Polestar hat für das erste Quartal einen deutlich gestiegenen Nettoverlust gemeldet. Der schwedische Elektroautohersteller, der mehrheitlich zum chinesischen Geely-Konzern gehört, verbuchte von Januar bis März einen Nettoverlust von 326 Millionen Euro – mehr als doppelt so viel wie die 141 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Preisdruck, US-Zölle und ein ungünstiger Währungseffekt durch den chinesischen Yuan belasteten das Ergebnis, obwohl der Absatz um sieben Prozent auf mehr als 13.000 Fahrzeuge zulegte.
Der Umsatz blieb mit 538 Millionen Euro nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahreswert von 537 Millionen Euro. Hintergrund ist ein Verschiebung im Produktmix: Polestar verkaufte weniger Exemplare des höherpreisigen Polestar 3 und deutlich mehr Einheiten des Polestar 4, der 67 Prozent des Quartalsumsatzes ausmachte. Höhere Volumina und positive Währungseffekte durch Pfund Sterling und Euro konnten den Rückgang bei den Preisen und beim Verkauf von CO₂-Krediten nur teilweise ausgleichen. Letztere sanken von 25 Millionen auf 18 Millionen Euro.
Besonders auffällig ist der Einbruch bei der Bruttomarge: Sie fiel von 10,3 Prozent im ersten Quartal 2025 auf minus 3,2 Prozent. Neben Preisdruck und Zollbelastungen trugen Einmaleffekte zu diesem Rückgang bei. Das bereinigte EBITDA verschlechterte sich auf minus 200 Millionen Euro, verglichen mit minus 82 Millionen Euro im Vorjahr.
Kasse schmilzt, Finanzierungsrunden folgen auf dem Fuß
Der Cashbestand sank innerhalb von drei Monaten von 985 Millionen auf 575 Millionen Euro. Polestar sicherte sich im ersten Quartal gleichwohl frisches Kapital: 340 Millionen Euro kamen von Feathertop Funding Limited, einem Zweckfahrzeug der Sumitomo Mitsui Banking Corporation, sowie von Standard Chartered Bank (Hong Kong). Weitere 255 Millionen Euro folgten von einem Konsortium um Crédit Agricole CIB. Parallel wandelten Geely Sweden und Volvo Cars insgesamt rund 543 Millionen Euro an ausstehenden Darlehen in Eigenkapital um; weitere Umwandlungen in Höhe von rund 310 Millionen Euro sind für das zweite Quartal 2026 vorgesehen. Volvo Cars verlängerte zudem einen verbleibenden Gesellschafterkredit von 617 Millionen Euro bis Dezember 2031.
CEO Michael Lohscheller formulierte es auf einem Analysten-Call nüchtern: „Die Welt um uns herum stellt uns weiterhin vor Herausforderungen. Das spiegelt sich in unseren Ergebnissen für das erste Quartal wider.“ Einen finanziellen Ausblick für das Gesamtjahr nannte er nicht.
Operativ baute Polestar sein Händlernetz weiter aus: 19 neue Verkaufspunkte kamen im Quartal hinzu, womit das Unternehmen nun 230 Standorte weltweit zählt. Europa steht dabei klar im Fokus – 78 Prozent des Absatzes entfielen im Quartal auf den Kontinent. Bis Ende 2026 plant Polestar, 250 Verkaufspunkte zu betreiben.
Modellpflege statt Neustart
Statt komplett neuer Modelle setzt Polestar kurzfristig auf überarbeitete Versionen bestehender Fahrzeuge – eine bewusste Entscheidung, um Kosten zu schonen. Eine neue Variante des Polestar 4 soll im weiteren Jahresverlauf auf den Markt kommen, eine überarbeitete Version des Polestar 2 ist für 2027 angekündigt. Das nächste vollständig neue Modell, der kompakte SUV Polestar 7, folgt danach.
Die Aktie reagierte auf die Quartalszahlen mit einem Kursrückgang von knapp acht Prozent. Das Muster aus steigendem Absatz, schrumpfenden Margen und laufenden Kapitalmaßnahmen setzt sich damit auch im Jahr 2026 fort.
Quelle: Polestar – Pressemitteilung / Reuters – EV maker Polestar’s quarterly loss widens as tariffs, pricing pressure weigh on margins








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