Nissan schließt Produktionslinie in UK und streicht Stellen

Nissan schließt Produktionslinie in UK und streicht Stellen
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Laura Horst
Laura Horst
  —  Lesedauer 3 min

Der japanische Automobilhersteller Nissan hat angekündigt, eine seiner beiden Produktionslinien in seinem Werk im britischen Sunderland zu streichen, um Kosten einzusparen. Darüber hinaus teilte das Unternehmen mit, in Europa insgesamt 900 Stellen abzubauen, die laut Nissan jedoch nicht in Zusammenhang mit der Stilllegung der Produktionslinie in Sunderland stehen, wo keine Arbeitsplätze wegfallen sollen.

In Sunderland, Nissans einzigem europäischen Werk, fertigte der Hersteller bisher auf zwei Linien. Als Teil seines Sparprogramms, von dem das britische Werk zuvor relativ unberührt blieb, baut das Unternehmen künftig den neuen Elektro-Leaf, den elektrischen Juke und den Qashqai auf einer einzigen Linie.

Gespräche mit anderen Automobilherstellern

Durch den erfolgreichen Verkauf der ersten Produktionslinie in Sunderland könne man Arbeitsplätze sichern und die Produktion des Unternehmens steigern, erklärte Nissan. Den Kapazitätsverlust durch die Schließung der zweiten Linie, die voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte erfolgen soll, wolle man durch die Umstellung auf drei Schichten ausgleichen.

Obwohl in dem Werk bereits drei Modelle gefertigt werden, sind die Kapazitäten laut einem Bericht von Autocar „derzeit bei weitem nicht ausgeschöpft“. Um die Überkapazitäten in Sunderland auszugleichen, will Nissan die frei werdende Produktionslinie anderen Herstellern zur Verfügung stellen und soll dazu bereits Gespräche mit mehreren Unternehmen geführt haben. Als potenzielle Interessenten gelten die chinesischen Automobilhersteller Chery und Dongfeng.

Chery gilt als möglicher Kandidat

Chery, das derzeit bereits die Produktion in Nissans ehemaligem Werk im spanischen Barcelona vorbereitet, war laut dem Nachrichtensender BBC nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Der britische Chery-Leiter Victor Zhang soll jedoch zuvor gegenüber der BBC erklärt haben, dass der Hersteller den Bau eines Produktionsstandortes in Großbritannien prüfe. Das Unternehmen, das seit Ende 2024 in Großbritannien präsent ist, konnte seine Verkaufszahlen rasant steigern. Aus Zahlen des britischen Branchenverbands The Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) ergab sich im April dieses Jahres ein Marktanteil von fast 5 Prozent.

Nissans Marktanteil deutlich gesunken

Nissan kämpft indessen, wie viele etablierte Hersteller, mit der zunehmenden Konkurrenz auf dem europäischen Markt, insbesondere durch chinesische Hersteller. Gegenüber 5,6 Prozent im Jahr 2016 sank Nissans Marktanteil in Großbritannien in den ersten vier Monaten dieses Jahres auf 3,7 Prozent. Diese Entwicklung zeigt sich auch in den Produktionszahlen, die in 2025 bei gut 237.000 Einheiten lagen, nach einem Höchststand von mehr als einer halben Million.

Angeschlagen durch einen verschärften Wettbewerb auf den globalen Märkten, darunter auch China, sowie durch die erhöhten Einfuhrzölle in den USA, fährt Nissan einen drastischen Sparkurs unter CEO Ivan Espinosa. Nachdem das Unternehmen mit Ende des Geschäftsjahres im März 2025 einen Verlust von rund 4,4 Milliarden Euro verzeichnete, wurden unter anderem sieben Werke geschlossen, um Kosten einzusparen.

Europaweiter Stellenabbau geplant

Während Nissan erklärte, dass in Sunderland keine Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, kündigte ein Unternehmenssprecher die Streichung von 900 Stellen an, was etwa zehn Prozent der europäischen Belegschaft entspricht. Dazu habe man Gespräche mit den Mitarbeitern in Europa aufgenommen, um die Strukturen zu vereinfachen und „sicherzustellen, dass wir nachhaltig und profitabel arbeiten“. In Großbritannien könnte laut Nissan ein kleiner Teil der Verwaltungsstellen vom Stellenabbau betroffen sein.

Als Teil des Sanierungsplans „RE:Nissan“ zielen die Maßnahmen laut dem Hersteller darauf ab, ein „schlankeres, widerstandsfähigeres Unternehmen zu schaffen, das sich schnell an Marktveränderungen anpasst“. Im Zuge dessen soll es zudem Pläne zur Schließung eines Teils des Nissan-Lagers in Barcelona und die Umstellung auf ein Importeurmodell in den nordischen Ländern.

Quellen: BBC – Nissan to close UK line and cut 900 European jobs / Autocar – Nissan to shut production line at Sunderland in cost-saving move

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