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Wer im August 2026 durch Berlin läuft, spürt die Stadt anders als im Süden. Während in der Heimat 35 Grad und drückende Hitze das Draußenleben schwer machen, hält sich die Hauptstadt bei angenehmen 30 Grad – warm genug, um zu Fuß statt mit der U-Bahn unterwegs zu sein, kühl genug, um es tatsächlich zu wollen. Anlass unserer Reise in die Hauptstadt waren zwei feste Termine: der Besuch der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide sowie ein Termin bei Octopus Energy in der Berliner Niederlassung. Dazu einige lose Treffen mit Kolleg:innen aus der Branche und Gesprächspartnern, die bereits in unserem Podcast zu Gast waren.
Zwischen den Terminen brauchte es eine Unterkunft. Die Wahl fiel, wie schon bei unserer Kopenhagen-Reise im April, auf ein Haus der dänischen Guldsmeden-Gruppe: Lulu Guldsmeden an der Potsdamer Straße 67, zwischen Tiergarten und Schöneberg gelegen, seit 2018 der Berliner Standort der Gruppe. Von Montag bis Freitag verbrachten wir dort vier Nächte – lang genug, um über den ersten Eindruck hinauszukommen.
Lulu Guldsmeden: Wo dänisches Design auf deutsche Großstadt trifft
Wer wie wir die Guldsmeden-Häuser in Kopenhagen kennt, betritt das Lulu mit klaren Erwartungen. Und findet sie im Zimmer zunächst bestätigt. Das 81-Zimmer-Haus arbeitet seit 2018 nach denselben Grundprinzipien wie die dänischen Schwesterhäuser. Wir waren in einer Comfy-Plus-Kategorie untergebracht, mit Blick zum Innenhof – ein Zimmer im dänischen Stil: gemütlich, aufgeräumt, minimalistisch, mit den warmen Materialien und der zurückgenommenen Farbwelt, die die Gruppe konsistent über ihre Häuser hinweg pflegt.

Das Zimmer lag ruhig, die Geräuschkulisse der Potsdamer Straße blieb außen vor. Warme Naturmaterialien mit dem gewissen Etwas, vieles davon war aus Manon Les Suites und Bryggen Guldsmeden vertraut, war auch hier vorzufinden.
Ein Detail fehlte allerdings: die Trust-Me-Bar auf jeder Etage. Im Bryggen Guldsmeden hatten wir sie als bemerkenswerte Geste erlebt – eine kleine „Bar“ mit Kaffee, Tee, kühlen Getränken sowie Popcorn und Süßigkeiten. Man konnte sich einfach bedienen, aufschreiben, was man hatte, und am Ende des Aufenthalts bezahlen. Das Lulu Guldsmeden hat sich an einer ähnlichen Lösung versucht, kam aber an das dänische Vorbild nicht heran. Was auch sicher am fehlenden Platz im Flur lag. Ein Detail, das jemand, der die Kopenhagener Häuser nicht kennt, gar nicht vermissen würde – das aber zeigt, wie stark die Marke von den Ideen ihrer Heimatbasis lebt.




Das Personal blieb dagegen konsistent auf dem hohen Niveau, das wir aus Dänemark kannten: freundlich, hilfsbereit, auch mit spontanen Restaurantempfehlungen zur Mittagszeit für die Gegend. Eine dieser Empfehlungen führte uns ins vietnamesische Cay Tre Quan, das für den Mittagstisch ein sehr faires Preis-Leistungs-Verhältnis bietet und entsprechend regelmäßig gut besucht ist. Ein guter Tipp in einer Nachbarschaft, die ansonsten mit stark schwankender Gastronomie-Qualität arbeitet, wie man uns zu verstehen gab.
Im hauseigenen Restaurant Lu Liba, das eine mediterran-libanesische Küche zu 100 Prozent aus biologischen Zutaten anbietet, waren wir zu den Frühstückszeiten – bei uns war das Frühstück im Zimmerpreis enthalten. Wer es einzeln bucht, zahlt aktuell 24 Euro pro Person, also fast 50 Euro zu zweit. Zu diesem Preis gerät die Wahl zwischen hausinternem Frühstück und einem der zahlreichen Cafés in Fußweite in eine berechtigte Konkurrenzsituation.


Nicht, weil das Angebot nicht funktioniert. Frische Säfte in vielfältiger Auswahl sind inbegriffen, die Auswahl an Broten, Aufstrichen und warmen Optionen ist solide, die Bio-Qualität ausgewiesen – das Restaurant trägt ein BIO-Zertifikat für einen Anteil von 90 bis 100 Prozent biologischer Zutaten.
Aber Kleinigkeiten machen den Unterschied. Wie zum Beispiel, dass Kaffeegetränke nur in Form von schwarzem Kaffee im Preis enthalten sind. Cappuccino, Latte Macchiato und andere Spezialitäten werden separat berechnet, ein Detail, das bei rund 24 Euro Grundpreis pro Person auffällt. Wer täglich außer Haus isst, kommt in Berlin-Mitte auf ähnliche Kosten mit höherer Abwechslung. Teilweise darunter, je nachdem, wie viel man eben verzehrt.
Was die Hotelgruppe Guldsmeden in Berlin bislang leistet
Interessant wird Lulu Guldsmeden, wenn man den Blick über das Zimmer hinaus richtet. Die Kopenhagener Häuser der Gruppe stehen für eine der differenziertesten Nachhaltigkeitsberichterstattungen der Branche, mit ausgewiesenen CO2-Emissionen pro Übernachtung pro Hotel, Klappir als Datenplattform, Green Globe und Green Key als externen Zertifizierungen. Vor Ort zeigt sich das in Orbital-Duschen, die Wasser im geschlossenen Kreislauf führen, in Trust-Me-Bars, in einem Bio-Anteil von rund 99 Prozent in den dänischen Restaurants.



Für Berlin fehlen diese Daten noch. Auf direkte Nachfrage bestätigte das Guldsmeden Sustainability-Team, dass das Lulu Guldsmeden derzeit nicht Teil des ESG-Reportings ist. Der Datenerfassungsprozess in Berlin unterscheide sich von den Kopenhagener Häusern, aktuell arbeite man an der Automatisierung dieses Prozesses und stelle sicher, dass die Daten belastbar seien. Sobald das etabliert sei, könne Lulu in das CO2-Reporting aufgenommen werden. Ein konkreter Berichtszeitraum lässt sich derzeit noch nicht nennen.

Was in Berlin bereits umgesetzt ist: Lulu Guldsmeden bezieht ebenfalls Grünstrom, analog zum langjährigen Vertrag der Gruppe mit NRGi in Kopenhagen. Und das Haus trägt die Green-Globe-Zertifizierung, dieselbe umfassende Auditierung, die auch für die dänischen Häuser gilt. Green Globe verlangt alle zwei Jahre ein zweitägiges Vor-Ort-Audit, ergänzt durch jährliche Desktop-Prüfungen in den Zwischenjahren.

Nicht komplett umgesetzt ist bislang die Orbital-Systems-Duschtechnologie, die im Bryggen Guldsmeden alle 211 Zimmer ausstattet und dort laut ESG-Bericht der Gruppe 60 bis 90 Prozent des Wasserverbrauchs pro Duschgang einspart. Auch hier folgt die Gruppe einem konsistenten Prinzip: Man ersetze grundsätzlich keine Ausstattung, die noch funktioniere. Erst wenn eine bestehende Dusche das Ende ihres Lebenszyklus erreicht habe oder ausfalle, werde sie durch eine Orbital-Systems-Dusche ersetzt, so das Sustainability-Team.
Ein sukzessiver Rollout, der Ressourcenverschwendung bei der Umrüstung vermeidet, aber bedeutet, dass Lulu Guldsmeden vorerst mit konventioneller Sanitärtechnik arbeitet. Welche natürlich dennoch funktioniert, ohne Einschränkung, nur eben nicht ganz so sparsam wie das dänische Pendant.
Ein Standort im Aufbau, kein Standort im Rückstand
Wer den Kopenhagen-Artikel aus dem April 2026 gelesen hat, wird an Lulu Guldsmeden bemerken: Die Marke funktioniert, aber die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die die Gruppe in Dänemark so bemerkenswert macht, hat Berlin noch nicht erreicht. Das ist weniger ein Vorwurf als eine ehrliche Zwischenstandsmeldung.

Wer bewusst reist und Wert auf nachhaltige Unterkünfte legt, findet in Lulu Guldsmeden ein Haus, das mit klaren Werten arbeitet und diese im Alltag umsetzt, auch wenn die Zahlen dazu noch nicht öffentlich vorliegen. Wer auf detaillierte Klimabilanzen und dokumentierte Verbrauchsdaten schaut, muss sich noch etwas gedulden. Beides ist legitim. Und beides passt zu einer Gruppe, die Nachhaltigkeit nicht als Marketing-Kampagne, sondern als sich entwickelnde Betriebsroutine versteht.
Was in Berlin wie in Kopenhagen sichtbar wird, ist ein Verständnis von Nachhaltigkeit, das ohne Inszenierung auskommt, mit auditierten Zertifikaten, mit Grünstromverträgen, mit Details im Alltag. Nicht alles ist perfekt, in beiden Städten nicht. Aber die Bereitschaft, offen zu benennen, was noch nicht belastbar ist, gehört zum gleichen Prinzip wie die offen ausgewiesene CO2-Spreizung zwischen den dänischen Häusern.


In Berlin sitzt Lulu Guldsmeden an einer Straße, die zwischen historischen Fassaden und moderner Umnutzung ihre eigene Balance sucht. Das Haus tut das auf seine Weise ebenfalls, zwischen dänischem Konzept und deutschem Datenrahmen, zwischen etablierten Standards und noch nicht vollständig übertragener Systematik. Für einen Berlin-Aufenthalt mit klarem Nachhaltigkeitsanspruch bleibt es damit eine solide Wahl, auch wenn der Vergleich mit den Kopenhagener Schwesterhäusern zeigt, wo die Gruppe künftig noch nachlegen wird.
Quelle: Elektroauto-News – Recherche vor Ort im August 2026 / Guldsmeden Hotels – ESG Report 2024/2025 / Guldsmeden Hotels – Sustainable Management Plan 2024 / Klappir – Sustainability Management Platform / Green Globe – Certification for Sustainable Tourism









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