Preis-Crash bei Batterien: Werden E-Autos jetzt viel billiger?

Preis-Crash bei Batterien: Werden E-Autos jetzt viel billiger?
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Die Preise für Batterien in China befinden sich im Sinkflug, was sich zunehmend auf die Automobilindustrie auswirkt. In einem bemerkenswerten Newsletter-Artikel stellt das Nachrichtenportal Bloomberg daher nun fest: „Wir müssen nicht mehr darauf warten, dass die Zellpreise so weit fallen, dass der Straßenverkehr kohlenstofffrei wird. Dieser Tag ist jetzt gekommen.“

Im vergangenen Jahr ist demnach der Preis für Lithium-Eisenphosphat-Batteriezellen (LFP) in China um mehr als 50 Prozent auf durchschnittlich 53 US-Dollar (48,50 Euro) pro Kilowattstunde gefallen. Der weltweite Durchschnittspreis für diese Batterien lag demnach bei 95 Dollar pro Kilowattstunde (87 Euro). „Der Preisrückgang ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen“, erklärt Bloomberg. Zunächst sei der Preis für die Rohstoffe in den vergangenen anderthalb Jahren deutlich gesunken. „Der Anteil der Kathode an den Gesamtkosten für eine LFP-Zelle in China ist von 50 Prozent Anfang 2023 auf weniger als 30 Prozent in diesem Jahr gefallen“, heißt es im Artikel.

Außerdem sei die Produktion stark gestiegen bis hin zu einer Überproduktion. Mit steigendem Angebot bei gleichbleibender oder auf manchen Märkten zuletzt sogar leicht schwächer werdender Nachfrage fallen die Preise. Außerdem habe sich die Produktion weiter hin zu den besonders effizienten Batterieherstellern wie CATL hin verlagert, und die könnten entsprechend günstiger produzieren. Zwar sinken zunehmend die Margen für die Batteriehersteller, doch durch die stetig steigende Produktion könne dies gut abgefedert werden.

CATL und BYD sind die Vorreiter

„Rohstoffkosten, Überkapazitäten und der Druck auf die Gewinnspannen der Hersteller machen den Großteil der Entwicklung aus, aber es gibt auch immer noch erhebliche Verbesserungen bei der Technologie und den Herstellungsprozessen“, heißt es in der Analyse weiter. Vor allem CATL und BYD trieben die Entwicklung der Batterietechnik massiv voran. Bloomberg geht davon aus, dass die niedrigen Preise für Batterien für Jahre andauern werden. Da sich dieser Effekt erst mit Verzögerung bei den Fahrzeugpreisen niederschlägt, deute also viel darauf hin, dass Elektroautos in den kommenden Monaten deutlich günstiger werden könnten – zumindest mit chinesischen Batterien an Bord. In China seien bereits jetzt viele Elektromodelle günstiger als die vergleichbaren Verbrenner.

Bei den Batterien ist die chinesische Übermacht kaum aufzuhalten. Europa setzt seine Hoffnungen auf eigene Energiespeicher zu wettbewerbsfähigen Preisen und unter anderem auf das schwedische Unternehmen Northvolt. Doch zuletzt gab es einige Rückschläge. So zog BMW offenbar einen milliardenschweren Auftrag wegen Qualitätsproblemen und zeitlichem Verzug zurück, und auch Volkswagen erwägt derzeit Berichten zufolge diesen Schritt. Northvolt selbst hatte jüngst eingeräumt, bei seinen Expansionsplänen vielleicht zu aggressiv gewesen zu sein.

Positive Effekte durch die sinkenden Batteriepreise in China, die Wettbewerber wie Northvolt natürlich zusätzlich unter Druck setzen, könnte es indes laut Bloomberg nicht nur für Elektroautos geben. Auch bei Heimspeichern dürften die Preise der Analyse zufolge in den nächsten Monaten wohl purzeln.

Quelle: Bloomberg – „China’s Batteries Are Now Cheap Enough to Power Huge Shifts“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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