Opel-Chef Florian Huettl drängt auf eine stärkere Berücksichtigung europäischer Elektroautos in der CO₂-Flottenregulierung der EU. Auf dem Mobility Summit des VDA in Berlin schlug der Stellantis-Manager vor, in Europa produzierte Elektroautos mit einem Faktor von 1,2 bei der Berechnung der Flottenemissionswerte anzurechnen. Für kleine Elektroautos forderte Huettl sogar einen Faktor von 1,5. Eine solche Regelung würde es europäischen Automobilherstellern erleichtern, die vorgeschriebenen CO₂-Grenzwerte einzuhalten und drohende Strafzahlungen zu vermeiden.
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr: Kleine Elektroautos sind traditionell eine Domäne von Stellantis. Der Konzern, zu dem neben Opel auch Marken wie Peugeot, Citroën und Fiat gehören, hat in diesem Segment eine starke Marktposition in Europa. Eine höhere Gewichtung dieser Fahrzeuge bei der CO₂-Berechnung käme dem Unternehmen entsprechend entgegen.
Ferner erklärte Huettl: „Made in Europe kann ein wichtiger Teil der Lösung sein“. Europa müsse sich angesichts geopolitischer Herausforderungen neu justieren. „Die CO₂-Verordnung bietet dafür einen Hebel“, so der Opel-Chef weiter. Gleichzeitig entstehe damit ein Anreiz, die Autoproduktion in Europa zu stärken.
Mit seinem Vorstoß verbindet Huettl zwei Regulierungsvorhaben der EU miteinander: den Industrial Accelerator Act und die CO₂-Regulierung für Neuwagen. Bereits Anfang Februar hatten die Konzernchefs von Volkswagen und Stellantis, Oliver Blume und Antonio Filosa, einen ähnlichen Vorschlag unterbreitet. Huettl geht mit seinen Forderungen nun allerdings noch einen Schritt weiter.
Kritik am „Bürokratiemonster“ der EU-Kommission
Der Entwurf des Industrial Accelerator Act sieht unter anderem vor, dass nur Elektroautos für Förderprogramme und öffentliche Ausschreibungen infrage kommen, deren Komponenten zu mindestens 70 Prozent aus Europa stammen. Huettl begrüßte diese grundsätzliche Stoßrichtung, die die EU-Kommission Anfang März vorgelegt hatte. „Wir halten den Entwurf für viel zu kompliziert, da droht ein Bürokratiemonster“, kritisierte er jedoch zugleich.
Neben der Bevorzugung europäischer Fahrzeuge forderte der Opel-Chef auch Erleichterungen bei den CO₂-Grenzwerten für leichte Nutzfahrzeuge. Das Erreichen der Ziele solle zeitlich gestreckt werden: auf einen Zeitraum von 2025 bis 2029 sowie von 2030 bis 2034. Die EU-Kommission hatte bislang lediglich für die Jahre 2025 bis 2027 eine solche Flexibilisierung eingeräumt, jeweils für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge.
Bislang verlangen die EU-Vorgaben von den Automobilherstellern, jedes Jahr strengere Grenzwerte einzuhalten. Werden diese verfehlt, drohen Strafzahlungen. Eine Berechnung über einen längeren Durchschnittszeitraum würde den Unternehmen mehr Spielraum verschaffen. Die Branche stehe vor enormen Herausforderungen und dürfe nicht mit „unrealistischen Zielen und hohen Strafzahlungen belastet werden“, begründete Huettl seine Forderung.
Quelle: Automobilwoche – Opel-Chef Huettl fordert CO₂-Bonus für Elektroautos aus Europa








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