Drei Hebel sollen Wasserstoff-Lkw günstiger als Diesel machen

Drei Hebel sollen Wasserstoff-Lkw günstiger als Diesel machen
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Daimler Truck | Von links nach rechts: Volker Ebeling – Senior Vice President New Energy, Supply & Infrastructure MB Energy, Nicolas Garnier – CEO TEAL Mobility, Armelle Levieux – Group Vice President Innovation & Technology Air Liquide, Karin Rådström – President & CEO Daimler Truck, Steffen Bilger – Bundesminister für Verkehr, Hiroki Nakajima – Executive Vice President Toyota Motor Corporation, Martin Lundstedt – President & CEO Volvo Group, Markus Heyn – Deputy Chairman Robert Bosch GmbH & Chairman & CEO Bosch Mobility, und Antoine Tournand – Vice President Hydrogen & Gas Mobility TotalEnergies

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Für Speditionen und Flottenbetreiber entscheidet sich der Einsatz von Wasserstoff-Lkw vor allem an einer Frage: Werden die Betriebskosten mit Diesel konkurrenzfähig? Auf der IAA Transportation haben Daimler Truck, Volvo Group, Toyota, Bosch, Air Liquide, TotalEnergies, TEAL Mobility und MB Energy nun ein gemeinsames Vorgehen vorgestellt, das genau darauf zielt. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen schafft Deutschland als erstes Land in Europa alle Voraussetzungen für einen skalierbaren Einsatz wasserstoffbetriebener Lkw bis 2030. Getragen wird dieser Ansatz von politischer Unterstützung und europäischen Industrieführern entlang der gesamten Wertschöpfungskette, gebündelt mit dem Ziel, bestehende Engpässe in der Wasserstoffversorgung zu überwinden.

Als Einsatzfeld gilt vor allem der Ferntransport. Wasserstoff soll batterieelektrische Lkw ergänzen, insbesondere dort, wo große Reichweiten, hohe Nutzlasten, kurze Betankungszeiten und flexible Einsatzprofile gefragt sind. Die Kostenfrage bleibt für Flottenbetreiber dabei zentral.

Drei Hebel sollen dafür sorgen, dass Wasserstoff mit Diesel konkurrieren kann. Erstens sollen Fördermaßnahmen und Serienproduktion die Fahrzeugkosten senken. Zweitens soll eine wettbewerbsfähigere Wasserstoff-Lieferkette gemeinsam mit Treibhausgasquoten den Kraftstoffpreis an der Zapfsäule an das Dieselniveau heranführen. Drittens sollen Anreize wie Mautbefreiungen für CO2-freie Fahrzeuge die Gesamtkosten zusätzlich senken.

Dass die Nachfrage bereits vorhanden ist, zeigt das deutsche NOW-Förderprogramm. Es war laut den vorliegenden Angaben deutlich überzeichnet: Industrieunternehmen beantragten mehr als 70 Hochleistungs-Tankstellen und 800 schwere Nutzfahrzeuge. Die Logistikbranche signalisiert damit ein kommerzielles Interesse, das über Pilotprojekte hinausgeht.

Um dieses Interesse zu bedienen, bauen die Unternehmen die Infrastruktur gezielt aus. Volvo Group und Daimler Truck arbeiten eng mit Energieunternehmen und Wasserstofflieferanten wie Air Liquide, TotalEnergies und MB Energy zusammen, ebenso mit Tankstellenbetreibern wie MB Energy und TEAL Mobility. Letzteres ist ein 50:50-Joint-Venture von TotalEnergies und Air Liquide, das unter der Marke TotalEnergies auftritt. Gemeinsam bündeln die Partner ihre Kapazitäten, um Lieferketten für flüssigen und gasförmigen Wasserstoff zu skalieren, und treiben den Bau von Tankstellen mit hoher Kapazität voran, die bis zu 100 Lkw pro Tag betanken können. Dabei nutzen sie Synergien mit der wachsenden industriellen Produktion von erneuerbarem Wasserstoff, die durch die europäische RED-III-Regulierung unterstützt wird.

Neue Antriebe kommen zügig auf die Straße

Auf Herstellerseite ist die Entwicklung bereits weit fortgeschritten. Kunden von Daimler Truck haben mit Brennstoffzellen-Lkw bislang rund 600.000 Kilometer zurückgelegt. Ab Ende 2026 will das Unternehmen eine Kleinserie von 100 Brennstoffzellen-Lkw der nächsten Generation in den Kundeneinsatz bringen, parallel dazu bereitet es die Markteinführung von Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor für das kommende Jahr vor. Bis zum Ende des Jahrzehnts investiert Daimler Truck dafür einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Auch die Volvo Group erweitert ihr Wasserstoffportfolio und investiert erhebliche Summen in Brennstoffzellen-Lkw sowie Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor, die bis 2030 auf den Markt kommen sollen.

Zulieferer und Technologiepartner ergänzen dieses Bild. Toyota bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Brennstoffzellensystemen in die Kooperation ein und tritt dabei als Technologiepartner auf. Bosch liefert zentrale Fahrzeugkomponenten für gasförmigen Wasserstoff sowie Betankungstechnologien für flüssigen und gasförmigen Wasserstoff. Das Brennstoffzellensystem des Zulieferers hat seine Leistungsfähigkeit bereits auf über 30 Millionen Straßenkilometern unter Beweis gestellt.

Damit sich das deutsche Modell auf ganz Europa übertragen lässt, richten die acht Unternehmen konkrete Forderungen an nationale Regierungen und die Europäische Kommission. Dazu zählt der koordinierte Ausbau von Förderprogrammen für Tankstellen und Fahrzeuge im Rahmen der „Alternative Fuels Infrastructure Regulation“ (AFIR), pragmatische und harmonisierte Anrechnungsmechanismen für erneuerbare Kraftstoffe sowie Mautanreize. Ergänzend fordern die Partner eine gemeinsame Risikominimierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Produktion und Verflüssigung über die Distribution bis zum Fahrzeugbetrieb.

Quelle: Daimler Truck – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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