Sonntagsfahrverbot: Energiebranche will Ausnahme für E-Lkw

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Sebastian Henßler
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Elektrische Lkw sollen künftig auch sonntags fahren dürfen. Diese Ausnahme vom Sonntagsfahrverbot fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einem Positionspapier, das der Automobilwoche exklusiv vorliegt. Speditionen könnten ihre batterieelektrischen Fahrzeuge so an zusätzlichen Tagen einsetzen und besser auslasten. Genau darin sieht der Verband einen Hebel, um den Umstieg vom Diesel zu beschleunigen.

„Als weiteren Anreiz für einen schnellen Fahrzeughochlauf an E-Lkws sollten diese eine Sonntagsfahrterlaubnis erhalten”, heißt es in dem Papier. Bislang gelten für schwere Lkw an Sonn- und Feiertagen Fahrbeschränkungen. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae betont, dass das Verbot nicht grundsätzlich infrage gestellt werde: „Uns geht es nicht um eine Aufhebung des Sonntagsfahrverbots insgesamt, sondern um eine Ausnahme für E-Lkw.” Wer auf elektrische Antriebe umsteige, hätte damit nach ihren Worten „einen echten betrieblichen Vorteil”.

Hinter der Forderung steht ein Verband, der die Interessen der Versorgungsunternehmen vertritt, darunter alle wichtigen Energieerzeuger und Ladenetzbetreiber. Eine Sonderregel für E-Lkw hätte allerdings auch eine Kehrseite. Transportunternehmen, die weiterhin Diesel-Lkw einsetzen, würden gegenüber der elektrischen Konkurrenz ungleich behandelt.

Ein Blick auf die Zulassungszahlen zeigt, wo der Güterverkehr derzeit steht. Im ersten Halbjahr 2026 waren in der EU 4,8 Prozent der neu zugelassenen Lkw über 3,5 Tonnen elektrisch aufladbar. In diesem Wert sind batterieelektrische Modelle ebenso enthalten wie Wasserstoff-Lkw und Plug-in-Hybride. Bei Pkw kommen allein vollelektrische Autos in der EU inzwischen auf mehr als 20 Prozent.

Gegenwind für das Lkw-Ladenetz des Bundes

Kritik übt der Verband zudem an einem zentralen Förderinstrument der Bundesregierung. Geplant ist, an 351 Rastplätzen entlang der Autobahnen Schnelllader für E-Lkw aufzustellen, wofür sich Konsortien bewerben können. Bei diesen ausgeschriebenen Ladeparks deckt der Staat nach Darstellung des BDEW Investitions- und Betriebskosten ab. Privat finanzierte Anbieter müssten das wirtschaftliche Risiko dagegen selbst tragen.

„Das Förderprogramm der Bundesregierung zum Lkw-Schnellladenetz an Autobahnen lehnen wir ab”, sagt Andreae. Es führe zu „Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten klassischer Ladesäulenbetreiber”. Der BDEW verlangt daher, weitere Grundstücke der bundeseigenen Autobahn GmbH für private Ladeanbieter zu öffnen. Neue Ladestationen sollen außerdem leichter außerhalb geschlossener Ortschaften entstehen dürfen.

Wie viel Kapital der Aufbau erfordert, hat der Verband ebenfalls beziffert. Für öffentliche Ladeangebote für schwere E-Lkw in der Europäischen Union rechnet er bis 2030 mit einem Finanzierungsbedarf von 3,7 bis 6,5 Milliarden Euro. Dieses Geld aufzubringen, gestaltet sich nach seiner Darstellung schwierig. Banken stuften Investitionen in Lkw-Ladeparks wegen der noch geringen Zahl elektrischer Nutzfahrzeuge als besonders riskant ein.

Selbst die staatliche Förderbank KfW übernehme derzeit keine höheren Risiken als Geschäftsbanken. „In der Konsequenz werden Projekte im E-Lkw-Bereich aktuell noch nicht beliehen”, stellt der Verband fest. Daraus leitet sich die Forderung ab, der KfW die Vergabe risikoreicherer Kredite für Lkw-Ladeparks zu ermöglichen.

Warum die CO₂-Ziele nicht wackeln sollen

Bei den europäischen CO₂-Vorgaben für Nutzfahrzeuge setzt der BDEW auf Kontinuität. „Das Etappenziel einer Reduktion der CO₂-Flottengrenzwerte um 45 Prozent bis zum Jahr 2030 ist für die Wirtschaftlichkeit des Ladeangebots wichtig”, lautet die Formulierung im Positionspapier. Andreae bezeichnet das Ziel als „elementar für das Vertrauen in die Investitionsbedingungen”.

Andere Lobbyorganisationen sehen das anders. Zu ihnen zählt der Verband der Automobilindustrie (VDA), der eine Überprüfung der Emissionsziele für Nutzfahrzeugflotten fordert. Der langfristige Pfad ist dabei klar vorgezeichnet: Bis 2040 müssen neue Lkw ihre Emissionen im Vergleich zum Referenzjahr 2019 um 90 Prozent senken.

Quelle: Automobilwoche – Energieverband: E-LKW sollen auch sonntags fahren dürfen

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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