Stellantis entwickelt Notfall-Abwurf für E-Auto-Batterien

Stellantis entwickelt Notfall-Abwurf für E-Auto-Batterien
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Stellantis (Archivbild)

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Ein überhitzter oder beschädigter Hochvoltakku gehört zu den schwierigsten Szenarien bei einem Elektroauto-Unfall. Stellantis arbeitet deshalb an einer ungewöhnlichen Lösung: Im Ernstfall soll sich die Antriebsbatterie vollständig vom Fahrzeug trennen und auf den Boden absenken beziehungsweise fallen lassen können. Das Elektroauto könnte sich anschließend sogar noch ein Stück vom Akku entfernen. Das geht aus einem Patent des Stellantis-Unternehmens FCA US hervor, über das „Auto Motor und Sport“ (AMS) berichtet.

Hinter der Idee steckt ein sogenanntes „High-Voltage Battery Quick Release System“. Erkennt der Fahrer oder beispielsweise eine Rettungskraft eine kritische Situation, könnte das System über einen Schalter aktiviert werden. Daraufhin wird die Hochvoltbatterie zunächst elektrisch und anschließend mechanisch vom Fahrzeug getrennt. Im Patent ist ausdrücklich vorgesehen, dass der Akku anschließend auf dem Boden zurückbleibt.

Der bei der AMS aufmerksamkeitserregend verwendete Begriff „Absprengen“, der im Zusammenhang mit dem Patent beschrieben wird, beschreibt dabei nur eine der vorgesehenen technischen Möglichkeiten und wirkt spektakulärer, als der Vorgang tatsächlich gedacht ist. Stellantis beschreibt einerseits einen mechanischen Entriegelungsmechanismus mit gegeneinander verschiebbaren Rahmenelementen. Alternativ könnten pyrotechnische Befestigungen eingesetzt werden. Kleine Sprengladungen würden in diesem Fall Befestigungselemente gezielt brechen und damit den Akku freigeben.

E-Auto soll noch „fliehen“ können

Besonders interessant ist, dass der Batterie-Abwurf nicht das Ende des Vorgangs darstellen soll. Nach der Trennung könnte die Niedervoltbatterie des Fahrzeugs einen Elektromotor mit Energie versorgen. Die Leistung soll ausreichen, um das Auto noch eine vorgegebene Strecke vom zurückgelassenen Hochvoltakku wegzubewegen. In den Patentzeichnungen fährt das Fahrzeug nach der Trennung entsprechend weiter. Bei bestimmten Bauformen könnten die Hinterräder sogar teilweise über den bereits auf dem Boden liegenden Akku rollen.

Der Ansatz könnte vor allem bei einem sogenannten thermischen Durchgehen Vorteile bieten. Gerät ein beschädigter Akku in Brand (was sehr selten passiert), ließe sich damit zumindest verhindern, dass die Batterie unmittelbar unter dem restlichen Fahrzeug verbleibt und das Feuer auf Karosserie und Innenraum übergreift. Auch für Einsatzkräfte könnte eine räumliche Trennung von Fahrzeug und Hochvoltspeicher Vorteile haben.

Allerdings wirft das Konzept zugleich neue Fragen auf. Ein thermisch instabiler Akku verschwindet durch den Abwurf schließlich nicht – die Gefahrenquelle wird zunächst lediglich vom Fahrzeug getrennt. Zudem sind Batterien bei modernen Elektroautos oft stark in die Fahrzeugstruktur integriert. Ein Schnelltrennsystem müsste daher hohe Anforderungen an Crashsicherheit, Steifigkeit und dauerhafte Befestigung mit einer zuverlässigen Notentriegelung verbinden.

Hinzu kommt: Ein Patent ist noch keine Ankündigung für die Serie. Stellantis sichert sich damit zunächst eine technische Lösung. Ob der Konzern das System tatsächlich in künftigen Elektroautos von Marken wie Peugeot, Citroën, Fiat, Opel oder Jeep einsetzen wird, ist offen. Die Grundidee ist dennoch interessant.

Quelle: Auto Motor und Sport – Batterie soll abgesprengt werden

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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