Gut ein halbes Jahr nach Produktionsstart liefert der Mercedes CLA in Europa vielversprechende Zahlen. In China hingegen bleibt der erwartete Durchbruch bislang aus. Für den Stuttgarter Konzern steht mit seiner bislang größten Modelloffensive viel auf dem Spiel – auch das Schicksal von Konzernchef Ola Källenius.
Bis einschließlich Februar wurde der CLA in Europa knapp 25.500-mal zugelassen, wie Auswertungen des Dienstleisters Dataforce zeigen. Seit September verzeichnet das Modell im monatlichen Schnitt rund 4000 Neuzulassungen. „In einem schwierigen Marktumfeld sind diese Zahlen sehr gut“, ordnet Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management ein. Vertriebsvorstand Mathias Geisen spricht gegenüber dem Handelsblatt von Erwartungen, die „auch im Februar signifikant übertroffen“ worden seien. Die Auftragsbücher reichten bis weit in die zweite Jahreshälfte, die Produktion im Werk Rastatt laufe im Dreischichtbetrieb.
Die meisten Zulassungen entfallen mit über 9600 auf Deutschland, gefolgt von Großbritannien mit 3700 und Belgien mit knapp 2400. Rund 30 Prozent der Käufe tätigen Privatpersonen, die Hälfte geht an Dienstwagenkund:innen. Mit einem Einstiegspreis ab etwa 47.000 Euro in Deutschland gehört der CLA zu den günstigeren Modellen im Mercedes-Portfolio – entsprechend niedriger fällt die Marge aus.
Technisch gilt der CLA als Ankermodell der neuen Mercedes-Strategie. Das Betriebssystem MB.OS, das bei diesem Auto erstmals im Zentrum der Entwicklung stand, bildet die Grundlage für alle kommenden Modelle. Es ermöglicht unter anderem die Integration von Google Maps in Mercedes-eigenem Design sowie automatisierte und autonome Fahrfunktionen. Auch beim Design hat der Konzern eine Kehrtwende vollzogen: Die rundlichen Silhouetten der früheren EQ-Elektromodelle sind Geschichte, stattdessen tragen Stromer und Verbrenner wieder eine einheitliche Optik mit Sternlogo, Lorbeerkranz und Wabengrill.
Chinas Markt bleibt eine harte Nuss für den CLA
Weniger erfreulich entwickeln sich die Verkäufe in China. Zwischen Oktober und Ende Januar registrierte der Dienstleister Marklines dort lediglich rund 1600 CLA-Zulassungen auf Basis von Versicherungsregistrierungen. Im Januar sank die monatliche Zahl sogar auf 220 Einheiten – wobei der chinesische Automarkt insgesamt schwächelte, nachdem Förderungen für Stromer gestrichen worden waren.
„Das Fahrzeug trifft in China auf Konkurrenten, die ähnlich gute Fahrzeuge bauen, aber günstiger produzieren und verkaufen können“, sagt Bratzel. Mercedes-China-Vorstand Oliver Thöne räumte ein, dass der CLA in China „noch ein bisschen mehr als Nischenprodukt positioniert“ sei als in Deutschland. Chinesische Kund:innen griffen verstärkt zu größeren Autos statt zu kompakten Limousinen.
Über den Erfolg in China dürften andere Modelle entscheiden. Die vollelektrische E-Klasse soll kommendes Jahr auf den Markt kommen, der im September auf der IAA vorgestellte GLC wird seit Mitte März ausgeliefert. Vertriebschef Geisen berichtet, viele Kund:innen entschieden sich bereits vor der ersten Probefahrt für den GLC – „der stärkste Vertrauensbeweis in unsere Marke“. Auch hier laufe die Produktion im Dreischichtbetrieb mit zusätzlichen Samstagsschichten.
Mehr als 40 neue Modelle bis 2027
Insgesamt umfasst die Modelloffensive mehr als 40 neue und überarbeitete Modelle bis 2027. Die Offensive ist auch eine Reaktion auf die bisherige Elektro-Bilanz des Konzerns. 2025 war nur jeder zehnte Mercedes-Neuwagen ein reiner Stromer – deutlich hinter früheren Ambitionen, die gesamte Flotte bis Ende der Dekade zu elektrifizieren. Nun peilt Källenius einen Anteil von 40 Prozent Elektro- und Hybridfahrzeugen an Neuverkäufen an. Aktuell liegt dieser Wert bei knapp 19 Prozent. „Die Modelle müssen funktionieren, es gibt keine Ausreden mehr“, fasst Experte Bratzel die Lage zusammen.
Quelle: Handelsblatt – „Gibt keine Ausreden mehr“ – So verkaufen sich die neuen Modelle








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