteller können sich nicht mehr allein auf die Markentreue verlassen“

Ajay Bhatia, CEO von mobile.de und Leiter des globalen Mobilitätsportfolios von Adevinta, kommentiert die Ergebnisse wie folgt: „Im sich schnell entwickelnden E-Auto-Markt können sich etablierte Hersteller nicht mehr allein auf die Markentreue verlassen, um Marktanteile zu sichern. Um also für eine neue Generation von Elektroauto-Käufern im Visier zu bleiben, besteht die Aufgabe, Vertrauen aufzubauen, indem Bedenken hinsichtlich der wichtigsten Hindernisse für den Umstieg wie Kosten und Batteriereichweite beseitigt werden.“

Während die europäischen E-Auto-Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um gut 18 Prozent wachsen werden, müssen etablierte Hersteller mit einer Vielzahl von zunehmend wettbewerbsfähigen aufstrebenden Marken – einige davon aus China – um Marktanteile kämpfen.

Aber der Aufbau eines guten Rufs auf dem europäischen Markt ist aufgrund der Tendenz der Verbraucher, Qualität mit Tradition zu verbinden, keine leichte Aufgabe. Zum Beispiel vertrauen fast drei von zehn Verbrauchern (29 Prozent) nicht darauf, dass Fahrzeuge, die von neuen Marken hergestellt werden, sehr zuverlässig oder gut gebaut sind.

Volkswagen, BMW und Tesla genießen am meisten Vertrauen

Aus einer Liste von zehn Marken, die aus verschiedenen älteren und aufstrebenden Herstellern besteht (Volkswagen, BMW, Tesla, Renault, Nissan, Seat, Polestar, MG, BYD, Lynk & Co.), sehen die Verbraucher demnach Volkswagen (41 Prozent), BMW (40 Prozent), und Tesla (27 Prozent) als die vertrauenswürdigsten oder zuverlässigsten an. Am anderen Ende des Spektrums müssen sich aufstrebende Marken wie Polestar (6 Prozent), MG (4 Prozent), BYD (4 Prozent) und Lynk & Co (3 Prozent) ihren Ruf erst erarbeiten

Bei der Frage, welche Marken den besten Ruf als Elektroauto-Hersteller haben, kommt Tesla mit 48 Prozent an die Spitze, gefolgt von Volkswagen und BMW, beide mit 26 Prozent. Im Gegensatz dazu werden andere Hersteller, die sich wie Tesla ebenfalls auf Elektroautos konzentrieren, wie Polestar und BYD, von nur 11 Prozent bzw. 9 Prozent als seriöse E-Auto-Hersteller angesehen.

Quelle: Adevinta – Pressemitteilung vom 26.06.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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