Opel-Einstieg in Formel E: Plan steht, Fahrer fehlen

Opel-Einstieg in Formel E: Plan steht, Fahrer fehlen
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Der Einstieg in die Formel E ist für etablierte Automobilhersteller längst nicht mehr nur eine Marketingentscheidung, sondern ein technologisches und strategisches Bekenntnis zur Elektromobilität. Mit dem Gen4-Reglement öffnet sich für die Saison 2026/27 ein neues Kapitel der Elektro-Weltmeisterschaft – leistungsstärkere Fahrzeuge, ein verschärfter Kostenrahmen und ein Wettbewerbsumfeld, das den Einstieg neuer Werksteams erschwert. Genau in dieses Umfeld tritt Opel ein. Das Opel GSE Formula E Team wird ab der kommenden Saison antreten und sich dabei auf das im Stellantis-Konzern vorhandene Know-how stützen, ohne den Anspruch eines eigenständigen Werksteams aufzugeben.

Im Gespräch mit e-Formel.de hat Teamchef Jörg Schrott die Hintergründe des Engagements erläutert. Schrott verantwortet den Aufbau der neuen Teamstruktur und kennt die Marke seit vielen Jahren. Er ordnet den Einstieg als bewusst gewählten Zeitpunkt ein. Bereits vor drei Jahren habe das Thema Formel E auf dem Tisch gelegen, sei damals aber noch nicht reif gewesen. Ausschlaggebend für die jetzige Entscheidung sei das Gen4-Fahrzeugkonzept mit seiner Performance sowie eine Kostenstruktur, die einen sinnvollen Return on Investment ermögliche. „Das Cost-Cap-Konzept ermöglicht Motorsport auf Weltmeisterschaftsniveau zu vertretbaren Kosten“, so Schrott gegenüber e-Formel.de.

Aufbau der Race-Operations in Rüsselsheim

Eine zentrale Rolle für das Projekt spielt der Stellantis-Verbund. Im Konzern arbeiten mehr als 100 Menschen am Formel-E-Programm, in das Mitarbeiter:innen von Opel bereits integriert sind. Dazu zählen Ingenieur:innen, Spezialist:innen für Simulation sowie Fachleute, die Algorithmen für die Rennstrategie entwickeln. Schrott bezeichnet diese Basis als sehr stark und sieht im Verzicht auf einen zusätzlichen Einsatzpartner einen klaren Vorteil bei Entscheidungsfindung und Umsetzungsgeschwindigkeit. Aufgabe sei es nun, das vorhandene Potenzial konsequent zu nutzen.

Der eigentliche Teamaufbau läuft parallel zur Standortentwicklung am Stammsitz. In Rüsselsheim soll perspektivisch eine Einheit entstehen, die die Rennvorbereitung übernimmt – inklusive eigenem Simulator und vernetzter Anbindung an Stellantis. Auch die Rennstrategie soll dort eigenständig entwickelt werden. Dass diese Struktur nicht von Beginn an steht, hängt mit dem laufenden Umbau am Standort zusammen. Opel errichtet in Rüsselsheim ein neues Headquarter und neue Motorsport-Facilities, in die der Bereich integriert werden soll. Bis dahin bedeutet die Übergangslösung mehr Reisetätigkeit. Entscheidend sei der Ein-Team-Ansatz, betont Schrott.

Personell setzt das Team auf einen Mix aus Erfahrung und Nachwuchs. Mit Sophia Flörsch ist bereits eine Test- und Entwicklungsfahrerin verpflichtet. Bei den beiden Stamm-Cockpits will sich Schrott noch nicht auf Namen festlegen, deutet aber an, dass die Konstellation einen erfahrenen Piloten mit Formel-E-Hintergrund und einen jungen, starken Fahrer umfassen werde. Die Bekanntgabe ist für den Pariser Automobilsalon vorgesehen, wo Opel auch das Fahrzeug in seinem endgültigen Design präsentieren will.

Testprogramm bewegt sich im erwarteten Rahmen

Das Gen4-Fahrzeug hat bereits eine substanzielle Laufleistung absolviert. Schrott verweist auf eine ähnliche Größenordnung wie bei Porsche, das eine Distanz von 1860 Kilometern angegeben hatte. Dabei seien nicht von Beginn an alle Systeme an Bord gewesen, teilweise sei das Team mit Hybridlösungen unterwegs gewesen. Im Mittelpunkt der bisherigen Phase habe die Zuverlässigkeit einzelner Komponenten gestanden, parallel liefen seit Monaten Tests auf den Prüfständen – mit Blick auf thermische Belastung, Funktion und weitere Parameter. Nach dem Berlin E-Prix beginne die erste Testwoche mit dem vollständigen Fahrzeug.

Inhaltlich setzt das Testprogramm auf mehreren Ebenen an. Schrott nennt das Zusammenspiel der Komponenten, den thermischen Haushalt, die Aerodynamik unter unterschiedlichen Bedingungen sowie den Umgang mit dem neuen Reifen von Bridgestone. Letzterer sei ein entscheidender Faktor, da er in einem idealen Temperaturfenster arbeiten müsse, um die bestmögliche Performance zu liefern. Für den Sommer hat das Team Teststrecken in Südeuropa eingeplant, um das Fahrzeug unter hohen Außentemperaturen zu erproben.

Im weiteren Verlauf verschiebt sich der Fokus zunehmend vom Entwicklungs- zum Einsatzteam. Geplant ist auch die Simulation kompletter Rennwochenenden, damit sich die Mannschaft an die Abläufe gewöhnen kann. „Wir haben einen klaren Plan, und dieser Plan wird abgearbeitet“, fasst Schrott den Stand zusammen. Mit Blick auf die Debütsaison 2026/27 hält er es für schwierig, die Kräfteverhältnisse seriös einzuschätzen. Als Wunschszenario formuliert er, bereits in der ersten Saison um ein Podium fahren zu können.

Quelle: E-Formel.de – Opel-Teamchef Jörg Schrott im Exklusiv-Interview: „Wir wissen, wo wir hinwollen“

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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