Alte E-Autos: Sehr teure Reparaturen möglich, aber selten

Alte E-Autos: Sehr teure Reparaturen möglich, aber selten
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Elektroautos gelten wegen ihres vergleichsweise einfachen Antriebs grundsätzlich als wartungsarm. Doch mit zunehmendem Alter können auch bei Stromern teure Reparaturen auftreten. Wie die Automobilwoche mit Blick auf den Aftermarket berichtet, zeigt sich dieser Effekt bislang mit Verzögerung: Viele Elektroautos sind schlicht noch zu jung, um in größerer Zahl mit altersbedingten Defekten in freien Werkstätten aufzutauchen.

Das Bild könnte sich deshalb in den kommenden Jahren bei älteren Modellen verändern. Werden Elektroautos älter und laufen Herstellergarantien aus, gewinnen Reparaturen an Hochvoltkomponenten, Leistungselektronik, Elektromotoren oder dem Thermomanagement an Bedeutung. Gerade solche Arbeiten können teuer werden, weil Komponenten kostspielig sind und entsprechend qualifizierte Werkstätten benötigt werden.

Gleichzeitig stellt sich der Aftermarket zunehmend darauf ein. Zulieferer entwickeln Reparatursätze und Austauschlösungen, mit denen nicht mehr zwangsläufig komplette Baugruppen ersetzt werden müssen. ZF etwa hat zur Automechanika 2026 neue Lösungen für Elektromotoren, Inverter, Mechatronik und elektrische Antriebseinheiten vorgestellt. Mehr als 100 Varianten von Reparatursätzen für elektrische Achsantriebe sollen verfügbar werden. Das Ersatzteilportfolio des Unternehmens deckt nach eigenen Angaben bereits rund 92 Prozent des europäischen Bestands der 20 verbreitetsten E-Auto-Modelle ab. Solche Angebote könnten Reparaturen mit zunehmender Verbreitung älterer E-Autos deutlich wirtschaftlicher machen.

Der Bericht der Automobilwoche bedeutet allerdings keineswegs, dass Elektroautos mit zunehmendem Alter zwangsläufig zu Kostenfallen werden. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen möglicher Schadenshöhe und Schadenwahrscheinlichkeit. Eine defekte Hochvoltkomponente kann eine hohe Rechnung verursachen – bei der großen Mehrheit der Fahrzeuge tritt ein solcher Defekt aber auch nach vielen Jahren überhaupt nicht auf.

Ältere E-Autos nur bedingt mit heutigen Modellen vergleichbar

Dazu passt die ADAC-Pannenstatistik 2026. Bei fünf Jahre alten Elektroautos lag die Pannenkennziffer demnach rund 40 Prozent niedriger als bei gleich alten Verbrennern. Als einen Grund nennt der Automobilclub die deutlich geringere Zahl verschleißanfälliger Komponenten: Kupplung, Abgasanlage, Zündsystem, Kraftstoffsystem oder zahlreiche mechanische Teile des klassischen Antriebsstrangs gibt es beim E-Auto schlicht nicht.

Hinzu kommt ein wichtiger statistischer Haken: Die heute bereits acht, zehn oder mehr Jahre alten Elektroautos stammen aus einer technisch deutlich früheren Phase der Elektromobilität. Fahrzeuge wie Nissan Leaf, Renault Zoe, BMW i3 oder die ersten Tesla-Generationen entstanden zu einer Zeit, als Batterietechnik, Thermomanagement, Leistungselektronik und Reparaturkonzepte noch weniger ausgereift waren als heute.

Auch die Garantien haben sich verändert. Während frühe Elektroautos teilweise nur fünf Jahre oder 100.000 Kilometer Absicherung für die Antriebsbatterie boten, haben sich inzwischen bei vielen Herstellern acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer etabliert. Zudem lassen sich Batterien je nach Konstruktion teilweise auf Modul- statt auf Packebene reparieren. Erfahrungen mit heute alten Stromern lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf moderne Elektroautos übertragen. Hersteller haben aus den ersten Generationen gelernt, Komponenten weiterentwickelt und Reparaturprozesse verbessert.

Die meisten E-Autos bleiben eine günstige Wahl

Im normalen Wartungsalltag bleibt der Elektroantrieb zudem im Vorteil. Eine ADAC-Erhebung ergab, dass die kalkulierten Inspektionskosten von Elektroautos bei den untersuchten Herstellern meist deutlich niedriger lagen als bei vergleichbaren Verbrennern – unter anderem, weil Ölwechsel, Zündkerzen und zahlreiche andere klassische Wartungsarbeiten entfallen.

Unterm Strich zeichnet sich damit ein differenziertes Bild ab: Ja, einzelne Reparaturen können bei älteren Elektroautos empfindlich teuer werden. Mit zunehmendem Alter dürfte dieses Geschäft auch für den Aftermarket relevanter werden. Daraus abzuleiten, dass E-Autos generell im Alter teuer oder unzuverlässig werden, wäre jedoch verfrüht. Es geht um Wahrscheinlichkeiten – und bislang spricht vieles dafür, dass die allermeisten Stromer auch nach vielen Jahren ohne kostspielige Schäden an Batterie oder Elektroantrieb auskommen.

Quelle: Automobilwoche – Verzug im Aftermarket – E-Autos werden erst im Alter teuer

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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