Der chinesisch-schwedische Elektroautohersteller Polestar hat eine weitere Eigenkapitalfinanzierung über 300 Millionen US-Dollar abgeschlossen, umgerechnet rund 261 Millionen Euro. An der Runde beteiligten sich unter anderem Crédit Agricole CIB, Vida Finance S.A., Innovator Limited und Proximastar Holdings Company Limited. Damit erreicht das Unternehmen sein selbst gestecktes Ziel von einer Milliarde Dollar (ca. 865 Mio. Euro) an frischem Eigenkapital innerhalb von nur vier Monaten.
Die Konditionen entsprechen den beiden vorangegangenen Finanzierungsrunden. Der Preis pro Class-A-ADS ist identisch mit den Tranchen vom Dezember 2025 und Februar 2026. Keiner der neuen Investoren wird nach Abschluss mehr als fünf Prozent am ausstehenden Kapital halten. Die Transaktion soll bis zum 19. März 2026 abgeschlossen worden sein, regulatorische Genehmigungen sind nicht erforderlich.
Gleichzeitig haben die Käufer jeweils eine Put-Option mit einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von Geely Sweden Holdings AB vereinbart. Diese sichert den Investoren nach drei Jahren einen Ausstiegsweg mit garantierten Renditen. In der Praxis bedeutet das: Geely steht als Rückversicherer hinter dem Investment, was das tatsächliche Risiko für die Finanzinstitute deutlich reduziert.
Polestar-Chef Michael Lohscheller ordnete die Entwicklung entsprechend ein: „In den letzten vier Monaten haben wir bedeutende Schritte unternommen, um unsere Bilanz zu stärken und unsere Liquiditätsposition zu verbessern.“ Das Unternehmen habe den Streubesitz erhöht und die Aktionärsbasis verbreitert. Lohscheller verwies zudem auf ein Rekordjahr bei den Einzelhandelsverkäufen und kündigte vier neue Modelle innerhalb der kommenden drei Jahre an.
Drei Runden in schneller Folge – und immer Geely im Hintergrund
Ein Blick auf die Chronologie der vergangenen Monate verdeutlicht das Ausmaß der Kapitalbeschaffung. Im Dezember 2025 sicherte sich Polestar zunächst 300 Millionen Dollar, rund 261 Millionen Euro, durch Beteiligungen der spanischen BBVA und der französischen Natixis. Parallel dazu stellte Mehrheitseigentümerin Geely Holding über einen Kreditvertrag bis zu 600 Millionen Dollar bereit, etwa 522 Millionen Euro. Im Februar folgte eine weitere Runde über 400 Millionen Dollar, umgerechnet circa 348 Millionen Euro, getragen von einer Zweckgesellschaft der Sumitomo Mitsui Banking Corporation und der Standard Chartered Bank.
Auffällig ist dabei ein wiederkehrendes Muster: In jeder Runde treten international bekannte Finanzinstitute als Käufer auf, doch die Put-Option mit Geely-Tochtergesellschaften bildet stets das Sicherheitsnetz. Die Investoren erwerben zwar Eigenkapital, können ihre Anteile aber nach drei Jahren mit festgelegter Rendite an Geely zurückgeben. Die Risikoverteilung liegt damit nicht bei den Banken, sondern letztlich beim chinesischen Mutterkonzern.
Für Polestar verbessert sich durch die Transaktionen formal die Bilanzstruktur, da Eigenkapital statt Fremdkapital zufließt. Gleichzeitig steigt der Streubesitz, was für die Nasdaq-Notierung relevant ist. Ob die wiederholten Kapitalrunden in kurzer Abfolge jedoch ein Zeichen für eine nachhaltige Stabilisierung sind oder vielmehr den anhaltenden Liquiditätsdruck des Unternehmens widerspiegeln, bleibt eine offene Frage.
Quelle: Polestar – Pressemitteilung








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