Wer einen neuen Polestar 2 kaufen möchte, muss sich in Teilen Europas inzwischen mit dem Lagerbestand begnügen. In Norwegen und Schweden nimmt Polestar keine Werksbestellungen mehr an, die Websites leiten Interessierte zu bereits gebauten Wagen weiter. Auf der schwedischen Seite heißt es, die Konfiguration sei für neue Bestellungen nicht verfügbar und könne mit sofort lieferbaren Autos verglichen werden. Hintergrund ist das Ende der Fertigung, über das das norwegische Portal TV 2 Broom berichtete: Im chinesischen Werk sind die letzten Exemplare vom Band gelaufen.
Eine offizielle Mitteilung des Herstellers gibt es bislang nicht, ebenso wenig eine abschließende Produktionszahl. Laut dem Bericht entstanden insgesamt mehr als 200.000 Einheiten, im Februar hatte das Unternehmen selbst von über 190.000 verkauften Modellen gesprochen. In Dänemark, wo rund 12.000 Stück abgesetzt wurden, gilt die Fließheck-Limousine faktisch als ausverkauft. Polestar Dänemark verweist zwar auf vorhandene Lagerware, online sind jedoch keine Wagen mehr gelistet.
Gebaut wurde das Elektroauto im Werk Luqiao in der ostchinesischen Stadt Taizhou, das dem Geely-Konzern gehört und von Volvo betrieben wird. Dort lief die Produktion im März 2020 an. Es handelte sich um das erste vollelektrische Modell der Volvo Car Group und um den ersten reinen Stromer von Polestar. Seine Wurzeln reichen zurück zum Konzept 40.2, das Volvo 2016 gemeinsam mit dem 40.1 zeigte, aus dem später der XC40 hervorging. Beide teilen sich die Technik unter dem Blech, zahlreiche Details im Innenraum stammen ebenfalls von Volvo.
Zu den wichtigsten Märkten zählte Norwegen mit mehr als 16.000 verkauften Exemplaren. „Polestar 2 war ein großer Erfolg und hat uns in Norwegen einen Blitzstart beschert“, sagte Stian Gihle, Kommunikationschef von Polestar Norwegen, früher in diesem Jahr gegenüber Broom. Die umfangreiche Überarbeitung von 2024, unter anderem mit einem neuen Heckantrieb, halte das Modell nach seinen Worten bis weit ins Jahr 2026 aktuell.
Kanada bekommt noch eine zweite Chance
Eine Ausnahme bildet Kanada. Dort verschwand das Modell im März 2025 vom Markt, nachdem ein Zoll von 100 Prozent auf in China gebaute E-Autos die Importe gestoppt hatte. Seit Anfang Juni ist es zurück, weil das Land den Satz für Einfuhren innerhalb einer Quote auf 6,1 Prozent senkte. Der Modelljahrgang 2027 startet bei 69.900 Kanadischen Dollar (rund 44.700 Euro), für die Long-Range-Dual-Motor-Version nennt der Konfigurator aktuell einen reduzierten Preis von umgerechnet etwa 41.500 Euro. Ob diese Bestellungen aus laufender Produktion oder aus Beständen bedient werden, hat Polestar offengelassen.
In den Vereinigten Staaten wird der Fünftürer dagegen nicht mehr angeboten. Das Bureau of Industry and Security des US-Handelsministeriums verweigerte Polestar Ende Juni die Genehmigung nach der Connected Vehicle Rule, ab dem Modelljahr 2027 sind dort keine Neuwagenverkäufe mehr möglich. „Die Autoindustrie tritt in eine neue Phase ein, die auf regionalen Dynamiken beruht“, erklärte CEO Michael Lohscheller damals. Seither räumt die Marke ihre US-Lager: Im dritten Quartal stiegen die Verkäufe dort auf mehr als das Doppelte, rund 2160 Autos, während der Absatz außerhalb der USA um acht Prozent sank.
Bis zum Nachfolger entsteht eine Lücke von mindestens einigen Monaten. Die übrigen Baureihen kommen aus anderen Werken: Polestar 4 Coupé und SUV fertigt Renault Korea in Busan, den Polestar 3 baut der Hersteller in Ridgeville, South Carolina, sowie in China. Angekündigt hatte Polestar einen komplett neuen Nachfolger bereits im Februar, als Teil von vier neuen Modellen in drei Jahren. Der Marktstart ist für Anfang 2027 geplant. „Die nächste Generation dieses ikonischen Autos in Rekordtempo bis Anfang nächsten Jahres zu bringen, ist sehr spannend“, sagte Lohscheller dazu.
Neue Form, neues Werk, viele offene Fragen
Wo das neue Modell entsteht und auf welcher Plattform es basiert, ist offiziell nicht bekannt. Dem norwegischen Portal zufolge soll es viele Gemeinsamkeiten mit dem kommenden Volvo EX50 haben, als Crossover auftreten und gemeinsam mit diesem im neuen europäischen Volvo-Werk vom Band laufen. Das schwedische Portal Carup berichtet hingegen von einer flacheren, sportlicheren Karosserie unter beibehaltenem Namen und zitiert Fahrwerkschef Joakim Rydholm mit dem Satz: „Wir müssen den neuen BMW i3 schlagen.“ Bestätigt ist lediglich, dass der Polestar 7, ein kompaktes SUV für 2028, im slowakischen Košice gebaut wird.
Quelle: tv2.no – Knallsuksess i Norge – nå er det slutt / Eletric-Vehicles – Polestar 2 Goes Out of Production in China as Brand Readies an All-New Model








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