Stellantis kämpft in Europa gegen chinesische Rabatte

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Die Zahlen des zweiten Quartals 2026 zeigen bei Stellantis ein klares Muster: Der Konzern lebt derzeit von Nordamerika, während der europäische Heimatmarkt stagniert. Für Branchenbeobachter:innen liefert das einen Hinweis darauf, wo der laufende Konzernumbau bereits greift und wo er noch aussteht. Insgesamt stieg der Nettoumsatz im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro, das bereinigte Betriebsergebnis blieb mit 773 Millionen Euro jedoch unter den von Analyst:innen erwarteten 914 Millionen Euro.

In Nordamerika legte der Umsatz um 32 Prozent zu, der Absatz stieg um sechs Prozent und damit bereits das vierte Quartal in Folge. Getragen wurde die Entwicklung von margenstarken Modellen: Der Jeep Grand Wagoneer verzeichnete ein Plus von 43 Prozent, der Ram 1500 legte um neun Prozent zu, der Dodge Durango ebenfalls. Der US-Marktanteil von Stellantis wuchs um 40 Basispunkte auf 7,4 Prozent, obwohl der Gesamtmarkt im Quartal leicht schrumpfte. Auch Mexiko trug bei: Mit einem Absatzplus von 17 Prozent erzielte der Konzern dort das stärkste zweite Quartal seiner Geschichte.

Fondsmanager Fabio Caldato von AcomeA Sgr, einem Stellantis-Investor, bewertete die Region dennoch zurückhaltend: „Blickt man über die Schlagzeile hinaus, ist das Ergebnis etwas fragwürdiger“, sagte er und verwies auf gestiegene Lagerbestände bei den Händlern, die einen Teil des Absatzplus erklärten.

Europa bleibt unter Druck der chinesischen Konkurrenz

Der europäische Umsatz stagnierte, während Stellantis mit Preissenkungen auf die wachsende Konkurrenz chinesischer Hersteller wie BYD und Chery reagierte. Der Marktanteil in der EU30-Region sank um 80 Basispunkte auf 16 Prozent, obwohl der Absatz um 3 Prozent stieg, getrieben unter anderem von Modellen auf der Smart Car Plattform und der Einführung des Fiat Grande Panda als Verbrenner.

Um dem Vordringen chinesischer Marken zu begegnen, setzt der Konzern verstärkt auf die eigene Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor, dessen Absatz in Europa sich im ersten Halbjahr 2026 nahezu versechsfachte. Zudem entwickelt Stellantis neue Fahrzeugplattformen für den europäischen Markt, die laut Vorstandschef Antonio Filosa „auf chinesischem Wettbewerbsniveau“ liegen sollen. Auch Volkswagen und BMW hatten zuletzt enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und dabei Zölle, steigende Kosten und den Druck aus China als Belastung genannt.

Konzernumbau soll Zeit für Wirkung bekommen

Die operative Marge lag im Konzern insgesamt bei lediglich 1,8 Prozent. Seit Amtsantritt von Filosa im vergangenen Jahr beträgt das Kursminus rund 40 Prozent. Filosa verteidigte den eingeschlagenen Kurs gegenüber Journalist:innen: „Wir brauchen Zeit, das sind keine Herausforderungen, die man über Nacht löst.“ Im Mai hatte der Konzern unter dem Namen FaSTLAne 2030 einen Investitionsplan im Umfang von umgerechnet rund 61 Milliarden Euro vorgestellt, der bis 2030 sechzig neue Modelle sowie die Rückeroberung verlorener US-Marktanteile vorsieht. Als zentrale Prioritäten nannte Filosa eine breitere Marktabdeckung, niedrigere Industriekosten und verbesserte Qualität, wobei die Fortschritte bislang schrittweise ausfielen.

Der Konzern hatte seine Elektrifizierungspläne bereits im Jahresverlauf zurückgeschraubt und dafür im Februar Sonderabschreibungen von rund 22 Milliarden Euro verbucht. Für das Gesamtjahr rechnet Stellantis zusätzlich mit Netto-Zollbelastungen von 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro und hielt trotz der schwächeren Quartalszahlen an seiner Jahresprognose fest.

Quelle: Stellantis – Pressemitteilung / Reuters – Stellantis CEO warns turnaround will take time after quarterly profit disappoint investors

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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