Der türkische Elektroautohersteller Togg kommt auf dem deutschen Markt nur schleppend voran. Im ersten Halbjahr wurden hierzulande gerade einmal 197 Exemplare der beiden Modelle T10X und T10F zugelassen, 162 entfielen auf das SUV, 35 auf die Limousine. Im gesamten Jahr 2025 waren es 140 Zulassungen. Damit bleibt Togg weit hinter den eigenen Ambitionen zurück, denn nach dem Verkaufsstart Ende Oktober sollte ein erstes Kontingent von 1000 Fahrzeugen im Laufe des Jahres 2026 über die Trumore-App abgesetzt werden.
CEO Gürcan Karakaş, der viele Jahre als Manager bei Bosch tätig war, sieht die Ursache vor allem in fehlenden Finanzierungsmodellen. Bislang können die Autos, die zu Preisen ab 41.200 Euro angeboten werden, ausschließlich online und ohne Leasingoption erworben werden. Hinzu kommt, dass Togg in Deutschland bislang über kein Händlernetz verfügt, was potenzielle Kund:innen zusätzlich zurückhaltend werden lässt. Vor der Deutschlandzentrale in Stuttgart steht zwar eine kleine Testwagenflotte für kaufbereite Interessent:innen bereit, ein reiner Online-Kauf scheint für viele jedoch eine zu hohe Hürde zu sein.
Leasing und Händlernetz sollen Wende bringen
Beide Defizite will das Unternehmen nun angehen. „In den kommenden Monaten erweitern wir unsere Finanzierungsangebote um Leasing. Parallel dazu entwickeln wir unser Vertriebs- und Servicenetz im Agenturmodell weiter“, kündigt Karakaş an. Gespräche mit möglichen Partnern liefen bereits, konkrete Details wollte er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht nennen. Trotz der bislang mageren Absatzzahlen zeigt sich der Manager gelassen: „Wir haben im Moment keinen Druck, da sich unsere Fahrzeuge in der Türkei sehr gut verkaufen.“
Diese Aussage lässt sich mit Zahlen untermauern. Seit dem Marktstart im März 2023 wurden in der Türkei rund 110.000 Exemplare des T10X und T10F ausgeliefert, allein 2025 waren es laut Statistik rund 39.000 Fahrzeuge. Damit war der T10X das meistverkaufte Elektroauto des Landes, deutlich vor Importmodellen wie dem Tesla Model Y. „Zuletzt hatten wir einen Marktanteil von rund 30 Prozent bei rein elektrischen Fahrzeugen“, so Karakaş. Werden die Autos nicht in Deutschland abgesetzt, finden sie demnach in der Türkei ihre Abnehmer.
Elektromobilität wächst rasant in der Türkei
Die Elektromobilität hat sich in der Türkei auch dank des nationalen Champions Togg in den vergangenen Jahren deutlich entwickelt. Der Anteil rein batterieelektrischer Autos liegt inzwischen bei rund 18 Prozent und damit nur wenig unter dem Niveau der EU. Neben einer mittlerweile gut ausgebauten Ladeinfrastruktur tragen steuerliche Anreize beim Kauf eines Elektroautos zu dieser Entwicklung bei. Auch das Tesla Model Y erfreut sich in der Gunst türkischer Kund:innen großer Beliebtheit, während chinesische Marken bislang eine untergeordnete Rolle spielen. Der Rückzug von BYD von einem angekündigten Werksprojekt im Süden des Landes sei in der türkischen Bevölkerung nicht gut angekommen.
Den nächsten Wachstumsschub erwartet Karakaş mit der Einführung des T6X, eines kompakten SUV, das Mitte 2027 auf den Markt kommen und deutlich günstiger als die beiden bestehenden Modelle ausfallen soll. Ermöglicht wird dies unter anderem durch die Batterie: Das komplette „Skateboard“ samt LFP-Akku liefert der chinesische Hersteller CATL zu. Das neue Modell solle „preislich sehr attraktiv“ werden und damit auch die Chancen für Togg in Deutschland und Europa verbessern. „Damit sollten wir die Absatzzahl auf 110.000 Fahrzeuge pro Jahr bringen können“, prognostiziert Karakaş. Die Fabrik im türkischen Gemlik nahe Istanbul wäre in diesem Fall im Zwei-Schicht-Betrieb ausgelastet.
An seiner zurückhaltenden Strategie will Karakaş dennoch festhalten. „Deutschland ist ein wichtiger Markt für uns. Aber wir wollen uns hier nachhaltig aufstellen und schauen nicht nur kurzfristig auf Stückzahlen.“ Spätestens im kommenden Jahr solle die Wachstumsstrategie durch ein attraktives Leasingangebot und ein eigenes Händlernetz sichtbar werden.
Quelle: Automobilwoche – EXKLUSIV: Togg erwartet Schub mit neuem Kompakt-SUV T6X








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