Mercedes schränkt Zugang zu Preislisten auch von E-Autos ein

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Mercedes-Benz

Henning Krogh
Henning Krogh
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„Nächster Schritt“ im so schlagzeilenträchtigen wie umstrittenen „Vertrieb der Zukunft“ der Mercedes-Benz Group: Schon von Mitte dieser Woche an werden potenzielle Kund:innen für Modelle wie EQE oder EQS unter anderem im Internet keine Nachlassdetails und Listenpreise mehr finden, wie beispielsweise aktuell hier noch zu sehen. Ein Handelspartner der Nobelmarke mit dem Stern im Logo stellt sich auf neuen Unmut von Neuwageninteressenten ein.

Der Stuttgarter Premiumhersteller Mercedes-Benz Group steht kurz vor tiefgreifenden Veränderungen der Informationspolitik rund um das Pricing sämtlicher Baureihen. Dies ergibt sich aus einer vertraulichen Mitteilung mit der Überschrift „Preiskommunikation Online – Mercedes-Benz Pkw Preislisten“. Das interne Dokument datiert vom 19. Juli dieses Jahres und liegt Elektroauto-News.net vor.

„Mit der Einführung des Agenturmodells im vergangenen Jahr haben wir einen innovativen Schritt in Richtung eines transparenten und kundenorientierten Vertriebsmodells gemacht“, heißt es unter Punkt „1 Allgemein“ des Schreibens. „Der ‘Vertrieb der Zukunft‘ ermöglicht es unseren Kund:innen von einem einheitlichen Preisangebot zu profitieren – unabhängig vom Vertriebskanal“,

Und dann: „Nun gehen wir den nächsten Schritt und haben uns entschieden, in Zukunft an unseren Online-Touchpoints (Konfiguratoren, Produkt-Websites, Store, etc.) ausschließlich den potenziellen Endkundenpreis (Transaktionspreis) anzuzeigen und auf den Ausweis einzelner Nachlasskomponenten sowie der Listenpreise zu verzichten, um die Preistransparenz weiter zu stärken“.

Letzteres Ziel gilt seit Langem als ein zentrales Vorhaben von Britta Seeger, im achtköpfigen Vorstand der Mercedes-Benz Group unter Führung von CEO Ola Källenius zuständig für das Schlüsselressort Vertrieb. Die Umstellung an besagten Online-Touchpoints wird bereits an diesem Mittwoch erfolgen. Die konkreten Folgen des neuen Schritts mit dem Agenturmodell finden sich unter Punkt „2 Mercedes-Benz Pkw Preislisten“ der herstellerinternen Erläuterungen. Dort nämlich ist zu lesen: „Mit der Umstellung am Mittwoch, den 24.07.2024, verändert sich Folgendes für … :

  • … Kund*innen: Keine Veröffentlichung bzw. Kommunikation der Mercedes-Benz Pkw Preislisten gegenüber unseren Kund:innen
  • … Retail: Für die ausschließlich interne Nutzung werden die Mercedes-Benz Pkw Preislisten in gewohnter Form im Retail-Portal unter Baureihen Produktinformationen unter der jeweiligen Baureihe bis auf Weiteres zu finden sein“.

„Vor allem die einschränkenden drei Worte ‚bis auf Weiteres’ steigern schon jetzt ganz erheblich meine Spannung im Hinblick auf einen wiederum nächsten Schritt beim ‚Vertrieb der Zukunft’“, sagte ein Mercedes-Benz-Handelspartner, der nicht namentlich genannt werden will, im Gespräch mit Elektroauto-News. „Und ich habe die böse Vorahnung“, fügte der Vertriebsmanager hinzu, „dass sich viele Kunden darüber beschweren werden, wenn sie die Preislisten nicht mehr wie gewohnt einsehen können“.

Update vom 22.07.2024 – 19:15 Uhr: 

Auf Anfrage der Redaktion erklärte zur neuen „Preiskommunikation Online“ ein Sprecher des Mercedes-Benz-Vertriebs: „Mit dem im vergangenen Jahr in Deutschland eingeführten Agenturmodell hat Mercedes-Benz als Hersteller einen neuen Vertriebsweg mit zahlreichen Vorteilen für Kundinnen und Kunden eingeschlagen. Sie erhalten mit dem Direktvertriebsmodell noch mehr Preistransparenz über alle Vertriebskanäle hinweg. Grundlage ist ein zum jeweiligen Zeitpunkt in ganz Deutschland geltender Preis je Fahrzeugmodell, Kundengruppe, Ausstattung und Zahlungsart mittels zentraler Preisgestaltung. Damit haben Kundinnen und Kunden eine hervorragende Angebotstransparenz und erhalten jederzeit, über alle digitalen und physischen Kontaktpunkte hinweg einen attraktiven Preis. Aufwändige Preisvergleiche entfallen“.

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Henning Krogh

Henning Krogh

Henning Krogh ist Wirtschaftsjournalist und beschäftigt sich vor allem mit der Mobilitätsindustrie. Der gebürtige Hamburger war jeweils viele Jahre Redakteur bei „manager magazin“ und „Automobilwoche“. Jetzt, als Freier Autor, schreibt er unter anderem für „Business Insider“.

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