Finnischer Wunder-Akku: Donut-Lab ringt um Glaubwürdigkeit

Finnischer Wunder-Akku: Donut-Lab ringt um Glaubwürdigkeit
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Donut Lab

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Nachdem das finnische Start-up Donut Lab Anfang des Jahres auf der CES in Las Vegas eine angeblich serienreife Feststoffbatterie präsentierte, war die elektrische Welt kurz euphorisch, doch schnell machte sich Skepsis breit. Dies lag nicht nur an den spektakulären Leistungswerten, sondern weil fundamentale Zweifel am Wahrheitsgehalt der Behauptungen laut wurden. Jetzt hat Donut Lab erste unabhängige Daten zum Wunder-Akku veröffentlicht – doch die skeptische Grundstimmung bleibt.

Die Batterie soll in fünf Minuten komplett geladen sein, eine Energie­dichte von 400 Wh/kg erreichen und dabei mehr als 100.000 Ladezyklen durchhalten – was alles nicht nur sehr viel besser, sondern auch deutlich günstiger als heutige Lithium-Ionen-Akkus wäre. Die Kombination dieser Werte lässt Fachleute jedoch aufhorchen, denn bislang musste die Batterieindustrie bei höheren Ladeleistungen und Energiedichten stets Kompromisse bei Lebensdauer oder Temperaturtoleranz eingehen. Kritiker wie der Chef des chinesischen Zellherstellers Svolt gehen noch weiter und sprechen offen von einem „Betrug“, weil sich die Parameter physikalisch nicht vereinbaren ließen.

Um der Kritik zu begegnen, beauftragte Donut Lab das renommierte VTT Technical Research Centre of Finland mit einer unabhängigen Prüfung und legte nun den Customer Report VTT-CR-00092-26 vor. Darüber berichten die Kollegen von Electrive. Der Bericht konzentriert sich allerdings zunächst auf die Ladeleistung einer einzelnen Zelle – nicht auf die vollständigen ultimativen Leistungsversprechen.

Schnelles Laden klappt im Labor

Der VTT-Report bestätigt, dass eine 26 Ah-Zelle bei 5C bis 11C geladen werden kann – was bedeutet, dass sie bei maximaler Stromstärke von 286 A innerhalb von wenigen Minuten 80 Prozent des Ladezustands erreichen kann. In den Tests wurden zwei Szenarien simuliert: Mit effektiver Wärmeabfuhr (zwei passive Kühlkörper) und mit eingeschränkter Kühlung. In beiden Fällen war das Laden dem Bericht zufolge erfolgreich möglich und die volle Kapazität der Zelle nach dem Ladezyklus nachweisbar.

Doch entscheidend ist: Der Report belegt nur die Ladeleistung unter Laborbedingungen. Aussagen zur tatsächlichen Energiedichte, zum Temperaturverhalten über den gesamten Betriebsbereich oder zur Lebensdauer über 100.000 Zyklen fehlen – ebenso wie ein chemischer Nachweis, dass es sich wirklich um eine neue Feststofftechnologie handelt.

Die veröffentlichten Daten zeigen, dass Donut Labs Zelle durchaus sehr schnell geladen werden kann – eine Eigenschaft, die in der Branche hoch gelobt wird. Doch diese Leistung alleine macht noch keinen erhofften Wunder-Akku für die Serienproduktion. Diverse Beobachter weisen darauf hin, dass eine solche Schnellladung unter kontrollierten Bedingungen auch mit konventionellen Lithium-Ionen-Zellen mit speziellen Thermomanagementlösungen erreicht werden kann. Fachleute bemängeln indes, dass Aussagen zu Energiedichte, thermischer Stabilität und extremen Zyklenzahlen weiterhin nicht unabhängig verifiziert sind und dass der Verzicht auf eine vollständige Prüfung wesentlicher Parameter die Glaubwürdigkeit der Donut-Lab-Behauptungen schwächt.

Kampagne „I Donut Believe“ startet

Donut Lab selbst reagiert auf die Kritik mit einer Transparenzkampagne namens „I Donut Believe“: In wöchentlichen Veröffentlichungen sollen weitere unabhängige Daten folgen, um die eigenen Performance-Claims zu belegen. Dass diese Reihe überhaupt notwendig ist, zeigt, wie sehr das Unternehmen um Vertrauen ringen muss – selbst nachdem ein angesehenes Forschungsinstitut zumindest Teilaspekte der Batterieleistung bestätigt hat.

Die aktuellen Zahlen sind spannend und verdienen Beachtung. Der VTT-Test zeigt ein solides Hochgeschwindigkeits-Ladeverhalten, doch das allein reicht nicht aus, um die revolutionären Versprechen eines ultraschnellen, langlebigen und hochdichten Feststoffakkus zu untermauern. Statt eines Durchbruchs gibt es einen ersten validierten Datenpunkt in einem langen Validierungsprozess. Bis echte Fahrzeug-Batteriepacks mit diesen Eigenschaften regelmäßig produziert und im Alltag getestet werden, bleibt Donut Labs Feststoffvision eine Mischung aus Hoffnung und Pioniergeist – begleitet von bislang absolut berechtigter Skepsis.

Quelle: Electrive – Donut Lab präsentiert erste Daten zu umstrittener Feststoffbatterie;

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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