Tesla sperrt sich weiterhin gegen Tariflöhne in Grünheide

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Supercharger am Tesla-Werk Grünheide – Maurizio Fabbroni / Shutterstock / 2430250571

Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Der Elektroautohersteller Tesla lehnt die Einführung eines Tarifvertrags an seinem Standort Grünheide in der Nähe von Berlin weiterhin kategorisch ab. „Es gab dieses Jahr eine Entgelterhöhung im einschlägigen Tarifvertrag von zwei Prozent“, sagte Werksleiter André Thierig der Nachrichtenagentur DPA. „Wir konnten, weil wir in einer anderen wirtschaftlichen Situation sind als die gesamte Industrie, die Entgelte um das Doppelte – um vier Prozent – anheben. Seit Produktionsbeginn waren es damit mehr als 25 Prozent Entgelterhöhung in weniger als vier Jahren.“

Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, weist darauf hin, dass dennoch weiterhin eine starke Schieflage herrsche: „Die Lohnerhöhung bei Tesla ist absolut berechtigt und auch notwendig, das haben sich die Beschäftigten verdient. Allerdings bleibt die Bezahlung bei Tesla auch nach dieser Lohnerhöhung weiterhin deutlich hinter dem branchenüblichen Niveau in der Autoindustrie in Deutschland zurück.“

Otto weist auch darauf hin, dass „die Tesla-Manager leider immer wieder versuchen, die eigenen Beschäftigten und die Öffentlichkeit mit irreführenden Vergleichen darüber hinwegzutäuschen.“ Die Tesla-Geschäftsführung rede den Tarifvertrag schlecht, indem sie dessen niedrigste Entgeltgruppe heranziehe. In Automobilwerken allerdings seien die untersten beiden Entgeltgruppen gar nicht vergeben. Daher gilt auch die Aussage der Werksleitung, der Lohn bei Tesla würde 14,5 Prozent über dem Tariflohn liegen, als nicht korrekt.

„Dies weiß die Tesla-Geschäftsführung ganz genau. Anders wäre nicht zu erklären, dass sie sich mit allen Mitteln gegen die Einführung des Flächentarifvertrags in der Gigafactory wehrt“, so der Gewerkschafter. „Wenn man noch die längeren Arbeitszeiten bei Tesla berücksichtigt, liegt der Abstand zum Tarifvertrag bei 30 bis 35 Prozent.“

Teslas Werksleiter Thierig lehnt jedoch eine Arbeitszeitverkürzung ab, für die die Gewerkschaft kämpft, und sieht sie als Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts „Die Diskussion um eine 35-Stunden-Woche ist für mich eine rote Linie, die werden wir nicht überschreiten“, sagte Thierig.

Die IG Metall wiederum moniert, dass einseitige Ankündigungen von Lohnerhöhungen durch eine Firmenleitung keinen Tarifvertrag ersetzen können, „der auf Augenhöhe verhandelt wird und in dem weit mehr geregelt ist“, so Otto. Bei einem Tarifvertrag hätten die Beschäftigten mit der IG Metall einen verlässlichen Partner, der die Lohnerhöhung für sie aushandelt und den Zeitraum klar benennt, für den der Tarifvertrag gilt. „Sie sind damit nicht der Willkür des Managements ausgeliefert.“

„Das Vorgehen der Tesla-Führung ist so durchschaubar wie undemokratisch“

Tesla-Chef Elon Musk ist schon länger offen gewerkschaftsfeindlich. Zum Beispiel macht er die IG Metall verantwortlich für die Krise der deutschen Autoindustrie. Der Konflikt dürfte in den kommenden Wochen weiter hochkochen, da im kommenden Jahr bei Tesla eine Betriebsratswahl ansteht, die aus Sicht des Werksleiters sehr bedeutsam ist: „Sie entscheidet darüber, ob wir auch in Zukunft unabhängig, flexibel, und unbürokratisch unseren Erfolgsweg weitergehen können“, sagt Thierig, verbunden mit dem Hinweis auf mögliche Konsequenzen: „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass die Entscheidungsträger in den USA den Ausbau der Fabrik weiter vorantreiben, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt.“

Jan Otto reagiert empört auf Aussagen wie diese, die Vorhaben wie die bereits angekündigte Produktion von Batteriezellen in Grünheide wieder in Frage stellen: „Das Vorgehen der Tesla-Führung ist so durchschaubar wie undemokratisch“, sagte er. „Wie auch schon 2024 spielt man mit den Hoffnungen, Wünschen und Ängsten der Beschäftigten, um den Ausgang der Wahlen zu beeinflussen.“ Bei der letzten Betriebsratswahl 2024 wurde die IG Metall mit 16 Sitzen zwar stärkste Kraft. Jedoch holten sich vier andere Listen mit zusammen 23 Sitzen die Mehrheit und vertreten aus Sicht der Gewerkschaft die Positionen des Managements, nicht der Arbeitnehmer.

Quelle: Taz – Tesla bleibt hart / Perspektive – Tesla Grünheide: IG Metall fordert Tarifvertrag, Werksleitung blockiert / Bild – Tesla-Ausbau nur ohne IG Metall-Gewerkschaft? / IG Metall – Pressemitteilung vom 02.12.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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