1000 E-Lkw bis 2027: SuperPanthers Plan für Europa

1000 E-Lkw bis 2027: SuperPanthers Plan für Europa
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SuperPanther

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Der elektrische Sattelschlepper eTopas 600 von SuperPanther ist inzwischen im täglichen kommerziellen Einsatz in sechs europäischen Ländern unterwegs. Auf der IAA Transportation 2026 in Hannover zeigte der Nutzfahrzeughersteller, dass sich Elektromobilität im Schwerlastverkehr vom Entwicklungsprojekt zum planbaren Flottenbaustein entwickelt hat. Neben aktuellen Leistungsdaten des Serienmodells präsentierte das Unternehmen einen Ausblick auf künftige Antriebstechnik sowie ein KI-Konzept namens „Truck Brain“, das Lkw perspektivisch eigenständiger agieren lassen soll.

Die 4×2-Sattelzugmaschine hat die europäische Fahrzeugtypgenehmigung erhalten und wird gemeinsam mit Steyr Automotive in Österreich gefertigt. Mit einer Batteriekapazität von 621 kWh erreicht der eTopas 600 im realen Fahrbetrieb eine Reichweite von bis zu 560 Kilometern und verbraucht dabei rund 0,94 kWh pro Kilometer. Die tatsächliche Reichweite hängt laut SuperPanther von Fahrzeugkonfiguration, Nutzlast, Streckenprofil und Einsatzbedingungen ab. Geladen wird über zwei CCS2-Anschlüsse gleichzeitig mit einer kombinierten Leistung von bis zu 660 kW, die elektrische Architektur ist zudem für das künftige Megawatt Charging System vorbereitet.

Bereits ausgelieferte Kundenfahrzeuge laufen in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Polen und Tschechien im täglichen Betrieb. Bis Ende 2026 sollen rund 100 Fahrzeuge an europäische Kund:innen gehen, bis Ende 2027 insgesamt 1000. Gemeinsam mit Alltrucks und weiteren Partnern baut SuperPanther parallel ein europäisches Servicenetz für Diagnose, Ersatzteile und Software-Support auf.

Neue Achse und Controller sparen Gewicht

Für kommende Fahrzeuggenerationen kündigte SuperPanther zwei Kerntechnologien an. Die nächste Generation der EverDrive-Elektroachse liefert ein Dauerdrehmoment von 43.000 Nm und eine Dauerleistung von 500 kW. Gegenüber der Vorgängergeneration fällt sie 130 Kilogramm leichter und rund 15 Prozent kompakter aus, ein Viergang-Untersetzungsgetriebe sowie aktive Schmierung und vollflächige Ölkühlung sind auf den Schwerstlastbetrieb ausgelegt.

Der neue Hochvolt-Domänencontroller bündelt Leistungselektronik, Energieverteilung und Energiesteuerung in einem System und senkt dadurch das Gewicht um mehr als 50 Kilogramm bei etwa einem Drittel weniger Bauraum. Beide Technologien sind für künftige Produktzyklen vorgesehen, befinden sich noch in Validierung und Serienentwicklung und sind nicht Teil des aktuellen eTopas 600.

„Elektro-Lkw wechseln vom Entwicklungsprogramm in den Kundenbetrieb“, sagte Dr. Michael Ruf, Europa-Chef von SuperPanther, auf der Messe. „Der eTopas 600 ist die Plattform, auf der wir in Europa zuverlässige Reichweite, effizienten Energieeinsatz, produktives Laden und Lifecycle-Support unter Beweis stellen.“

Truck Brain soll Situationen vorausdenken können

Über die reine Antriebstechnik hinaus stellte SuperPanther mit Truck Brain ein Konzept vor, das die Echtzeit-Fahrsteuerung um eine zusätzliche Ebene ergänzen soll. Während das Fahrsystem Sensordaten direkt in Fahrmanöver übersetzt, ordnet Truck Brain Situationen ein, schätzt mögliche Entwicklungen ab und gibt dem Fahrsystem konkrete Ziele und Strategien vor. Eine separate Koordinations- und Sicherheitsschicht prüft dabei jede übergeordnete Entscheidung, bevor sie umgesetzt wird. Für den Betrieb ohne durchgehende Cloud-Verbindung setzt SuperPanther zunächst auf ein spezialisiertes Modell mit sieben Milliarden Parametern, komprimiert für einen Fahrzeugcomputer der nächsten Generation mit 1000 TOPS Rechenleistung.

„Automatisiertes Fahren lernt, wie man ein Fahrzeug bewegt. Truck Brain ergänzt dieses Können um Wissen, Kontext, Gedächtnis und Schlussfolgerungsvermögen in Bezug auf den Transportauftrag und die physische Welt“, erklärte Chao Liu, Gründer und Geschäftsführer von SuperPanther. Das Unternehmen verfolgt dabei einen dreistufigen Ansatz: Zunächst soll ein bordeigener KI-Agent kontextbezogene Assistenz auf Automatisierungsstufe 2+ liefern, anschließend folgt ein von Truck Brain erweitertes System auf Stufe 4 innerhalb klar definierter Betriebsbedingungen. Langfristig sollen vollautomatisierte Fahrzeuge, von SuperPanther als „Cargo Robot“ bezeichnet, die Fahrzeugintelligenz auf den gesamten Transportablauf ausdehnen.

Für 2027 ist zunächst ein Autobahnpilot der Stufe 2+ geplant, der aktiven Spurwechsel, Kollisionsvermeidung innerhalb der Fahrspur und Navigation an Autobahnauffahrten unterstützt. Die Verantwortung bleibt dabei weiterhin beim Fahrpersonal.

DHL prüft Zukunft des Straßengüterverkehrs

Parallel zur Produktvorstellung unterzeichneten SuperPanther und die DHL Group eine Absichtserklärung. Ziel ist es, mögliche Kooperationsfelder rund um intelligente und automatisierte Transportlösungen zu prüfen und dabei reale Logistikabläufe sowie Betriebsdaten für die Weiterentwicklung von Truck Brain zu nutzen. „Autonomes Fahren hat das Potenzial, den Straßengüterverkehr künftig sicherer, effizienter und nachhaltiger zu machen“, sagte Dr. Antje Huber, Head of Strategy, Marketing and Chief of Staff bei DHL Freight. Der erste SuperPanther-Lkw aus europäischer Serienproduktion ist demnach bereits für DHL Freight im Einsatz, konkrete Projekte, Standorte und Zeitpläne für die vertiefte Zusammenarbeit werden derzeit noch verhandelt.

Quelle: SuperPanther – Pressegespräch auf der IAA Transportation, 14. September 2026 / SuperPanther – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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