Die europäische Autoindustrie hatte sich in den vergangenen Jahren klar auf Elektromobilität ausgerichtet. Auch Stellantis, der Konzern hinter Marken wie Fiat, Jeep, Peugeot und Opel, kündigte ambitionierte Ziele an: Bis 2030 sollten in Europa ausschließlich Elektroautos verkauft werden, in den USA sollte ihr Anteil bei 50 Prozent liegen. Nun allerdings zeichnet sich eine strategische Korrektur ab. Wie eine Auswertung von Händlerwebseiten und Unternehmensangaben gegenüber Reuters zeigt, bringt der Konzern seit Ende 2025 schrittweise wieder Dieselvarianten mehrerer Modelle in Europa auf den Markt.
Betroffen sind mindestens sieben Baureihen, darunter Pkw und Personen-Transporter. Neben dem Peugeot 308 und dem DS N°4 kehren auch Selbstzünder-Versionen des Opel Astra sowie des Citroën Berlingo zurück. Auch Modelle wie der Peugeot Rifter oder der Opel Combo werden wieder mit entsprechenden Motorisierungen angeboten. Parallel dazu bleiben bestehende Dieselangebote wie beim DS 7 sowie bei Alfa Romeo Giulia und Alfa Romeo Stelvio im Programm. Das Unternehmen erklärte gegenüber Reuters, man habe entschieden, Dieselmotoren im Portfolio zu halten und das Antriebsangebot in einzelnen Fällen sogar auszubauen. Ziel sei es, Wachstum zu generieren und sich stärker an der Kundennachfrage zu orientieren.
Marktbedingungen verändern die Planung der Hersteller
Diese Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund veränderter Marktbedingungen. Der Absatz von Elektroautos blieb zuletzt hinter den Erwartungen vieler Hersteller zurück. Gleichzeitig hat die Europäische Union ihre Emissionsziele abgeschwächt, wodurch Verbrennungsmotoren länger im Markt verbleiben können. In den Vereinigten Staaten, dem wichtigsten Einzelmarkt von Stellantis, hat die Regierung unter Präsident Donald Trump ebenfalls regulatorische Weichen neu gestellt und unter anderem Abgasstandards für Autos und Lastwagen zurückgenommen. Damit verändert sich das Umfeld, in dem Hersteller ihre Produktstrategien planen.
Ein Blick auf die Marktanteile verdeutlicht die Verschiebungen. Noch 2015 entfielen mindestens 50 Prozent der Neuzulassungen in Europa auf Dieselmodelle. Nach dem sogenannten Dieselgate-Skandal ging dieser Anteil kontinuierlich zurück. Laut Daten des europäischen Herstellerverbands ACEA lag der Dieselanteil 2025 bei 7,7 Prozent, während reine Elektroautos 19,5 Prozent erreichten. Viele Hersteller haben Selbstzünder inzwischen vollständig aus dem Angebot gestrichen. Stellantis selbst reduzierte die Zahl entsprechender Modelle in den vergangenen fünf Jahren deutlich.
Wettbewerb und wirtschaftlicher Druck im Fokus
Vor diesem Hintergrund wirkt die aktuelle Entscheidung wie ein Bruch mit dem Branchentrend. Chris Knapman, Redaktionsleiter von CarGurus in Großbritannien, spricht davon, dass Stellantis „gegen den Strom“ schwimme. Die Zahl neuer Dieselmodelle im Vereinigten Königreich sei insgesamt von 167 im Jahr 2020 auf 57 im Jahr 2025 gesunken. Auch die Marken des Konzerns hätten ihr Angebot dort von 26 auf vier Modelle reduziert. Dennoch gebe es weiterhin Käufergruppen, für die diese Technik sinnvoll sei.
Hinzu kommt ein wettbewerblicher Aspekt. Chinesische Hersteller drängen mit einer Vielzahl batterieelektrischer Autos und Plug-in-Hybriden auf den europäischen Markt. In diesem Segment stehen sie in direktem Wettbewerb mit etablierten Marken. Im Dieselbereich hingegen treten sie kaum auf. Für einen europäischen Anbieter könne es daher strategisch sinnvoll sein, sich über dieses Angebot zu differenzieren, erläutert Knapman.
Die wirtschaftliche Lage des Konzerns unterstreicht den Anpassungsdruck. Stellantis meldete zuletzt Belastungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro im Zuge der Reduzierung seiner Elektroambitionen. In Europa gingen die Verkäufe 2024 um 7,3 Prozent und 2025 um weitere 3,9 Prozent zurück. Parallel dazu brachte das Unternehmen in den USA wieder Modelle mit klassischen Verbrennungsmotoren zurück, darunter den Jeep Cherokee sowie den Achtzylinder-Hemi-Motor. Auch der Fiat 500 wird inzwischen wieder als Benzin-Hybrid angeboten.
Quelle: Reuters – Exclusive: Stellantis resurrects diesel cars across Europe amid EV retreat







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