Studie: Vor allem Deutsche meiden deutsche Autos

Studie: Vor allem Deutsche meiden deutsche Autos
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Nichts geht über deutsches Spaltmaß, so lautete noch vor wenigen Jahren das Credo einer Vielzahl deutscher, aber auch internationaler Autokäufer. Diese Zeiten sind aber zunehmend vorbei, die wichtigen Kriterien bei Autos im Allgemeinen und Elektroautos im Besonderen längst andere – das zeigen nun auch aktuelle Analysen von AlixPartners. Besonders bitter für die deutschen Automobilhersteller: In keinem anderen untersuchten Land lehnen so viele Befragte die Anschaffung eines deutschen Autos ab wie in Deutschland selbst.

Die Studie „Configured: What will Car Buyers Drive Next“ zeigt, dass 20 Prozent der Befragten hierzulande deutsche Auto meiden. In den USA sagen dies 14 Prozent, in Frankreich 12 Prozent, in Italien 11 Prozent und in China 10 Prozent. Wenig kategorische Ablehnung erfahren deutsche Hersteller indes in Großbritannien (7 Prozent), Japan (6 Prozent) und Südkorea (5 Prozent). „Das Qualitätssiegel Made in Germany ist weltweit nach wie vor ein starkes Kaufargument“, sagte jedoch Samuel Schramm, Senior Consultant bei Berylls by AlixPartners laut Automobilwoche. Allerdings seien vor allem bei Elektroautos immer mehr potentielle Kunden nicht vom Angebot deutscher Hersteller überzeugt.

Jedoch ist in den untersuchten Ländern die Ablehnung von chinesischen Autos deutlich größer. Insgesamt sprachen etwa 44 Prozent der Befragten davon, chinesische Modelle zu meiden, besonders hoch war der Anteil in den asiatischen Ländern außerhalb Chinas. Doch auch in der Heimat wollen 17 Prozent der Chinesen kein Auto aus dem eigenen Land fahren, das ist nicht so viel weniger als besagte 20 Prozent in Deutschland.

Bei Software-Themen liegt China weit vorne

Zur Skepsis an deutschen Elektroautos passen die Ergebnisse einer weiteren Befragung von AlixPartners, die sich an mehr als 1000 Führungskräfte aus dem Automotive- und Technikbereich wandte. Demnach geht hervor, dass die europäischen, aber auch US-amerikanischen Automobilhersteller immer mehr den Anschluss ausgerechnet bei derzeit besonders wichtigen Thematiken verlieren. Wie die Automobilwoche zusammenfasst, sind dies vor allem Software-Kontrollpunkte, die Weiterverwendbarkeit von Codes sowie die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus.

„Das softwaredefinierte Fahrzeug ist die Zukunft der Branche – und diese Zukunft wird stärker, als vielen bewusst ist, von chinesischen Herstellern und Technologieunternehmen kontrolliert“, warnte demnach Himanshu Khandalwel, Partner bei AlixPartners und Managing Director im Automotive-Bereich. Den Ergebnissen zufolge entwickeln sehr viel mehr chinesische Hersteller ihre Software-Komponenten selbst als in Europa oder Nordamerika. Zudem wird in China stärker auf eine Entkopplung bei der Software geachtet, während viele europäische Hersteller mit neuen Software-Bausteinen in eigentlich veralteten Systemen herumbastelten.

Auf sehr starke Ablehnung bei den Kunden stieße zudem die Eigenart vieler europäischer und vor allem deutscher Automobilhersteller, die Freischaltung von Funktionen per Abo-Modell monatlich extra bezahlen zu lassen. In China ist dies unüblich.

Deutlich werde laut Autoren mit Blick auf die Ergebnisse: „Die Herausforderung ist nicht mehr nur der erfolgreiche Marktstart neuer Funktionen. Entscheidend ist, über den gesamten Lebenszyklus hinweg Kosten zu senken, Software effizient zu aktualisieren und Qualität sowie Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Zudem warnen sie, dass für die westlichen Automobilhersteller bei nicht ausreichender Transformation nicht nur einzelne Geschäftsbereiche auf dem Spiel stünden, sondern das Überleben.

Schwierige Ausgangslage für westliche Hersteller

Allerdings ist die Ausgangslage keine leichte, wie der ebenfalls neu veröffentlichte Disruptions-Index von AlixPartners zeigt. Für Europa zeigt dieser mit hohen Standortkosten, kritischen Lieferketten und Rohstoffverfügbarkeiten sowie teils ungenügenden politischen Rahmenbedingungen sehr schwierige Bedingungen für die Automobilhersteller und Zulieferer auf, um die zwingend notwendige Transformation zur Elektromobilität international wettbewerbsfähig zu meistern. Um auf dem Markt weiter eine Rolle spielen zu können, müssten die Hersteller schnell auf die Verschiebung der Wertschöpfung in Richtung Software, Daten und Services reagieren. Überlebensfähig seien demnach vor allem Hersteller, die Elektromobilität, Software und Plattform gemeinsam denken.

Während moderne Automobilhersteller technologisch stark aufgestellt seien, schnell neue Geschäftsmodelle entwickelten und agil auf geopolitische Veränderungen reagierten, seien viele europäische Hersteller in ihrem Verhalten noch deutlich zu reaktiv. Anstatt neue Wertschöpfungen zu ermöglichen, seien viele Unternehmen in der Branche vor allem darauf bedacht, Kosten zu senken. Auch dies begünstige, dass sich der Wettbewerb zunehmend nach Asien und vor allem nach China verlagere. Und mit zunehmender Qualität der asiatischen Fahrzeuge und wachsender Lücke zu den Mitbewerbern dürfte auch die Skepsis gegenüber Autos aus der Volksrepublik geringer werden – so lief es in Europa ja bereits in der Vergangenheit mit heute etablierten Marken aus Japan und auch Südkorea.

Quelle: Automobilwoche – Kratzer für „Made in Germany“ sowie Alarmierende Studie: Westliche Autobauer fallen bei Software weiter zurück; AlixPartners – Disruption Index

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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