E-Mobilität im Fuhrpark: Pioniere und Zauderer, Hoffen und Bangen

E-Mobilität im Fuhrpark: Pioniere und Zauderer, Hoffen und Bangen
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Daniel Krenzer

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Die diesjährige Messe in Düsseldorf „Flotte! Der Branchentreff!“ rund um die betriebliche Mobilität stand ganz im Zeichen der Elektromobilität. Das Stimmungsbild sowohl bei den Fuhrparkentscheidern als auch bei den Dienstleistern war dabei jedoch sehr gemischt. Vor allem von den politischen Rahmenbedingungen und deren Entwicklungen zeigte sich eine Vielzahl an Akteuren enttäuscht. Allerdings zeigte die Messe ebenfalls, dass es für eine Vielzahl vermeintlicher Problemstellungen bereits adäquate Lösungen gibt.

Viele Fuhrparkentscheider wissen schon seit ein paar Jahren, dass mittelfristig die Elektrifizierung des unternehmenseigenen Fahrzeugpools die wirtschaftlichste Lösung sein wird oder oft bereits ist – spätestens seit den explodierenden Dieselpreisen im Zuge des Iran-Kriegs. Einige sind als Pioniere mit der Transformation des Fuhrparks schon weit vorangeschritten oder haben sie sogar bereits abgeschlossen. Andere hadern und zaudern noch, weil ihnen entweder noch der Mut für das entsprechende Investment fehlt oder sich Hürden in den Weg stellen wie nicht ausreichende Netzkapazitäten vor Ort und horrende Kosten im Falle einer Ertüchtigung des Netzes.

Junge Lkw-Fahrer stehen auf Elektro

Einer derjenigen, die sich bereits weit in das Abenteuer Elektromobilität vorgewagt haben, ist André Wessels vom Logistikunternehmen Wessels Cargo. Bei einer thematisch entsprechenden Electrive-Podiumsdiskussion auf einer der Messebühnen berichtete er von bereits einigen E-Lkw im eigenen Fuhrpark und der Erkenntnis, dass aktuell theoretisch 80 Prozent der eigenen Fahrzeuge recht problemarm elektrifiziert werden könnten.

Allerdings mangelt es auch hier noch am ausreichend dimensionierten Netzanschluss. Wessels berichtet von langwierigen bürokratischen Antragsprozessen und einem Hin- und Herreichen des Problems zwischen unterschiedlichen Verantwortlichkeiten. Dazu gibt es aus dem Publikum einen durchaus treffenden Kommentar eines weiteren Unternehmers: „Die wollen, dass wir uns reformieren, die Bundesnetzagentur arbeitet aber selbst noch wie vor 25 Jahren.“

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Torsten Hermsen von DAF Trucks Deutschland sprach sich indes dafür aus, politisch weniger mit Druck und Zwängen zu arbeiten, um die gewerbliche Mobilität umzustellen. Mit Blick auf Lkw-Flotten riet er eher dazu, auf Anreize und Motivationen zu setzen. Die Unternehmen sollten einfach mal Anfangen mit der Elektromobilität, erst ein paar wenige E-Lkw, dann nach und nach mehr. Bruno Lukas von Green Logistics Enabler verfolgt einen ähnlichen Ansatz. „Gerade der jüngeren Generation an Lkw-Fahrern macht es auch einfach großen Spaß, eine vollelektrische Zugmaschine zu bewegen“, stellte er fest. Schließlich sei diese viel leiser als ein Diesel-Lkw und man komme deutlich entspannter nach Feierabend nach Hause. Allerdings wünsche er sich auch von Fuhrparkbetreibern teils ein anderes Mindset. „Ich höre viel zu oft Forderungen nach Dieselpreissenkungen und noch zu wenig vom Nachdenken über Alternativen“, sagte er.

Indes zeigte sich bei Gesprächen mit Vertretern der Branche, dass die Sorgen der einen – steigende Dieselpreise – gleichzeitig die Hoffnung der anderen sind, nämlich derjenigen, die Unternehmen bei der Elektrifizierung unterstützen. So zeigte die Messe, dass es für viele Problemstellungen bei der Transformation des Fuhrparks hin zu elektrischen und smarteren Fahrzeugen bereits sehr gute Softwarelösungen auf dem Markt gibt, zum Beispiel zur Abrechnung von gemischten Ladevorgängen mit dem Dienstwagen unterwegs und zuhause, wie sie zum Beispiel Firmenladen anbietet.

Weniger positiv ist die Stimmung indes weiterhin bei vielen Vertretern der Ladeinfrastruktur-Branche. Angesichts des Spannungsfelds einer wieder stärker fossil agierenden Bundesregierung, hohen Strompreisen und teils schwieriger Regulatorik tun sich viele Anbieter weiterhin schwer. Für Sorgenfalten sorgten dabei dem Vernehmen nach Nachrichten wie von Total Energie, die ihre Ladeinfrastruktur-Sparte wieder abstoßen will – oder von großen Ladeparks weiterer großer Anbieter, die auch nach längerem Betrieb nicht profitabel seien und ebenfalls zur Disposition stünden.

Chinesen greifen nach Marktanteilen

Entweder über Leasing- oder Aboanbieter oder auch über die Hersteller direkt waren zudem einige Fahrzeuge in den Messehallen ausgestellt, die für Fuhrparks interessant sein könnten – ein zunehmend großer Teil davon vollelektrisch. Stark präsent zeigten sich dabei die chinesischen Marken, so waren Elektroautos von BYD, Xpeng, MG Motors, Jac, Changan, Polestar oder auch Zeekr ausgestellt und teils von Menschentrauben umringt. Auch Stellantis war mit einem besonders großen Messestand vertreten, wo neben der chinesischen Marke Leapmotor ein wilder Marken-, Antriebsart- und Modellmix ausgestellt wurde, der ein Stück weit das Problem der verworrenen Automobilgruppe aufzeigte. Kia, Hyundai, Renault, Nissan, KGM und Mitsubishi waren beispielsweise ebenfalls unübersehbar vertreten, doch auch deutsche E-Autos gab es hier und da zu entdecken wie den BMW iX3 oder den VW ID.Buzz.

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Im direkten Vergleich können hier die asiatischen Modelle durchaus punkten, da für den Fuhrparkentscheider die Kosten in der Regel das gewichtigste Kriterium sind: Während beispielsweise ein voll ausgestatteter BMW iX3 knapp 90.000 Euro ohne monatliche Zusatzkosten für Ausstattungsabos kostet, bekommt man für das gleiche Geld fast schon zwei E-Autos aus Fernost mit ähnlicher Ausstattung.

Auch wenn die Zulassungszahlen der chinesischen Hersteller bislang nicht allzu groß sind, sollten die europäischen Hersteller hier gut aufpassen, sich den wichtigen Flottenmarkt nicht komplett aus den Händen reißen zu lassen. Denn die Elektrifizierung der Fuhrparks wird stetig weiter voranschreiten, und wenn die Dieselpreise so bleiben, dann kann dies plötzlich auch ganz schnell gehen – sofern es Politik und Regulatorik zulassen.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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