26.900 Euro für ein vollwertiges Elektroauto. Kein Kleinwagen, keine geringe Reichweite und auch kein müdes Ladetempo – das ist der neue Leapmotor B05. Und dieser elektrische China-Golf dürfte nicht nur die Kompaktklasse in den kommenden Monaten mächtig aufmischen. Doch es geht nicht allein um Technik und auch nicht allein um den verlockenden Preis, denn der Leapmotor B05 hat ein echtes Pfund, mit dem er im harten Wettbewerbsumfeld punkten kann – er sieht einfach gut aus.
Mit einer Länge von 4,43 Metern ist der Schrägheck-Fünftürer der Kompaktklasse an sich schon leicht entwachsen, doch das dürfte auch wegen der gefälligen Proportionen kaum einen Interessenten stören. Die meisten werden sich wohl auch für die Promax-Versionen mit dem größeren 67-kWh-Akkupaket entscheiden und dann kostet der Leapmotor B05 29.400 Euro.
B05: Leapmotors Angriff auf den VW Golf
Immer noch günstig und das mit einer Ausstattung, die sich nicht individualisieren lässt. Fünf Farben stehen zur Auswahl und wenn der geneigte Kunde etwas vermisst, dann ist es wohl eine Sitzheizung im Fond und mehr Verstellmöglichkeiten für die an ansonsten bequemen Frontsitze, deren Kunstlederbezug sich etwas wertiger anfühlen könnte. Für den günstigen Preis ist darüber hinwegzusehen, dass ein Head-Up-Display fehlt, die Anzeigen in der 8,8-Zoll-Instrumenteneinheit sehr klein sind und die schalterlose Bedienung auf dem 14,6-Zoll-Display recht unübersichtlich ist. Besonders nervig, wenn es darum geht, die nervösen Warntöne auf ein erträgliches Maß zurückzustutzen.

Dafür ist das Platzangebot vorne wie hinten durch den Radstand von 2,74 Metern üppig, und problemlos können so auch zwei groß gewachsene Personen im Fond Platz nehmen. Der Laderaum fasst 345 Liter und lässt sich mit einer umlegbaren Rückbank auf bis zu 1400 Liter erweitern. Das ist stattlich. Was für viele noch wichtiger sein dürfte: der Leapmotor B05 verbreitet im Innenraum eine echte Wohlfühlatmosphäre mit puristischem Design, unterschäumten Oberflächen und leider ein paar zu wenigen Schaltern, denn die Bedienung erfolgt ausschließlich über den zentralen Bildschirm, Sprache oder das etwas zu wulstige Lenkrad. Für Sonne sorgt das große Panoramadach.
Der Antrieb sollte die meisten Kunden zufriedenstellen, denn an der Hinterachse arbeitet ein im eigenen Hause entwickelter Elektromotor mit 160 kW / 218 PS und einem maximalen Drehmoment von recht überschaubaren 240 Nm. Doch der B05 will kein Sportler sein und so ist für viele wohl auch die Höchstgeschwindigkeit von gerade einmal 170 km/h verzeihlich – auch weil der Schub aus den meisten Geschwindigkeiten groß genug ist und der Fahrer die Lenkung ohne jegliche Antriebskräfte genießt.

Das größere Batteriepaket des Leapmotor mit 67 kWh soll in Verbindung mit dem sparsamen Verbrauch von 15,9 kWh / 100 eine Normreichweite von 480 Kilometern ermöglichen. Beim Nachtanken ist der Elektro-B05 kein echter Turbobooster, doch bis zu 168 kW Ladegeschwindigkeit sollten die meisten Kunden zufriedenstellen, während an der normalen Ladesäule bei 11 kW Schluss ist. Um den Akku von 10 auf 80 Prozent erstarken zu lassen, vergehen 24 Minuten.
Was der Leapmotor B05 wirklich kann
Im Gegensatz zur Chinaversion wurde bei der Fahrwerksabstimmung im Entwicklungszentrum in Turin umfangreich nachgearbeitet und so ist der europäische Leapmotor B05 spürbar straffer und direkter abgestimmt. Die Unaufgeregtheit des Antriebs findet sich auch im Fahrverhalten wieder und der Hecktriebler unterstreicht, dass er seine Insassen ungeachtet von Fahrprogrammen betont komfortabel befördern will.

Trotz des schweren Batteriepakets im Unterboden wankt die Karosserie in schnellen Landstraßenkurven und die Lenkung könnte dem Fahrer eine bessere Rückmeldung von der Fahrbahn bieten. Doch Fahrer wie Insassen wirken entkoppelter als bei vielen europäischen Wettbewerbern. Dabei lassen sich die Bremsen sehr gut dosieren und das geringe Geräuschniveau auch bei höheren Tempi ist ein echter Pluspunkt. Nicht der einzige, der den Leapmotor B05 zu einem echten Kauftipp werden lässt.









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