Auf den ersten Blick wirkt die Bilanz von Polestar solide: Nach eigener Schätzung hat der Elektroautohersteller im dritten Quartal 2026 insgesamt 14.371 Autos verkauft. Das sind rund ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen im Detail ergeben jedoch ein anderes Bild. Ohne das US-Geschäft sank der Absatz im Quartal um acht Prozent auf 12.211 Einheiten. Das Wachstum stammt damit nahezu vollständig aus einem einzigen Markt.
Rechnet man die Differenz heraus, kommt Polestar in den USA im dritten Quartal auf rund 2160 verkaufte Autos, nach knapp 970 im Vorjahresquartal. Das US-Volumen hat sich somit mehr als verdoppelt, während die übrigen Märkte zusammen gut 1000 Einheiten eingebüßt haben. Ähnlich fällt die Neunmonatsbilanz aus: Von Januar bis September meldet das Unternehmen 44.790 Verkäufe und damit ein Plus von 0,6 Prozent. Ohne die Vereinigten Staaten steht dagegen ein leichter Rückgang um 0,5 Prozent auf 40.773 Einheiten.
CEO Michael Lohscheller spricht trotzdem vom bisher besten dritten Quartal der Marke, erzielt “trotz zunehmend herausfordernder Marktbedingungen”. Der Vorsprung gegenüber dem Vorjahresquartal beträgt allerdings lediglich knapp 150 Autos. Für die kommenden Monate setzt der Konzern vor allem auf frische Modelle. Den Start der Auslieferungen des Polestar 5 an Kund:innen bezeichnet Lohscheller als “wichtigen Meilenstein für das Unternehmen”.
Hinzu kommt der neue Polestar 4 SUV, der das Portfolio erweitern und neue Kundengruppen im D-SUV-Segment erschließen soll. Dieses Segment beschreibt der Manager als “das größte und dynamischste Segment im europäischen Premium-Elektrofahrzeugmarkt”. Ob die beiden Modelle die Schwäche außerhalb der USA ausgleichen können, lässt sich an den aktuellen Quartalszahlen noch nicht ablesen. Belastbare Rückschlüsse dürften erst die kommenden Berichte erlauben.
Deutschland entwickelt sich gegen den Trend
Deutlich freundlicher sieht die Lage hierzulande aus. In den ersten neun Monaten des Jahres kam Polestar in Deutschland auf 3808 Neuzulassungen, ein Zuwachs von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im September legte die Marke mit 460 Neuzulassungen sogar um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu.
Jan Grindemann, Regional Director Central Europe und Managing Director Germany, sieht darin eine Bestätigung der eigenen Strategie. “Die Entwicklung in den ersten neun Monaten zeigt, dass wir in Deutschland auf dem richtigen Weg sind”, erklärt er. Zugleich verweist Grindemann auf den Ausbau des Handels: Das Vertriebsnetz habe sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, wodurch Polestar für deutlich mehr Menschen vor Ort erlebbar geworden sei. Dieses Momentum wolle man nutzen, um die Position im deutschen Markt weiter zu stärken.
Konkret hat die Marke im Rahmen ihrer im April angekündigten Deutschlandoffensive im dritten Quartal neue Standorte in Mannheim, Leipzig, Bielefeld und Münster eröffnet. Gemeinsam mit der Krüll Gruppe kam außerdem ein Space in Hamburg-Altona hinzu. Seit September 2025 ist das deutsche Netz damit von acht auf 17 Standorte gewachsen. Weitere Partnerschaften sollen folgen, um die regionale Abdeckung und die Nähe zu Kund:innen auszubauen.
Ins Verhältnis gesetzt relativiert sich die positive Entwicklung allerdings ein Stück weit. Auf den deutschen Markt entfallen rund 8,5 Prozent der weltweiten Verkäufe aus den ersten neun Monaten. Die absoluten Stückzahlen bleiben überschaubar, das kräftige September-Plus entspricht 460 Zulassungen. Auffällig ist zudem, dass sich die Zahl der Standorte mehr als verdoppelt hat, während die Neuzulassungen im selben Zeitraum um 16 Prozent zulegten. Inwieweit die neuen Häuser in den kommenden Quartalen zusätzliches Volumen bringen, wird sich zeigen müssen.
Quelle: Polestar – Pressemitteilung








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