Wenn ein Handwerksbetrieb seine E-Transporter wieder aufladen muss, dann steckt dahinter mehr als nur eine Ladestation an der Wand. Genau darüber habe ich mit Rainer Thies gesprochen, Geschäftsführer der DACH-Region bei MHC Mobility. Rainer ist, wie er selbst sagt, ein Kind der Leasingbranche: Viele Jahre in Vertrieb, Customer Service und Operations unterwegs, zuletzt bei Santander Consumer Bank verantwortlich für das Leasinggeschäft, bevor er vor gut einem Jahr zu MHC Mobility wechselte.
MHC Mobility bietet Fahrzeug-Abos, aber ausschließlich für Gewerbekunden. Privatkunden gehören bewusst nicht zum Kerngeschäft. „Uns interessiert im Grunde der gewerbliche Kunde“, bringt es Rainer auf den Punkt. Gerade erst hat das Unternehmen die Marke von 50.000 Fahrzeugen in der Flotte geknackt, verteilt über drei Geschäftsführer in Europa. Der Sweet Spot liegt bei Flotten zwischen zehn und 100 Autos, wobei auch einzelne Fahrzeuge oder Flotten mit 200 bis 300 Einheiten bedient werden.
Intern arbeitet MHC mit Branchen-Teams: eines für den Baubereich mit Kastenwagen und Doppelkabinen, eines für Dienstleister wie Pflegedienste und eines für Industrieunternehmen. Wer sich für mindestens 24 Monate festlegt, bekommt eine individuelle Fahrzeugausstattung, etwa spezielle Innenausbauten für Handwerksbetriebe. Bei kürzeren Laufzeiten greifen Standardlösungen wie Regal- oder Werkstatteinbauten.
Woran der Umstieg in Handwerskebtrieben noch hakt
Beim Thema Elektromobilität wird es differenzierter. Der relevante B2B-Markt umfasst laut Rainer rund 900.000 Zulassungen pro Jahr, mit einer Elektroquote von etwa 30 bis 32 Prozent im vergangenen Jahr. MHC selbst liegt darunter, was vor allem an der Kundenstruktur liegt: In der Baubranche ist Elektromobilität noch unterrepräsentiert, in anderen Branchen dafür stärker gefragt. Eigene Befragungen bei Handwerksbetrieben zeigten, dass die Bereitschaft grundsätzlich da ist. Die eigentlichen Hürden liegen woanders: die morgendliche Ladebereitschaft der Fahrzeuge, die passende Ladeinfrastruktur am Betriebsstandort sowie die öffentliche Lade- und Parkplatzsituation unterwegs.
Genau hier setzt die Beratung an. MHC versteht sich als zentraler Ansprechpartner, arbeitet für technische Detailfragen aber mit einem Netzwerk aus Spezialisten und Servicepartnern zusammen. Eine Grundberatung ist im Abo bereits enthalten, eine separate Projektgebühr fällt nicht an. Besonders das Ausprobieren steht im Vordergrund: Kund:innen können zwei oder drei Fahrzeuge für drei, sechs oder neun Monate testen, bevor sie sich langfristig festlegen, gerade bei neuen Modellen aus China wie Xpeng, die aktuell verstärkt nach Europa drängen.
Ein Ladeerlebnis auf dem Bauernhof
Eine Anekdote von Rainer bringt das gut auf den Punkt: Mit einem Testwagen von Denza, dem Z9 GT, suchte er unterwegs eine Schnellladesäule und wurde ausgerechnet bei einem Bauernhof fündig, komplett mit Hofladen und 400-Kilowatt-Ladepunkt. Der Landwirt hatte seinen gesamten Fuhrpark bereits elektrifiziert, inklusive eigener Photovoltaikanlage. Für Rainer ein schönes Beispiel dafür, wie sich Elektromobilität längst rechnet.
Das wirtschaftliche Risiko bei neuen Marken trägt übrigens MHC selbst, nicht die Kundschaft. Fahrzeuge bleiben im Schnitt 42 Monate in der Flotte, Abos laufen zwischen 1 und 72 Monaten, nach der Mindestlaufzeit mit nur fünf Tagen Vorlauf kündbar. Gibt ein Kunde ein Auto vorzeitig zurück, geht es an die nächste Kundschaft weiter, statt aus der Flotte zu verschwinden. Erfahrung mit Schäden und Abnutzung bringt MHC seit 1959 aus dem klassischen Baustellen-Leasing mit, was laut Rainer zu einem sehr guten NPS-Score beiträgt.
Beim Preis starten E-Fahrzeug-Abos bei rund 400 Euro monatlich, Stromkosten kommen separat dazu. Nach oben gibt es kaum Grenzen. Nachhaltigkeit spielt vor allem bei Großkunden eine strategische Rolle, bei kleineren Betrieben tritt sie eher in den Hintergrund, außer bei Handwerkern aus grünen Gewerken wie Wärmepumpen- oder Solarinstallation. Für die Zukunft will MHC den Elektroanteil vor allem im Transporter-Segment weiter ausbauen, unter anderem über eine neue Partnerschaft für intelligente Ladekabel zur Abrechnung von Stromkosten bei Mitarbeitenden mit eigener Wallbox.
So viel zu den wichtigsten Eckpunkten unseres Gesprächs. Jetzt aber genug der Vorworte, lass uns direkt reinhören in die ganze Unterhaltung mit Rainer.
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