Schwedische Gewerkschaften legen sich mit Tesla an

Schwedische Gewerkschaften legen sich mit Tesla an
Copyright:

Zigres / Shutterstock / 729060736

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

Bislang fährt der US-Autobauer Tesla weltweit ganz gut damit, eine Tarifbindung für Mitarbeiter zu verweigern. In Schweden wird es für das Unternehmen von Elon Musk nun aber unbequem. Wie das Handelsblatt berichtet, blockieren in Schweden die Gewerkschaften inzwischen Seehäfen und stellen den Strom von Ladesäulen ab, um gegen Tesla zu protestieren.

Kürzlich hatten bereits die 17 Tesla-Werkstätten im Land gemeinschaftlich einen Streik begangen und die Arbeit niedergelegt – ein eher ungewöhnlicher Vorgang für Tesla. Im Kern geht es darum, dass die beschäftigten einen Tarifvertrag fordern, was der Autohersteller aber kategorisch ablehnt. Unterstützt werden sie nun offenbar durch die Transportgewerkschaft, die an den Seehäfen die Verladung von Tesla-Fahrzeugen verhindert.

Auch die Postgewerkschaft möchte sich laut Handelsblatt-Bericht mit den Tesla-Mitarbeitern solidarisieren und künftig keine Paketpost mehr an den Hersteller ausliefern. Somit dürfte binnen kürzester Zeit ein problematischer Ersatzteilmangel entstehen. Elektriker kündigten an, Teslas Ladestationen vom Strom nehmen zu wollen, Lackierer stellten in Aussicht, keine Schäden mehr an den E-Autos des Herstellers reparieren zu wollen.

Nicht nur Tesla wird bekämpft

„Tesla respektiert die schwedischen Arbeitsmarktregeln, hat sich aber wie andere Unternehmen dafür entschieden, den Tarifvertrag nicht zu unterzeichnen“, teilte das US-Unternehmen bislang unbeeindruckt mit. Man gewähre ohnehin bereits gleichwertige oder gar bessere Bedingungen als im Tarifvertrag vorgesehen. Dies sehen die Arbeitnehmer aber ganz offensichtlich ein wenig anders. Auch ein Gewerkschaftssprecher sagte, dass die Tesla-Mitarbeiter niedrigere Löhne und Renten erhalten würden als Beschäftigte bei anderen Unternehmen.

Das Ausmaß der Gegenwehr und der Solidarität dürfte aber für den Autobauer überraschend intensiv ausfallen. Und es könnte sein, dass sich das Problem für Tesla ausweitet, denn die Gewerkschaften haben offenbar bereits Kontakt zu den Kollegen in den Nachbarländern Norwegen und Dänemark aufgenommen, um den Protest auszuweiten und mögliche Schlupflöcher als Gegenmaßnahmen zu schließen.

Die Gewerkschaften in Schweden sind gut organisiert und sehr engagiert. So hat nicht nur Tesla derzeit mit Protesten zu kämpfen, auch gegen die Arbeitsbedingungen bei Klarna, Spotify und Amazon wehrten sich derzeit die Gewerkschaftler bereits mit teils drastischen Maßnahmen. „Soweit ich weiß, hat kein größeres Unternehmen dem Druck standgehalten“, sagt laut Handelsblatt ein schwedischer Soziologieprofessor.

Ob Tesla standhaft bleibt? Falls nicht, besteht für das Unternehmen schließlich die Gefahr von Tarifstreitigkeiten auch in anderen Ländern. Auch die IG Metall in Deutschland wird sich das sehr genau ansehen.

Quelle: Handelsblatt – „Tarifstreit: Schwedens Gewerkschaften verbünden sich gegen Tesla“

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

Tesla verdient 56 Prozent weniger, obwohl der Umsatz hält

Tesla verdient 56 Prozent weniger, obwohl der Umsatz hält

Sebastian Henßler  —  

Tesla hält den Umsatz im dritten Quartal stabil, doch das operative Ergebnis sinkt um 56 Prozent. Höhere KI-Ausgaben und weniger Emissionsgutschriften belasten.

Musk über Fusion von Tesla und SpaceX: “Ja”, gute Idee

Musk über Fusion von Tesla und SpaceX: “Ja”, gute Idee

Sebastian Henßler  —  

Tesla und SpaceX haben Sonderausschüsse gebildet, die eine Fusion prüfen. Elon Musk hält das für eine gute Idee, darf an den Gesprächen aber nicht teilnehmen.

Baustart 2027? Tesla bringt Werksausbau in Grünheide voran

Baustart 2027? Tesla bringt Werksausbau in Grünheide voran

Sebastian Henßler  —  

Aktuell arbeiten 12.600 Menschen in Teslas Werk in Grünheide. Mit der geplanten zweiten Halle setzt der Automobilhersteller die nächste Stufe seines Ausbaus um.

Tesla Roadster kommt 2028, elf Jahre nach der Enthüllung

Tesla Roadster kommt 2028, elf Jahre nach der Enthüllung

Sebastian Henßler  —  

Mit Kaltgastriebwerken von SpaceX soll der Tesla Roadster in unter einer Sekunde auf 100 Kilometer pro Stunde kommen. Der Produktionsstart ist für 2028 geplant.

Tesla Model Y ist wieder als Taxi erhältlich

Tesla Model Y ist wieder als Taxi erhältlich

Daniel Krenzer  —  

Das Tesla Model Y ist zurück im Taxigewerbe. Intax bietet für das Elektro-SUV wieder eine professionelle Taxiumrüstung an.

Tesla nennt FSD um, um EU-Zulassung zu erleichtern

Tesla nennt FSD um, um EU-Zulassung zu erleichtern

Maria Glaser  —  

Tesla hat vor wenigen Tagen sein automatisiertes Fahrassistenzsystem „Full Self-Driving“ in Europa zu „Assisted Driving“ umbenannt.

Tesla FSD: Deutschland könnte vor der EU vorpreschen

Tesla FSD: Deutschland könnte vor der EU vorpreschen

Sebastian Henßler  —  

Die EU hat ihre Entscheidung über Teslas FSD auf Dezember vertagt. Viele Staaten warten auf Deutschland, wo sich Minister Bilger nun klar positioniert.