Mehr als 60 Prozent der Ladekapazitäten an deutschen Speditionsdepots bleiben tagsüber ungenutzt, während Lkw-Fahrer unterwegs häufig teure öffentliche Ladestationen ansteuern. Mit BGL Charge haben der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL e.V.) und das Münchner Unternehmen Depotcharge nun eine Lösung gestartet, die diese Lücke schließen soll. Sie verbindet vorhandene Depot-Ladeinfrastruktur zu einem gemeinsamen, bundesweiten Netzwerk und macht den Betrieb elektrischer Lastkraftwagen dadurch wirtschaftlicher.
Über die Plattform öffnen Speditionen jene Ladepunkte an ihren Depots, die tagsüber ohnehin frei bleiben, für andere Flotten. Depotbetreiber entscheiden dabei selbst über Preise, Zugangsregeln und Verfügbarkeit. Depotcharge übernimmt im Gegenzug Vermarktung, Zugangssteuerung, Abrechnung und Zahlungsabwicklung. So entsteht ein Netz, das bestehende Infrastruktur besser auslastet, ohne dass Speditionen zusätzliche Technik anschaffen müssen.
Julius Wilhelm, Mitgründer und CPTO von Depotcharge, beschreibt den Anspruch so: „Laden muss so selbstverständlich in den Transportalltag passen wie Tanken heute.“ Weil das Unternehmen unabhängig von Ladehardware, Backend und Fahrzeughersteller arbeite, lasse sich jedes Depot ohne großen Integrationsaufwand anschließen, erklärt Wilhelm. Mit jedem weiteren Standort werde das Netz dichter und für alle Beteiligten wertvoller.
Verband und Einkaufsgemeinschaft bündeln ihre Reichweite
Der BGL e.V. vertritt rund 7000 in den Landesverbänden organisierte Unternehmen aus Straßengütertransport, Logistik, Spedition, Lagerung und Entsorgung. Der Verband macht Depotcharge nun zum Ladenetz für seine Mitglieder. Über 200 Unternehmen mit zusammen rund 600 E-Lkw sind bereits registriert. Zusätzlich bindet die E.L.V.I.S. AG als Einkaufsgemeinschaft ihre mehr als 250 Partnerunternehmen an über 350 Standorten in die Lösung ein.
BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt betont den Nutzen für die gesamte Branche: „Unsere Mitglieder brauchen eine Ladeinfrastruktur, die planbar, verfügbar und wirtschaftlich ist.“ Je mehr Unternehmen ihre Depotkapazitäten teilten, desto stärker werde das Netzwerk für alle, so Engelhardt weiter. E.L.V.I.S.-Vorstand Nikolja Grabowski sieht ähnliche Vorteile für die angeschlossenen Partnerunternehmen: Sie profitierten von einem größeren Netz an Ladepunkten und von zusätzlicher Nachfrage an ihren eigenen Standorten.
Die Partnerschaft folgt einem Modell, das Depotcharge bereits mit dem Schweizer Transportverband ASTAG umgesetzt hat. Dort entwickelt sich das Verbandsnetzwerk ASTAG Charge powered by Depotcharge seit Mai 2026 zum nationalen Depot-Ladenetz der Schweizer Transportwirtschaft. Depotcharge-CEO Joscha Specks erklärt den Transfer: „In der Schweiz haben wir das Modell mit der ASTAG bereits erfolgreich umgesetzt. Gemeinsam mit dem BGL e.V. und der E.L.V.I.S. AG übertragen wir es nun nach Deutschland.“ Für die kommenden zwei Jahre nennt Specks ein klares Ziel: Gemeinsam mit den Verbandspartnern soll das führende Ladenetzwerk für elektrischen Güterverkehr in der Region DACH und in den Benelux-Ländern entstehen, künftig auch unter Einbindung von Industrie und Handel.
Frisches Kapital treibt die Expansion von Depotcharge an
Parallel zur Partnerschaft mit dem BGL e.V. hat Depotcharge eine Pre-Seed-Finanzierung über 2,7 Millionen Euro abgeschlossen. Lead-Investor ist der High-Tech Gründerfonds (HTGF), beteiligt sind zudem xdeck Ventures, Kopa Ventures, Prequel Ventures sowie Business Angels aus Logistik, E-Mobilität und Energiewirtschaft. Mit dem Kapital will das Unternehmen die internationale Expansion vorantreiben und Ladevorgänge enger in die Disposition der Speditionen einbinden, etwa über Reservierungsfunktionen, offene Schnittstellen und die Anbindung an bestehende Transportmanagementsysteme.
Timo Bertsch, Senior Investment Manager beim HTGF, ordnet die Investition mit Blick auf die Marktlage ein: „Die Adoptionswelle bei E-Lkw nimmt gerade Fahrt auf. In vielen Einsatzbereichen sind die Kosten pro Kilometer schon heute attraktiv.“ Der eigentliche Engpass liege in der Ladeinfrastruktur, so Bertsch, solange der Großteil der Depot-Ladekapazitäten ungenutzt bleibe und Spediteure zugleich auf kostspielige öffentliche Ladepunkte angewiesen seien. Depotcharge verbinde genau diese vorhandene Infrastruktur zu einem Netzwerk und habe mit der ASTAG-Kooperation in der Schweiz bereits gezeigt, dass das Modell trage.
Quelle: Depotcharge – Pressemitteilung









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