Vulcan Energy hat mit einer aktuellen Vormachbarkeitsstudie zum Projekt Ludwig einen weiteren Baustein für die europäische Lithiumversorgung vorgelegt. Zusammen mit dem bereits laufenden Projekt Lionheart soll das neue Vorhaben in der Region Ludwigshafen künftig so viel Lithium liefern, wie für die Batterieproduktion von einer Million Elektroautos pro Jahr benötigt wird. Für Automobilhersteller und Zellfertiger in Europa entstünde damit eine zusätzliche, heimische Rohstoffquelle im Oberrheingraben. Das Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe ordnet das Vorhaben in ein größeres Ziel ein, die europäische Batterieproduktion unabhängiger von Importen zu machen.
Wie schon beim ersten Projekt Lionheart rund um Landau in der Pfalz setzt Vulcan auch bei Ludwig auf die kombinierte Förderung von Lithium und geothermischer Wärme. Die heiße Sole aus dem Untergrund wird zu einer zentralen Verarbeitungsanlage transportiert, wo mit der unternehmenseigenen Technologie zur direkten Lithiumextraktion, Vulsorb genannt, Lithiumchlorid gewonnen wird. Im Anschluss verarbeitet Vulcan dieses am selben Standort mit etablierter Industrietechnik zu batteriefertigem Lithiumcarbonat weiter. Die Bündelung von Extraktion und Aufbereitung an einem Standort unterscheidet Ludwig konzeptionell nur wenig von Lionheart, bringt nach Unternehmensangaben aber Effizienzvorteile. Anders als Lionheart, das auf Lithiumhydroxid-Monohydrat ausgerichtet ist, liefert Ludwig zudem ein zweites Lithiumprodukt und soll die Flexibilität in der Belieferung der Zellfertigung erhöhen.
Aus dem Projekt Ludwig sollen jährlich 21.100 Tonnen Lithiumcarbonat hervorgehen. Gemeinsam mit den 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat aus Lionheart ergibt sich daraus die Menge, die laut Vulcan ausreicht, um jährlich eine Million Elektroautos mit Batterien zu versorgen. Neben dem Rohstoff nutzt das Unternehmen auch die Wärmeenergie der Thermalsole. Bis zu 3125 Gigawattstunden erneuerbare Wärme pro Jahr sollen daraus entstehen und sowohl regionale Abnehmer als auch die eigenen Produktionsprozesse versorgen. Damit soll das Projekt neben der Rohstoffgewinnung auch einen Beitrag zur regionalen Wärmewende leisten.
Der nächste Schritt ist schon vorgezeichnet
Für Projekt Ludwig veranschlagt Vulcan Investitionen von 1,26 Milliarden Euro und liegt damit etwa 15 Prozent unter den Kosten des Lionheart-Projekts. Vulcan begründet die Einsparung mit den Erkenntnissen aus dem ersten Vorhaben, einem fortgeschrittenen Reifegrad des neuen Projekts sowie einem vereinfachten Entwicklungskonzept. Dazu zählt vor allem die Bündelung von Lithiumextraktion und Weiterverarbeitung an einem einzigen Standort. Die Produktionskosten liegen bei rund 4100 Euro pro Tonne Lithiumcarbonat-Äquivalent und damit auf ähnlichem Niveau wie bei Lionheart. Beide Projekte bewegen sich nach Unternehmensangaben im untersten Quartil der globalen Kostenkurve, was auf international vergleichsweise günstige Förderbedingungen im Oberrheingraben hindeutet.
Im Oberrheingraben, einem mehr als 2000 Quadratkilometer großen Lizenzgebiet, verfolgt Vulcan die Strategie, alle zwei bis drei Jahre ein neues Projekt zu entwickeln. Die finale Investitionsentscheidung für Ludwig soll dabei zeitgleich mit dem Produktionsstart von Lionheart fallen. Bis dahin stehen für das Projektgebiet eine 3D-Seismik, Explorationsbohrungen, die Optimierung des Entwicklungskonzepts sowie die weitere technische Ausarbeitung an. Auch die Vorbereitung der eigentlichen Investitionsentscheidung gehört zu den nächsten Schritten im Projektgebiet.
Cris Moreno, Managing Director und CEO von Vulcan Energy, ordnet Ludwig als „nächsten, strategischen Schritt der phasenweisen Entwicklung“ der Projekte im Oberrheingraben ein. Das technische, operative und kommerzielle Know-how aus Landau lasse sich auf ein zweites Gebiet mit vergleichbarer Solezusammensetzung und Geologie übertragen, so Moreno weiter. Nach Angaben von Moreno biete das Portfolio im Oberrheingraben erhebliches Wachstumspotenzial und lege damit die Grundlage für weitere Entwicklungsphasen. Die Engineering- und Bauteams des Unternehmens könnten dabei von Projekt zu Projekt wechseln und gesammeltes Wissen einbringen.
Quelle: Vulcan Energy – Pressemitteilung









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