Stellantis und sein chinesischer Partner Leapmotor führen offenbar Gespräche über eine gemeinsame Elektroauto-Produktion in Kanada, wie Automotive News berichtet. Im Zentrum der Überlegungen steht ein stillgelegtes Montagewerk im Vorort Brampton bei Toronto, in dem rund 3000 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte seit Jahren auf neue Aufträge warten. Die Verhandlungen befinden sich nach übereinstimmenden Medienberichten noch in einem frühen Stadium, eine Entscheidung ist nicht gefallen.
Hintergrund der Gespräche ist eine politische Annäherung zwischen Kanada und China. Premierminister Mark Carney hatte im Januar mit Staatspräsident Xi Jinping eine Vereinbarung getroffen, die Zölle auf chinesische E-Autos zu senken. Im Gegenzug erklärte die kanadische Regierung, innerhalb von drei Jahren neue chinesische Joint-Venture-Investitionen „mit vertrauenswürdigen Partnern“ in der Automobilbranche aufziehen zu wollen.
Die mögliche Zusammenarbeit in Brampton ist eng mit der jüngeren Geschichte des Werks verknüpft. Stellantis hatte dort ursprünglich einen neuen SUV von Jeep fertigen lassen wollen, die Pläne im vergangenen Jahr nach der Ankündigung neuer US-Zölle durch Präsident Donald Trump jedoch gestrichen und die Produktion in ein Werk in den USA verlagert. Das sorgte für erheblichen Unmut in Ottawa, wo die Regierung drohte, Millionen an staatlichen Subventionen zurückzufordern. Seitdem verhandelt der Konzern mit Industrieministerin Melanie Joly über die Zukunft des Standorts.
Stellantis hatte 2023 einen Anteil von 20 Prozent an Leapmotor erworben. Noch in diesem Jahr soll die Fertigung elektrischer SUV von Leapmotor in einem Stellantis-Werk in Spanien anlaufen, in unmittelbarer Nähe zu einer Batteriefabrik, die Stellantis gemeinsam mit dem chinesischen Batteriekonzern CATL errichtet.
Kanada als Standort mit politischer Brisanz
Weitere Produktionsstandorte in Brasilien und Malaysia sind ebenfalls geplant, sollen zunächst aber auf sogenannte Knockdown-Kits setzen, bei denen die Autos weitgehend in China gefertigt und dann vor Ort endmontiert werden. Ob ein ähnliches Modell für Kanada vorgesehen ist oder eine tiefere lokale Wertschöpfung angestrebt wird, ist bislang offen.
Eine Stellantis-Sprecherin betonte, dass für das Werk in Brampton weiterhin alle Optionen geprüft würden. „Stellantis konzentriert sich weiterhin auf eine starke kanadische Präsenz und prüft aktiv zukünftige Programme für Brampton“, erklärte diese. Man stehe in aktivem Austausch mit Regierungsvertreter:innen und Stakeholdern, um die Voraussetzungen für nachhaltige und langfristige Investitionen zu schaffen. Leapmotor wollte sich nicht äußern, das Büro der Industrieministerin reagierte nicht auf eine Anfrage.
Joly selbst hatte sich zuvor grundsätzlich offen für chinesische Autoproduktion in Kanada gezeigt, allerdings unter klaren Bedingungen: Joint-Venture-Struktur, kanadische Zulieferteile und Software. „Wir glauben, dass diese großartigen kanadischen Champions mit chinesischen E-Auto-Unternehmen zusammenarbeiten können, um ein kanadisch-chinesisches Auto zu bauen und es in die ganze Welt zu exportieren“, sagte sie im Februar.
Warnung aus Washington in Richtung Stellantis
Politisch brisant bleibt die Reaktion aus den USA. Vertreter der US-Regierung haben Kanada wiederholt davor gewarnt, als Hintertür für chinesische Autos in den amerikanischen Markt zu dienen. Trump selbst drohte im Januar mit Zöllen von 100 Prozent auf alle kanadischen Waren, sollte Kanada ein entsprechendes Abkommen mit China schließen.
US-Botschafter Pete Hoekstra stellte kürzlich klar, dass chinesische E-Autos zwar nach Kanada gelangen könnten, ein Grenzübertritt in die USA aber ausgeschlossen sei. Ob damit ein Weiterverkaufsverbot, ein physisches Einreiseverbot oder andere administrative Hürden gemeint waren, blieb offen.
Quelle: Autonews – Stellantis in talks to make Chinese EVs at idled Canadian plant








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