Schäfers Kampf um VWs Zukunft

Schäfers Kampf um VWs Zukunft
Copyright:

Volkswagen

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Seit Juli 2022 leitet Thomas Schäfer als neuer Chef die Geschicke der Marke VW. In Wolfsburg begann er, mit frischen Akzenten im Design und einer stärkeren Fokussierung auf die Modelle, eine neue Ära. Dieses Engagement fand intern große Anerkennung. Mit mehr Freiheiten, die Konzernchef Oliver Blume den Markenverantwortlichen gewährte, ergab sich für Schäfer die Gelegenheit, die kriselnde Kernmarke Europas größten Autoherstellers neu auszurichten. Allerdings gipfelten diese Anfangserfolge schnell in einer Krise.

Mitte November erlebte Schäfer eine Art Misstrauensvotum bei der dortigen Aufsichtsratssitzung. Dieses Treffen, das sich durch Spannungen und Verzögerungen auszeichnete, markierte einen Wendepunkt. Für VW aber vor allem für Schäfer. Im Fokus stand Schäfer mit seiner Präsentation der Sparziele und Zukunftspläne von VW. Gegenüber dem französischen Konkurrenten Stellantis, der für 2023 eine operative Rendite von 13,6 Prozent meldete, wirkten die 3,4 Prozent von VW schwach. Angesichts der gedämpften Nachfrage und des mäßigen Interesses an den elektrischen ID.-Modellen droht VW, im kommenden Jahr weiter abzurutschen.

Mit dem Programm „Accelerate Forward 6.5“ plante er, die Rendite bis 2026 auf 6,5 Prozent zu steigern und dabei zehn Milliarden Euro zu erwirtschaften. Die Vorstellung eines konkreten Plans war für Oktober angedacht. Jedoch zeigte sich auf der November-Sitzung, dass die vorgestellten Maßnahmen zum Jobabbau und zur Kostenreduktion bei den Aufsichtsräten auf Unzufriedenheit stießen. Insbesondere Oliver Porsche und Günther Horvath, Vertreter der Großaktionärsfamilien Porsche und Piëch, äußerten kritische Bedenken. „Zu weich, nicht fundiert genug“, fassen Eingeweihte die Kritik zusammen, wie das Manager Magazin berichtet.

Schäfer wurde aufgefordert, für das nächste Treffen klarere Ergebnisse und Maßnahmen für den Start 2024 zu liefern. Ein neuer Sparplan sollte dann präsentiert werden. Die Forderung, dass ein Team von Roland Berger die Präsentation übernehmen sollte, unterstrich das Misstrauen gegenüber Schäfers Zahlen. Dagegen erhob sich Widerstand von der Arbeitnehmerseite, angeführt von Betriebsratschefin Daniela Cavallo und dem ehemaligen IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Sie bestanden darauf, dass solche Sparpläne vom Vorstand behandelt werden sollten.

Ein Kompromiss wurde schließlich gefunden: Schäfer muss sein Programm bis Weihnachten vorlegen, wobei Roland Berger die Präsentation vor dem Konzernvorstand und dem Aufsichtsrat übernehmen wird. Schäfer steht dabei unter Druck, die Ergebnissteigerung der Marke für 2024 nachweisbar zu machen.

Die Vergangenheit von VW zeigt, wie schwierig die Umsetzung von Sparplänen sein kann. Unter Herbert Diess wurden zwar 2016 netto 14.000 Stellenstreichungen vereinbart, doch entstanden letztlich mehr neue Jobs als geplant. Die Herausforderung für Schäfer ist nun, es besser zu machen. Um die Kosten zu senken, plant Schäfer unter anderem, die Belegschaft früher in Rente zu schicken und Bereiche zu konsolidieren. Bis Weihnachten soll er 80 Prozent des Sparziels erreicht haben.

CEO Oliver Blume hält sich derweil zurück und beobachtet die Entwicklungen. Schäfer muss beweisen, dass er VW effizienter und gewinnbringender gestalten kann, um seine Position zu sichern und die Marke erfolgreich in die Zukunft zu führen. Angezählt erscheint er allemal.

Quelle: Manager-Magazin – Wie der Aufsichtsrat die Sparpläne des VW-Chefs ablehnte

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

Bringt VW den ID. Aura T6 als ID. Touareg nach Deutschland?

Bringt VW den ID. Aura T6 als ID. Touareg nach Deutschland?

Laura Horst  —  

Volkswagen könnte laut Spekulationen einen elektrischen Touareg nach Europa bringen, der sich an den chinesischen ID. Aura T6 anlehnt.

BMW und VW droht Förderstreit in South Carolina

BMW und VW droht Förderstreit in South Carolina

Arun Niemann  —  

In South Carolina wächst die Kritik an Förderpaketen für BMW und VWs Scout-Werk. Ein Politikwechsel könnte das US-Geschäft deutscher Autobauer weiter belasten.

VW prüft Gotion-Beteiligung am Batteriewerk Valencia

VW prüft Gotion-Beteiligung am Batteriewerk Valencia

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen und der chinesische Batteriehersteller Gotion verhandeln über eine mögliche Beteiligung am PowerCo-Werk in Valencia, wie ein Bericht nahelegt.

Absatzkrise drückt China-Produktion deutscher Hersteller auf Tiefstand

Absatzkrise drückt China-Produktion deutscher Hersteller auf Tiefstand

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen, BMW und Mercedes produzieren in China immer weniger Autos. Sinkende Marktanteile und schwache Auslastung setzen ihre Werke unter Druck.

Volkswagen Group: Gewinn sinkt, E-Auto-Nachfrage steigt

Volkswagen Group: Gewinn sinkt, E-Auto-Nachfrage steigt

Sebastian Henßler  —  

Die Volkswagen Group verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinnrückgang, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Elektroautos in Europa deutlich an.

Volkswagen Amarok mit Hybrid- und Elektroantrieb geplant

Volkswagen Amarok mit Hybrid- und Elektroantrieb geplant

Maria Glaser  —  

Die dritte Generation des Pick-up-Modells soll 2029 oder 2030 auch als Plug-in-Hybrid sowie mit Elektroantrieb auf den Markt kommen.

Exklusiv: VW-Konzern – Rochade an der Spitze?

Exklusiv: VW-Konzern – Rochade an der Spitze?

Sebastian Henßler  —  

Bei Volkswagen könnte sich einem exklusiv vorliegenden Planungsstand zufolge eine größere Rochade an der Vertriebsspitze mehrerer Konzernmarken anbahnen.