Milliarden-Deal: Tata Motors übernimmt Lkw-Geschäft von Iveco

Milliarden-Deal: Tata Motors übernimmt Lkw-Geschäft von Iveco
Copyright:

Iveco

Tobias Stahl
Tobias Stahl
  —  Lesedauer 2 min

Tata Motors wird das Lkw-Geschäft des Nutzfahrzeugherstellers Iveco für 3,8 Milliarden Euro übernehmen. Das gaben beide Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt. Ivecos Rüstungssparte wiederum soll für 1,7 Milliarden Euro an das italienische Unternehmen Leonardo gehen.

Tata will der Mitteilung zufolge ein Barangebot für die Iveco-Aktien in Höhe von 14,10 Euro je Aktie unterbreiten. Das Angebot steht unter dem Vorbehalt des Verkaufs der Verteidigungssparte. Derzeit wird Iveco über die Investmentgesellschaft Exor von der italienischen Agnelli-Familie kontrolliert – Exor hält 27,1 Prozent der Anteile an dem ebenfalls italienischen Nutzfahrzeughersteller und verfügt über 43,1 Prozent der Stimmrechte. Exor hat sich bereit erklärt, seine Anteile an Tata zu übertragen.

„Das Angebot bringt zwei Unternehmen mit sich ergänzenden Produktportfolios und Fähigkeiten zusammen, ohne nennenswerte Überschneidungen in ihrer industriellen oder geografischen Präsenz“, so Tata und Iveco in der gemeinsamen Mitteilung. Mit der Fusion würde das entstehende Unternehmen global stark aufgestellt sein: Laut Reuters beträgt der jährliche Absatz über 540.000 Fahrzeuge, der Umsatz soll rund 22 Milliarden Euro betragen.

Iveco erzielte im vergangenen Jahr 74 Prozent seines Umsatzes in Europa. Tata Motors ist zwar mit Jaguar Land Rover im europäischen Pkw-Bereich vertreten, auf dem hiesigen Nutzfahrzeugmarkt hat das indische Unternehmen aber bislang keine nennenswerte Präsenz. Iveco ist wiederum der kleinste der großen europäischen Lkw-Hersteller, hinter Volvo, Daimler und Traton.

Rheinmetall könnte sich Ivecos Militärfahrzeug-Sparte sichern

Reuters hatte Mitte Juli erstmals über Gespräche zwischen Tata und Iveco berichtet, seither konnte die Iveco-Aktie um etwa 25 Prozent klettern. Iveco beschäftigt rund 36.000 Mitarbeiter, davon 14.000 in Italien. Vor diesem Hintergrund dürfte die italienische Regierung einen genauen Blick auf die Übernahme durch Tata werfen. Vertreter der Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärten, man unterstütze „qualitativ hochwertige ausländische Investitionen“, werde den Deal jedoch aufmerksam verfolgen, um Arbeitsplätze, strategische Ressourcen und die industrielle Lieferkette zu schützen.

Der staatlich kontrollierte Konzern Leonardo will indes Ivecos Verteidigungssparte IDV übernehmen. IDV erzielte 2024 einen operativen Gewinn von 108 Millionen Euro mit rund 2000 Beschäftigten im In- und Ausland. Der Abschluss des IDV-Deals wird im ersten Quartal 2026 erwartet, jedoch vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Iveco soll nach Abschluss des Geschäfts von der Börse genommen werden. Leonardos deutscher Partner Rheinmetall teilte am Mittwoch mit, dass man in exklusiven Verhandlungen mit Leonardo über den Erwerb der Militärfahrzeug-Sparte von IDV sei.

Quellen: Iveco Group – Pressemitteilung vom 30.07.2025 / Reuters – Tata Motors to buy Italy’s Iveco after defence unit disposal

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Tobias Stahl

Tobias Stahl

Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektro-Lkw

MAN-Vertriebsvorstand: „Nicht die Ladesäule ist das Problem, sondern der Netzanschluss“

MAN-Vertriebsvorstand: „Nicht die Ladesäule ist das Problem, sondern der Netzanschluss“

Tobias Stahl  —  

E-Lkw rechnen sich auf vielen Strecken längst, sagt MAN-Vertriebsvorstand Friedrich Baumann. Gebremst werde der Hochlauf eher durch den schleppenden Netzausbau.

Scania und Pape: E-Lkw im Kühltransport-Alltag

Scania und Pape: E-Lkw im Kühltransport-Alltag

Sebastian Henßler  —  

Für die Spedition Pape ist Pünktlichkeit beim Kühltransport entscheidend, batterieelektrische Scania Lkw sollen daran nichts ändern.

ICCT-Bericht: Deutschland bleibt größter Markt für emissionsfreie Lkw

ICCT-Bericht: Deutschland bleibt größter Markt für emissionsfreie Lkw

Maria Glaser  —  

Für verschiedene Gewichtsklassen zeigt der ICCT-Bericht, wie sich die Elektrifizierung des Personen- und Gütertransports in Europa entwickelt.

Janus rüstet alte Diesel-Sattelschlepper auf Elektro um

Janus rüstet alte Diesel-Sattelschlepper auf Elektro um

Sebastian Henßler  —  

Janus Electric rüstet alte Diesel-Sattelschlepper auf Elektroantrieb um und senkt die Kosten auf ein Viertel eines Neufahrzeugs.

Spedition Metzger: Wie der E-Lkw zum Alltag wurde

Spedition Metzger: Wie der E-Lkw zum Alltag wurde

Sebastian Henßler  —  

Die Spedition Metzger setzt fünf Elektro-Lkw im Regelbetrieb ein und kombiniert dabei Photovoltaik, Rampenladung und Modelle mehrerer Hersteller.

Madrid testet Brennstoffzellenbus mit Bosch-Technik

Madrid testet Brennstoffzellenbus mit Bosch-Technik

Sebastian Henßler  —  

In Madrid startet ein Testbetrieb mit einem Brennstoffzellenbus von Irizar und Bosch, der über 1000 Kilometer Reichweite bietet.

E-Lkw von MAN schafft 1000 Kilometer Tagesreichweite

E-Lkw von MAN schafft 1000 Kilometer Tagesreichweite

Sebastian Henßler  —  

MAN hat den ersten serienmäßig produzierten eTruck mit Megawatt Charging System vorgestellt und ermöglicht damit deutlich kürzere Ladezeiten im Fernverkehr.