Gebrauchte E-Autos werden teurer – und die Käufer zögern

Gebrauchte E-Autos werden teurer – und die Käufer zögern
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Tobias Stahl
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  —  Lesedauer 4 min

In den letzten beiden Jahren gingen die Preise für gebrauchte E-Autos fast durchgängig nach unten. In diesem Frühjahr hat sich der Trend gedreht: Der mediane Angebotspreis eines gebrauchten Stromers lag bis Juni rund 15 Prozent über dem Niveau von März, heißt es in einer aktuellen Marktanalyse des Vergleichsdiensts AutoUncle.

Käufer reagieren inzwischen offenbar mit Zurückhaltung auf den Preisanstieg. Im Juli lag der Absatz gebrauchter Elektroautos 26 Prozent unter dem Märzniveau. Inzwischen haben sich wieder Bestände bei den Händlern aufgebaut, die Preise stiegen erstmals seit April nicht weiter.

Tatsächlich sank der aktive Bestand an gebrauchten Elektroautos über den gesamten Zeitraum von März bis Juni. Selbst nach einer teilweisen Erholung im Juli liegen die Bestände immer noch 20 Prozent unter dem Märzniveau. Gleichzeitig bewegten sich die Gebrauchtwagenpreise nach oben: Lag der Medianpreis für ein gebrauchtes E-Auto im März noch bei 29.390 Euro, stieg er im April auf 31.900 Euro, im Mai auf 32.970 Euro und im Juni dann auf 33.950 Euro. Im Juli gab der Medianpreis mit 33.900 Euro erstmals wieder leicht nach.

Laut Mads Noergaard, Marktanalyst für AutoUncle, lasse sich die Entwicklung nicht allein dadurch erklären, dass sich die Zusammensetzung der angebotenen Fahrzeuge verändert habe. Zwölf der 15 meistverkauften E-Automodelle in Deutschland haben sich den Daten zufolge zwischen März und Juli verteuert, obwohl bei allen 15 Modellen die Verkaufszahlen zurückgingen.

Beim beliebten Volkswagen ID.3 fiel der Preiszuwachs besonders deutlich aus: Er verteuerte sich von 20.949 auf 28.750 Euro, was einem Zuwachs von 37 Prozent entspricht. Der Škoda Enyaq iV verteuerte sich um 18 Prozent, von 30.880 Euro auf 36.419 Euro. Im gleichen Zeitraum wurden nur zwei Modellreihen günstiger: Der Audi e-tron verzeichnete einen Preisrückgang um 0,9 Prozent, der neuere Audi A6 e-tron wurde um 5 Prozent günstiger. Der Medianpreis für den Fiat 500e als günstigstes und absatzstärkstes Modell der Gruppe blieb nahezu unverändert.

Verkäufe stiegen in elf europäischen Märkten – aber nirgends so stark wie in Deutschland

Der Vergleichsdienst sieht im plötzlichen Nachfrageschub im April den Ausgangspunkt der Verknappung, die wiederum zu den höheren Preisen geführt haben soll. Dank schrumpfender Händlerbestände hätten die Verkäufer dementsprechend mehr Macht bei der Preisgestaltung gehabt. Der Anstieg der Nachfrage fiel zeitlich mit einem verstärkten öffentlichen Interesse an der Elektromobilität im Zuge der neuen E-Auto-Förderung zusammen. Diese gilt allerdings nur für Neuwagen, sodass der Gebrauchtmarkt nicht direkt von ihr profitiert – AutoUncle räumt selbst ein, dass sich die genaue Ursache des Nachfragesprungs anhand der Daten nicht eindeutig bestimmen lasse.

Gleichzeitig spreche jedoch wenig dafür, dass es sich lediglich um einen statistischen Effekt handle, heißt es in der Analyse weiter. Der Anstieg zeige sich demnach proportional in den verschiedenen geprüften Datenquellen, zudem habe eine breitere europäische Analyse ergeben, dass die Transaktionen mit gebrauchten E-Autos im April in elf Märkten im Jahresvergleich um 84 Prozent zunahmen. Deutschland verzeichnete dabei den stärksten Anstieg aller untersuchten Märkte.

„Phase der Preisfindung“: Kehren die Käufer schon bald zurück?

Nun rechnen die Analysten damit, dass derselbe Mechanismus, der die Preise in die Höhe getrieben hat, nun damit beginnen könnte, sich selbst zu korrigieren: Weniger Verkäufe würden die Bestände wachsen lassen, Händler könnten daraufhin einen Teil ihrer Preissetzungsmacht verlieren. „Der Markt scheint sich von einer durch Knappheit geprägten Phase in eine Phase der Preisfindung zu bewegen“, so Marktanalyst Noergaard. Die entscheidende Frage sei nun, ob die Käufer schon auf dem heutigen Preisniveau zurückkehrten oder ob sich zunächst die Preise anpassen müssten, bevor die Nachfrage wieder anziehe. Ein einzelner Monat sei zu wenig, um vo einer Trendwende zu sprechen – der Juli liefere aber ein erstes Signal. Daten zum August liegen bislang nicht vor, da der Monat noch nicht abgeschlossen ist.

AutoUncle stützt sich für seine Analyse auf Daten aus Händlerangeboten großer Online-Marktplätze. Es handelt sich um Medianwerte, sodass einzelne Ausreißer weniger Einfluss auf das Ergebnis haben. Privatverkäufe, Leasingangebote und Tageszulassungen sind von der Analyse ausgeschlossen, berücksichtigt werden außerdem nur Fahrzeuge bis zu einem Alter von zehn Jahren.

Quelle: AutoUncle – Teurere gebrauchte Elektroautos halten Käufer zurück: Der Markt steuert auf ein neues Gleichgewicht zu

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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