Stellantis-Chef warnt vor sozialen Problemen durch EU-Elektroauto-Strategie

Stellantis-Chef warnt vor sozialen Problemen durch EU-Elektroauto-Strategie
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Iris Martinz
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Die europäische Kommission setzt im Kampf gegen den Klimawandel voll auf Elektromobilität. Ab 2035 sollen keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden dürfen und die Flotte eines Konzerns darf bis dahin im Schnitt nur noch 52,25 Gramm Kohlendioxid ausstoßen (55 % des aktuellen Wertes von 95 Gramm Kohlendioxid). Nach bisherigem Stand der Technik könnten Autos mit Verbrennungsmotoren in großem Maßstab nur durch Elektroautos ersetzt werden. Andere Antriebstechniken wie etwa Wasserstoff gelten als noch nicht weit genug ausgereift. In der Automobilbranche regt sich gegen diese Pläne vermehrt Widerstand. Der Chef des Autokonzerns Stellantis, zu dem unter anderem Opel, Peugeot und Fiat gehören, verurteilt die Strategie nun scharf.

Carlos Tavares, seit 2014 im Konzern tätig und seit der Fusion von PSA und Fiat zu Stellantis Vorstandsvorsitzender, kritisiert in einem Interview mit dem „Handelsblatt“, dass „die politischen Vorgaben den Herstellern keine kreative Freiheit gelassen hätte, andere Ideen einzubringen„. Die Elektromobilität sieht er nicht als Krisenretter, vielmehr wäre der Elektroantrieb um 50 Prozent teurer als ein Verbrenner und treibe somit die Preise für Neuwagen in die Höhe. Damit steige das Risiko, dass die Mittelschicht keine neuen Autos mehr kaufen könne. Darüber hinaus werde man erst „in 10 bis 15 Jahren wissen, welche Ergebnisse die Elektrifizierung tatsächlich für die Reduktion der Treibhausgasemissionen bringen wird„, wie er erklärt. Nach seinem Wissen müsse ein E-Auto erst 70.000 Kilometer fahren, um den CO2-Fußabdruck der Batterieherstellung auszugleichen. Als schnellere und billigere Innovationsmöglichkeit nennt er daher leistungsfähige Hybridautos, die einen sofortigen CO2-Vorteil brächten.

Um mögliche negative soziale Folgen abzufedern, fordert der Konzernchef eine Aufrechterhaltung der Elektro-Subventionen bis mindestens 2025. Alle Stellantis-Fabriken würden sich bereits auf einen Elektrifizierungsschub einstellen, sowie auch das ganze System an Zulieferern rund herum. Auch an der Batterieentwicklung wird intensiv gearbeitet. Nach Konzernangaben plane man bis 2025 Investitionen von mehr als 30 Milliarden Euro. Zu den momentan verfügbaren 33 elektrifizierten Modellen sollen in den kommenden eineinhalb Jahren noch acht weitere hinzukommen. Welche das sind, wird Stellantis am 1. März 2022 verkünden, wenn der langfristige Strategieplan vorgestellt wird.

Quelle: zeit.de – Stellantis-Chef wettert gegen Elektroauto-Strategie der EU

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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