Für Speditionen und andere Betreiber schwerer Elektro-Lkw könnte sich der Umstieg auf batterieelektrische Nutzfahrzeuge ab 2027 finanziell noch stärker lohnen. Durch neue Berechnungsgrundlagen bei der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) können die jährlichen Erlöse je Fahrzeug rechnerisch von derzeit gut 5000 auf rund 11.300 Euro steigen. Darauf weist der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hin.
Hintergrund sind neue Schätzwerte des Bundesumweltministeriums für die pauschal anrechenbare Strommenge batterieelektrischer Fahrzeuge. Für schwere E-Lkw der Fahrzeugklasse N3 mit mehr als zwölf Tonnen zulässiger Gesamtmasse steigt diese ab 2027 von bislang 33.400 auf 54.800 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht einer Erhöhung um rund 64 Prozent.
Gleichzeitig wird der Anrechnungsfaktor für diese Fahrzeugklasse von drei auf vier angehoben. Zusammengenommen steigt die rechnerisch anrechenbare Strommenge damit um rund 119 Prozent. Das verbessert die Möglichkeiten der Fahrzeughalter, durch die Vermarktung ihrer THG-Quote zusätzliche Einnahmen zu erzielen.
„Die neuen Regeln machen den Umstieg auf E-Lkw für Speditionen und Co. noch attraktiver. Wer seine Flotte elektrifiziert, spart nicht nur CO₂, sondern auch Geld“, erklärt Merlin Jonack, Projektleiter Dekarbonisierung schwerer Nutzfahrzeuge beim Nabu. Bei einer Flotte von 20 Elektro-Lkw seien auf Grundlage heutiger Quotenpreise – die allerdings für die kommenden Jahre nicht gewiss sind – mehr als 100.000 Euro zusätzliche Einnahmen jährlich möglich.
Sechsstellige Mehreinnahmen bei 20 E-Lkw möglich
Konkret rechnet der Verband mit rund 123.000 Euro Mehreinnahmen für eine solche Flotte. Allerdings handelt es sich dabei um eine Modellrechnung. Wie viel Geld tatsächlich ausgezahlt wird, hängt von den künftigen THG-Quotenpreisen und den Konditionen der jeweiligen Vermarkter ab.
Die verbesserten Rahmenbedingungen treffen auf einen Markt, in dem die Wirtschaftlichkeit batterieelektrischer Nutzfahrzeuge zunehmend an Bedeutung gewinnt. Erst Ende September hatte eine Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment gezeigt, dass sich der höhere Anschaffungspreis eines Elektro-Lkw in Deutschland unter günstigen Einsatzbedingungen bereits nach etwa zwei Jahren amortisieren kann. Höhere THG-Erlöse könnten diese Rechnung weiter verbessern.
Gleichzeitig bleibt der Markthochlauf anspruchsvoll. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) hatte im September darauf hingewiesen, dass der Anteil emissionsfreier Lkw an den Neuzulassungen noch weit von den europäischen Flottenzielen für 2030 entfernt ist. Neben wirtschaftlichen Anreizen braucht es deshalb insbesondere einen schnelleren Ausbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur und ausreichende Netzanschlusskapazitäten. Die neuen THG-Regeln könnten somit zumindest einen zusätzlichen wirtschaftlichen Anreiz zur Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeugflotten schaffen.
Quelle: Nabu – Pressemitteilung vom 30. Oktober 2026








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