Microvast und Gaussin entwickeln modulare Skateboard-Plattform für Lkw

Microvast und Gaussin entwickeln modulare Skateboard-Plattform für Lkw
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Gaussin

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der amerikanisch-chinesische Batteriehersteller Microvast, der zu Jahresbeginn in Ludwigsfelde im Süden Berlins eine Batteriefabrik eröffnet hat, wird den Elektro-Nutzfahrzeughersteller Gaussin mit Stromspeichern beliefern. Die beiden Unternehmen planen einer aktuellen Mitteilung zufolge eine langfristige Zusammenarbeit mit einem voraussichtlichen Volumen von mehr als 1,5 GWh in den kommenden fünf Jahren und bis zu 29 GWh bis 2031.

Gaussin sieht sich als ein Pionierunternehmen in der Entwicklung und Montage von Elektro- und Brennstoffzellfahrzeugen für die Transport- und Logistikbranche. In der Entwicklung von Batterietechnologien und den Fahrzeugen wollen sich die beiden  Partner nun gegenseitig befruchten. Konkret arbeiten die beiden Unternehmen gemeinsam an einer Skateboard-Plattform für Lkw, die für vielfältige Zwecke in der Logistik und im Transport eingesetzt werden soll.

Ein modernes modulares Akkukonzept mit vielfältiger Zellchemie

Mit seinen vertikalen Integrationsfähigkeiten könne Microvast in seinen Akkupacks eine breit gefächerte Auswahl der Zellchemie bereitstellen, um vielfältige technische Anforderungen hinsichtlich Leistung, Energiedichte und Lebenszyklus zu erfüllen. Diese hohe Modularität der Akkus ermögliche wiederum Gaussin eine hohe Flexibilität im Fahrzeugbau, so die beiden Partner. Microvast ist davon überzeugt, dass seine Akkus dank laut eigener Aussage „ausgezeichneter Schnellladefähigkeit, hoher Energiedichte und überragender Sicherheitsmerkmale“ die hohe Nachfrage seitens bedeutender Logistikfirmen nach Lösungen, welche Ladezeiten verkürzen und Ladeintervalle verlängern, decken können.

Erst vor wenigen Wochen stellte Gaussin seine erste Skateboard-Architektur für leichte und schwere Lkw bis hoch zur Klasse von 18 t bis 44 t vor, welche mit Wasserstoff oder voll elektrisch betrieben werden kann. Dabei handelt es sich um eine vielseitige und modulare Fahrzeugplattform, die als 4×2, 6×2 oder 6×4 ausgelegt werden kann und die für verschiedenste Marktakteure geeignet sei.

Die Lösung richte sich an etablierte Lkw-Hersteller wie auch an Neuankömmlinge, an Karosseriehersteller und andere Marktakteure, wobei die Plattform auch auf autonomes Fahren getrimmt werden könne. Allgemein gesehen sei die Skateboard-Lkw-Plattform für alle diejenigen geeignet, die Wasserstoff und/ oder Strom für sauberen und intelligenten Transport einsetzen möchten.

Gaussin und Microvast gehen davon aus, dass bereits Mitte 2021 mit dem Bau der ersten Prototypen in vollelektrischer und Wasserstoffversion begonnen werden kann, um die Fahrzeugleistung zu testen. Die Wasserstoffversion des Lkw-Skateboards ist ein Hybridsystem, das Akkus in Kombination mit Brennstoffzellen einsetzt, um je nach Anforderungsprofil die notwendige Leistung zu erbringen. Die Motorleistung soll je nach Auslegung zwischen 150 kW und 480 kW liegen. Die angestrebte rein elektrische Reichweite gibt Mircovast mit 400 Kilometern an, das Brennstoffzellensystem soll bis zu 800 Kilometer weit kommen.

Gaussin hat zudem vor, ein System für schnelle Akkuwechsel zu entwickeln. Dieser soll mit drei Minuten deutlich schneller vonstatten gehen, als eine komplette Tankfüllung mit Wasserstoff, welche Gaussin mit gut 20 Minuten angibt.

Quelle: Microvast – Pressemitteilung vom 08.06.2021

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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