Diese zwei EU-Länder schaffen bald 100 Prozent Ökostrom

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Daniel Krenzer
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  —  Lesedauer 3 min

Eine aktuelle Studie zeigt: Dänemark und Portugal stehen kurz davor, ihren Strombedarf bilanziell vollständig mit erneuerbaren Energien zu decken – teilweise sogar darüber hinaus. Deutschland dagegen diskutiert weiter über Netzausbau, Speicher und Strompreise, obwohl Analysen längst nahelegen, dass auch hierzulande ein nahezu vollständig erneuerbares Stromsystem technisch machbar wäre.

Wie das Handelsblatt unter Berufung auf eine Analyse des Energiemarktdaten-Anbieters Montel berichtet, könnten die beiden europäischen Länder bereits in naher Zukunft rechnerisch mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen, als sie selbst verbrauchen. Deutschland dagegen dürfte laut der Analyse sein eigenes Ziel von 80 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 wohl verfehlen. Stattdessen rechnen die Autoren eher mit rund 67 Prozent Erneuerbaren-Anteil am Strommix.

Dabei mangelt es Deutschland nicht an den grundsätzlichen Voraussetzungen. Schon heute stammen im Jahresmittel knapp 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen, an einzelnen Tagen sogar deutlich mehr und ebenfalls oberhalb von 100 Prozent. Die eigentliche Herausforderung liegt zunehmend darin, das Energiesystem insgesamt schneller weiterzuentwickeln. Denn die Stromnetze gelten vielerorts als überlastet, Genehmigungsverfahren dauern lange und vor allem bei Speichern sowie flexiblen Verbraucherstrukturen besteht weiterhin großer Nachholbedarf.

Simulation zeigt: Das geht auch bei uns

Dass ein nahezu vollständig erneuerbares Stromsystem dennoch möglich wäre, zeigte zuletzt auch eine Simulations-Studie der Hochschule RheinMain. Demnach könnte Deutschland seinen Strombedarf theoretisch komplett mit erneuerbaren Energien decken – bei gleichzeitig geringeren Gesamtkosten als vielfach angenommen. Die Autoren rechnen dafür allerdings mit einem massiven Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie deutlich größeren Speicherkapazitäten.

Genau beim Thema Speicher könnte sich in den kommenden Jahren allerdings viel bewegen, sofern Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) dem nicht zu viele Steine in den Weg legt. Der Markt für Groß- und Heimspeicher wächst derzeit rasant, gleichzeitig könnten Elektroautos künftig selbst Teil der Lösung werden. Bidirektionales Laden – also die Möglichkeit, Strom aus Fahrzeugbatterien zeitweise zurück ins Netz oder ins Haus zu speisen – gilt als wichtiger Baustein für ein stabiles erneuerbares Energiesystem. Auch die Bundesnetzagentur verweist seit Jahren darauf, dass flexible Verbraucher wie Elektroautos oder Wärmepumpen helfen können, Stromnetze effizienter auszulasten und Lastspitzen besser abzufedern. Auch ein Anteil von 100 Prozent erneuerbaren Energien im Stromnetz sei so vorstellbar.

Fehlt die politische Entschlossenheit?

An der Umsetzung liegt jedoch womöglich einer der größten Unterschiede zu Ländern wie Dänemark. Dort wurde die Energiewende früh stärker als Gesamtsystem gedacht – inklusive Netzen, Speichern und Flexibilisierung. In Deutschland dagegen werden viele Themen weiterhin isoliert diskutiert: Ladeinfrastruktur hier, Strompreise dort, Netzausbau an anderer Stelle.

Dabei ist die technologische Grundlage längst vorhanden. Windkraft, Photovoltaik, Batteriespeicher, intelligente Netze und Elektromobilität entwickeln sich vielerorts schneller als erwartet. Die entscheidende Frage scheint deshalb zunehmend nicht mehr zu sein, ob Deutschland 100 Prozent erneuerbare Energien schaffen kann – sondern was dem Land noch fehlt, um beim Umbau des Energiesystems ähnlich schnell und technologieentschlossen voranzukommen wie einige seiner europäischen Nachbarn.

Quelle: Handelsblatt – 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren: Kann Deutschland das auch?

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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