Speditionen im Fernverkehr kennen das Problem seit dem Umstieg auf Elektroantriebe: Lange Ladezeiten fressen die gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten des Fahrpersonals auf und begrenzen dadurch die Tagesreichweite. MAN Truck & Bus tritt diesem Engpass nun mit einer neuen Ladetechnologie entgegen. Der erste serienmäßig produzierte eTruck mit Megawatt Charging System (MCS) hat das Band verlassen, MAN ist damit der erste Hersteller in Europa, der diese nutzfahrzeugspezifische Technologie in die Praxis überführt.
Der Unterschied zur bisherigen CCS-Ladetechnik zeigt sich vor allem in der Ladeleistung. Statt bis zu 375 Kilowatt bei CCS erreichen die Elektro-Lkw mit MCS nun bis zu 750 Kilowatt, bei Stromstärken von bis zu 1000 Ampere und einer Spannung von bis zu 750 Volt. Für Fuhrunternehmen bedeutet das: Ein MAN eTGX oder eTGS mit sechs Batterien und 534 Kilowattstunden Gesamtkapazität lädt in weniger als 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent Ladezustand. Chassis-Fahrzeuge mit sieben Batterien und 623 Kilowattstunden benötigen für denselben Ladehub weniger als 40 Minuten.
Tagesreichweite von Diesel-Lkw wird erreichbar
Diese Zeitfenster lassen sich direkt mit den Pausenzeiten des Fahrpersonals kombinieren, sodass Ladevorgänge den Betriebsablauf nicht zusätzlich verzögern. In der Konsequenz sind mit Einzelreichweiten von bis zu 570 Kilometern zwischen den Ladestopps Tagesreichweiten von über 1000 Kilometern möglich, und zwar in derselben Arbeitszeit, die ein Diesel-Sattelzug benötigt. Für Speditionen ergeben sich daraus kürzere Standzeiten, eine bessere Fahrzeugauslastung und mehr Flexibilität im operativen Einsatz.
Die neue Ladetechnik entfaltet ihren Nutzen allerdings nur im Zusammenspiel mit passender Infrastruktur. Genau hier setzt MAN einen weiteren Schwerpunkt: Der Hersteller arbeitet eng mit Anbietern von Ladeinfrastruktur zusammen, um den Hochlauf der Technologie abzusichern. Roman Sitte, Head of Sales Area Europe bei MAN Truck & Bus, beschreibt die aktuelle Marktphase als Übergangszeit: „Das MCS-Ökosystem befindet sich in einer wichtigen Phase der Markteinführung. Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und IT-Backend-Systeme entwickeln sich dabei Hand in Hand und mit hoher Dynamik weiter.“ Mit den ersten MCS-Fahrzeugen wolle MAN aktiv dazu beitragen, den neuen Ladestandard in Europa zu etablieren.

Praktisch zeigt sich das auch an der Ladeanschluss-Position der eTrucks eTGX und eTGS. Neben der MCS-Ladeposition vorne links stehen optional weitere CCS-Anschlüsse vorne rechts sowie, bei Chassis-Fahrzeugen, hinten links und rechts zur Verfügung. Diese Verteilung erleichtert die Nutzung öffentlicher und privater Ladepunkte an unterschiedlichen Standorten. Ergänzend bindet MAN Transport Solutions im Rahmen der 360°-eMobility-Beratung bereits heute verfügbare und geplante MCS-Ladepunkte in die Einsatzplanung für den Fernverkehr ein. Über MAN Charge&Go können Kund:innen zudem europaweit an geprüften MCS- und CCS-Ladepunkten laden.
Ausgeliefert werden die ersten MCS-fähigen Fahrzeuge schrittweise an Kund:innen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Tschechien.
Quelle: MAN – Pressemitteilung









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