E-Autos verlieren bei Abos weiter an Bedeutung

E-Autos verlieren bei Abos weiter an Bedeutung
Copyright:

Shutterstock / 731067301

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der Markt für Auto-Abos wächst weiter, wird günstiger und professioneller – aber die Elektromobilität kann davon derzeit nur unterdurchschnittlich profitieren. Das ist eine der auffälligsten Erkenntnisse aus dem aktuellen Auto Abo Report 2026 der Faaren Group, für den laut dem Würzburger Unternehmen deutlich mehr Daten als im Vorjahr ausgewertet wurden.

Während das Abo-Modell insgesamt an Reife gewinnt und sich als flexible Mobilitätslösung weiter etabliert, zeigt sich beim Antriebsmix eine Entwicklung, die aus Sicht der E-Mobilität zumindest nachdenklich stimmt. Denn der Anteil reiner Elektroautos an den Buchungen ist erneut gesunken, obwohl der Anteil an E-Autos bei den Neuzulassungen auf 19,1 Prozent gestiegen ist. Nachdem Stromer im Vorjahresreport noch auf 18,4 Prozent kamen, liegt ihr Anteil aller Abos nun nur noch bei 14,6 Prozent. Schon im Report 2025 war der E-Auto-Anteil gegenüber 2023 deutlich von 30 Prozent gefallen. Das bedeutet: Der Rückgang war keine bloße Delle, sondern hat sich fortgesetzt.

Dabei spricht auf den ersten Blick einiges für elektrische Auto-Abos. Faaren zeigt selbst, dass E-Autos beim Abo-Faktor klar besser dastehen als Verbrenner. Reine Elektroautos kommen im aktuellen Report auf einen durchschnittlichen Abo-Faktor (also das Verhältnis von Monatsrate zum Fahrzeugwert) von 0,95 Prozent, Verbrenner auf 1,11 Prozent. Auch die durchschnittliche Monatsrate der E-Autos ist leicht gesunken – von 598 auf 582 Euro. Gleichzeitig bekommen Kunden hier im Schnitt deutlich mehr Leistung und einen höheren Listenpreis als bei Verbrennern. Vereinfacht gesagt: Stromer bieten im Abo momentan viel Auto fürs Geld.

Anderes Bild bei Abos von Gebrauchtwagen

Der Markt folgt aber offenkundig nicht nur der rechnerischen Attraktivität, sondern vor allem dem Sicherheitsbedürfnis vieler Kunden, aber auch Restwertsorgen der Anbieter. Verbrenner dominieren mit 66,8 Prozent weiter klar das Geschehen, auch wenn ihr Anteil gegenüber den 73 Prozent des Vorjahres gesunken ist. Der eigentliche Gewinner sind (Plug-in-)Hybridfahrzeuge, die ihren Anteil von 8,6 auf 14,6 Prozent steigern konnten.

Das ist ein ziemlich eindeutiges Signal: Viele Abonnenten wollen offenbar elektrifizierte Mobilität, aber eben noch ohne sich vollständig auf den batterieelektrischen Antrieb einzulassen. Gerade im Abo, das oft als niedrigschwelliger Testkanal für neue Technologien gilt, ist das ein interessanter Befund. Das Modell hilft also durchaus beim Herantasten an neue Antriebe – aber derzeit eher dem Hybrid als dem reinen E-Auto. Jedoch kann ein Plug-in-Hybrid bekanntlich eine gute Einstiegsdrohe in die reine Elektromobilität sein, um ihm die Daseinsberechtigung nicht gänzlich abzusprechen.

Abschreiben sollte man die Elektromobilität im Abo deshalb trotzdem nicht. Denn der Report zeigt auch eine zweite, deutlich positivere Seite: Im Gebrauchtwagensegment steigt der Elektro-Anteil kräftig. Bei gebrauchten Abo-Fahrzeugen legte er von 23,5 auf 34,1 Prozent zu. Das ist insofern spannend, als gebrauchte E-Autos im klassischen Verkauf oft mit Restwertsorgen und Zurückhaltung kämpfen. Im Abo scheinen sie dagegen zunehmend einen sinnvollen zweiten Vermarktungsweg zu finden. Genau hier könnte für die Elektromobilität ein Hebel liegen: weniger über den klassischen Neuwagenabsatz, sondern stärker über flexible Nutzungsmodelle, in denen Unsicherheiten bei Batteriealter, Wiederverkauf oder technischer Entwicklung für den Kunden an Bedeutung verlieren.

10,8 Monate Laufzeit im Schnitt

Auch insgesamt wird der Markt erwachsener. Der durchschnittliche Abo-Faktor sinkt laut Report deutlich weiter, der Wettbewerb nimmt zu und mittlere Laufzeiten zwischen sechs und zwölf Monaten bleiben besonders relevant. Die durchschnittliche Abo-Dauer betrug 2025 dem Bericht nach 10,8 Monate. Schon der Vorjahresbericht zeigte, dass Auto-Abos günstiger werden und sich als flexible Alternative zwischen Besitz, Leasing und Langzeitmiete weiter etablieren. Der neue Report bestätigt diesen Trend, nur eben mit einer für die Elektromobilität derzeit noch unbequemen Nebenbotschaft: Ein wachsender Markt sorgt nicht automatisch für wachsende E-Auto-Anteile. Das Auto-Abo bleibt für die Elektromobilität folglich ein interessanter Vertriebskanal, ist aber aktuell eben kein Selbstläufer. Reine E-Autos überzeugen zwar mit guten Konditionen, verlieren bei den Buchungen aber weiter an Boden, was jedoch nicht nur an der Nachfrageseite liegen dürfte.

Quelle: Faaren Group – Auto Abo Report 2026

worthy pixel img
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Michael Neißendorfer  —  

Hält Europa an seinen CO2-Grenzwerten fest, könne es den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken.

E-Mobilität im Fuhrpark: Pioniere und Zauderer, Hoffen und Bangen

E-Mobilität im Fuhrpark: Pioniere und Zauderer, Hoffen und Bangen

Daniel Krenzer  —  

Hohe Dieselpreise könnten der Elektromobilität im gewerblichen Kontext einen neuen Schub verleihen, doch Bürokratie und Politik könnten dies ausbremsen.

7 Länder in Europa mit hohem Anteil an E-Lkw

7 Länder in Europa mit hohem Anteil an E-Lkw

Daniel Krenzer  —  

Der Markt für Elektro-Lkw nimmt in Europa spürbar Fahrt auf – aber das nicht überall gleich stark. Das sind die Vorreiter.

E-Auto-Gebrauchtpreise so niedrig wie seit 2024 nicht

E-Auto-Gebrauchtpreise so niedrig wie seit 2024 nicht

Sebastian Henßler  —  

Gebrauchte Stromer kosten im Median nur noch 29.700 Euro. Der Abstand zum Verbrenner schrumpft auf unter 5000 Euro und nähert sich einem Kipppunkt.

„Charging Success Rate“: Neue Kennzahl soll Ladeerlebnis verbessern

„Charging Success Rate“: Neue Kennzahl soll Ladeerlebnis verbessern

Tobias Stahl  —  

Eine neue Kennzahl soll Probleme an öffentlichen Ladesäulen identifizieren und das Nutzererlebnis verbessern. Was hinter der Charging Success Rate steckt.

Wie die Hormus-Blockade globale Lieferketten unter Druck setzt

Wie die Hormus-Blockade globale Lieferketten unter Druck setzt

Michael Neißendorfer  —  

Zwar kommt Europa bei der Blockade der Straße von Hormus global gesehen derzeit sogar noch glimpflicher davon – aber die Zeit läuft.