Roadtrip im Hyundai Ioniq 6 von München nach Mailand

Roadtrip im Hyundai Ioniq 6 von München nach Mailand
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Wolfgang Hörner | Hyundai

Wolfgang Hörner
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  —  Lesedauer 5 min

München-Mailand ist nicht nur ein Fußballklassiker, sondern auch ein herrlicher Roadtrip für Autofans. Die E-Mobilität schafft dabei in einem Auto wie dem Hyundai Ioniq 6 ganz neue Erfahrungen. Alle Wege führen nach Rom – und wahrscheinlich mindestens ebenso viele nach Mailand. Und soll es nicht per Bahn oder Flugzeug sein, bieten sich von Deutschland aus mit dem Auto der eher dröge Transit durch den Schweizer Gotthardtunnel an oder der baustellengepflasterte Weg über den Brenner und dann rund um den Gardasee.

Doch wenn die Reise in die Modemetropole in „Italiens nördlichster Stadt“ – München – beginnen soll, gibt es noch eine probate Alternative, landschaftlich sogar die schönste: quasi Luftlinie durch Österreich nach Sankt Moritz, und vom Schweizer Nobelskiort weiter Richtung Comer See. Schon klar, dass man dort keinen Kaffeestopp bei George Clooney einzuplanen braucht, sondern besser die gut 60 Kilometer bis Mailand weiterfährt.

Wolfgang Hörner | Hyundai

Mit insgesamt knapp 500 Kilometern ist die Route die kürzeste Verbindung zwischen München und Mailand. Und Distanzen sind natürlich immer noch ein Thema, wenn die Reise vollelektrisch absolviert werden soll. In diesem Fall mit dem neuen Hyundai Ioniq 6 – schließlich darf es für die Designmetropole schon ein wenig extravagant sein. Das aerodynamische Heck mit stilistischen Anleihen vom Neunelfer sorgt tatsächlich schon unterwegs für interessierte Blicke. Auch wenn so mancher Passant das Fahrzeug selbst nicht zuordnen kann: Die Eleganz überzeugt. Natürlich tragen zu ihr auch der lange Radstand, die versenkten und damit fast unsichtbaren Türgriffe und die spacig wirkenden Kameras anstelle der Außenspiegel bei.

Für die Reise wichtiger ist trotzdem der Antrieb. Der Hyundai Ioniq 6 ist mit dem 77,4-kWh-Batteriepaket ausgestattet. Das ist definitiv die bessere Wahl im Vergleich zum 53-kWh-Standard, der mit 151 PS gerade auf Bergstrecken mit den 1,9 Tonnen Leergewicht zu kämpfen hätte. Spätestens auf dem Malojapass, der mit 1812 Metern Höhe das Bergell mit dem Engadin verbindet, würde der Spaß aufhören. Dabei beginnt er gerade dort erst. Denn der Ioniq 6 hat nicht nur das große Batteriepaket, sondern auch Allradantrieb. Die beiden E-Motoren bringen es zusammen auf 325 PS.

Ohne Frage: Auf keinem Meter behauptet der Ioniq 6 von sich, ein Sportwagen zu sein, sondern präsentiert sich als durchgängig komfortable Limousine. Aber wehe, man kommt in die kurvenreichen Alpen und auf die „Grand Tour of Switzerland“ mit ihren weit geschnittenen Radien. Dann fällt es schwer mit der Zurückhaltung. Die Mühelosigkeit, mit der der Ioniq 6 beschleunigt, und vor allem die hohe Traktion, die bei schnellen Lenkbewegungen und in Kurven den Wagen fest in der Spur hält, erreichen eine Qualität, die ihn mehr zum Sportwagen machen als manchen Zeitgenossen, der mit diesem Titel wirbt. Dabei wird Fahrwerk zu keinem Zeitpunkt ruppig oder straft den Fahrer mit übermäßiger Härte. Dieser hat indes die Möglichkeit, individuelle Parameter anzupassen – von der Sensibilität des Gaspedals bis zur Lenkung.

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Dass auch das Gesamt-Setting mit Eco, Normal und Sport angepasst werden kann, ist zwar normal, hält aber trotzdem eine kleine Überraschung parat. Beim Umschalten in den Sport-Modus macht der Wagen einen plötzlichen Satz nach vorn, ganz so als wolle er zeigen, wofür er jetzt bereit ist. Wird etwa ein Überholmanöver auf der Landstraße mit diesem Tastendruck vorbereitet, aber noch nicht gleich ausgeschert, ist das vor allem für Passagiere eher unangenehm. Zu Gute halten muss man dem Ioniq 6 dafür, dass die Abstufungen zwischen den drei Fahrmodi sehr deutlich ausfallen und kein nutzloses Gimmick sind. Dass überdies der Grad der Rekuperation in feinen Stufen kalibriert, werden kann, ist sicher gut – ob das im Stil von Schaltwippen hinter dem Lenkrad erfolgen muss, ist Geschmackssache.

Die Kombination aus Fahrzeugtemperament und Route lässt sich schon vor Fahrantritt erahnen: Die WLTP-Reichweite von 518 Kilometern in Verbindung mit den montierten 20-Zoll-Rädern (583 Kilometer bei 18 Zoll) reicht nicht für diesen Roadtrip, der mit ziemlich genau 80 Prozent Ladung gestartet wird. Der fällige Stopp erfolgt schon vergleichsweise früh in der Nähe von Landeck: Hier wartet eine einsame 150-kW-Ladesäule. Als Ziel im Navigationssystem einprogrammiert und mit entsprechend vorkonditionierter Batterie, wird das Laden zur wahren Wonne: Knapp 20 Minuten vergehen, bis der Akku bei bis zu 140 kW Ladeleistung wieder zu 80 Prozent voll ist. Jedenfalls geht es schneller, als das „Jausen-Sandwich“ mit Sorgfalt zubereitet und verzehrt ist. Am Ende ist schließlich fast eine halbe Stunde vergangen, der Ioniq 6 aber wieder zu 97 Prozent geladen. Hier spielt er die Vorteile seiner 800-Volt-Technologie gnadenlos aus.

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So hurtig Österreich verlassen wird, Nauders links, Samnaun rechts liegen bleibt, so schnell geht es auch durch den Schweizer Kanton Graubünden, vorbei an der hochalpinen, immer noch schneebedeckten Bergwelt. Der Vorwärtsdrang endet schlagartig, als bei Dogana die Grenze nach Italien passiert wird. Ab Chiavenna sind die Straßen eng und der Verkehr dicht, was sich am linken Ufer des Comer See bis Como weiter verschärft. Jetzt schlägt die Stunde anderer digitaler Assistenten: Die Rundum-Kameras sind plötzlich geschätzte Helfer. Hier zeigt sich auch, dass die Position und die Qualität der digitalen Außenspiegel nichts zu wünschen übrig lässt. Die Funktion, dass beim Blinken das Bild zusätzlich auch in den Instrumentencluster eingeblendet wird, erweist sich speziell beim Rechtsabbiegen als äußerst nützlich.

Beim unumgänglichen „Buongiorno Italia“-Espresso-Stopp in einer Bar mit Seeblick wird anhand der Lade-App deutlich: An Ladesäulen mangelt es bis nach Mailand nicht – wohl aber an leistungsfähigen Anlagen. Die Mehrzahl sind 22-kW-Stationen, nur entlang der Autobahnen findet man Hypercharger. Wie gut, dass dem Ioniq-6-Fahrer das erst einmal egal sein kann: Beim Erreichen von Mailand ist die Batterie immer noch fast halb voll, die Restreichweite beträgt deutlich über 200 Kilometer. Damit lässt sich erst einmal entspannt Bella Figura rund um Dom, Scala und im Modeviertel der Via Monte Napoleone machen.

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Wolfgang Hoerner

Wolfgang Hoerner

Dr. Wolfgang Hörner verantwortet den Beratungsbereich press-inform consult und ist neben seiner journalistischen Expertise deren PR-Experte. Der promovierte Naturwissenschaftler arbeitet seit 1994 als Journalist und ist seither in Funktionspositionen wie Chefredakteur oder Ressortleiter für zahlreiche Fach- und Lifestyle-Magazine tätig gewesen. Darüber hinaus ist der Mittelmotorfan Autor von knapp einem Dutzend unterschiedlichster Automobilbücher.

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