So viel kostet privates Autofahren die Welt wirklich

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Arun Niemann
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Der private Autoverkehr nimmt global immer weiter zu. Vor allem die immense Nachfrage nach Pkw in Entwicklungs- und Schwellenländern treibt die Zahlen in die Höhe. Dabei geht mit dem Autofahren nicht nur ein immenser CO₂‑Ausstoß einher, sondern es verursacht jährlich auch Kosten in Billionenhöhe. Eine neue internationale Studie hat diese Zahl nun konkret zu quantifizieren versucht und ist zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

Wer zahlt die Billionen für die private Autonutzung?

Besagte Studie wurde von der Mobilitätsforscherin Nadja Schweiggart, dem Klimawissenschaftler Stefan Gössling, dem Epidemiologen Mark Nieuwenhuijsen sowie dem Weltklimarat-Autor Felix Creutzig verfasst und in der Fachzeitschrift „Transportation Research Part D“ veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich die Gesamtkosten für den privaten Autoverkehr pro Jahr auf 9,3 Billionen US-Dollar belaufen, was etwa 8,3 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung entspricht.

Besonders interessant ist, dass die Fahrer selbst nur rund 2,1 Billionen US-Dollar der Kosten tragen, welche sich aus Kaufpreis, Sprit, Wartung und Versicherung der Autos zusammensetzen. Den Löwenanteil von 7,2 Billionen US-Dollar muss die Gesellschaft tragen. Er setzt sich aus den direkten und indirekten Folgen des Autoverkehrs wie Unfällen, Luftverschmutzung, Lärm, Klimaschäden, Flächenverbrauch und Infrastrukturkosten zusammen.

Den mit Abstand größten Einzelposten machen dabei durch das Autofahren verursachte Unfälle mit 50 bis 55 Prozent aller Sozialkosten aus. Der Studie zufolge sterben jährlich rund 1,3 Millionen Menschen im Straßenverkehr und 20 bis 50 Millionen Menschen werden in Verkehrsunfällen verletzt. Der in der Studie ermittelte Anteil gesellschaftlicher Kosten liegt dabei mit 77 Prozent deutlich höher als die 30 bis 40 Prozent, die frühere vergleichbare Studien ermittelt hatten.

Dies wird von den Autoren konkret damit begründet, dass die Bewertungsmaßstäbe für Menschenleben und CO₂‑Schäden bewusst höher angesetzt wurden. Die Kernzahl ist dementsprechend stark davon abhängig, welchen Wert man einem Menschenleben oder einer Tonne CO₂ zuschreibt.

Das Alternativszenario: Autonome E-Fahrzeuge statt Privatbesitz

Als einen Vergleich zieht die Studie ein bewusst extremes und explizit als unrealistisch gekennzeichnetes Szenario heran. In diesem fiktiven Alternativszenario gibt es eine weltweite Flotte vollelektrischer, autonomer Fahrzeuge, welche ausschließlich in Abo- oder Pay-per-Use-Modellen genutzt werden, wodurch der Privatbesitz von Autos ausgeschlossen wird.

In einer solchen Welt könnten die gesellschaftlichen Kosten stark verringert werden. Sie würden sich laut Studie nur noch auf rund 2,4 Billionen US-Dollar pro Jahr belaufen und auch private Kosten könnten auf etwa 1,3 Billionen US-Dollar gedrückt werden. Dabei würden die USA und China jeweils mehr als 1 Billion US-Dollar jährlich einsparen und auch größere europäische Volkswirtschaften wie Deutschland kämen jährlich auf 202 bis 280 Milliarden US-Dollar an Einsparungen.

Wichtig einzuordnen ist hier, dass das Szenario drei ganz unterschiedliche Veränderungen bündelt: Elektrifizierung, Automatisierung und den Wechsel zu geteilter Nutzung. Der reine Umstieg auf privat genutzte E-Autos könnte bei weitem nicht die gleichen Einsparungen erzielen. Schließlich wirkt jeder Faktor auf andere Kostenarten. Durch Automatisierung könnten etwa vor allem Unfallkosten gesenkt werden, während geteilte Nutzung vor allem die Ausgaben für Parkraum- und Fahrleistungen verringert.

Die Studie geht zudem davon aus, dass Unfälle durch autonome Fahrzeuge um 61 bis 90 Prozent gesenkt werden würden. Schließlich sei menschliches Versagen in über 90 Prozent der Fälle Ursache für Unfälle. Trotzdem rechnet die Studie noch konservativ mit einer Reduktion der Unfallkosten auf 40 Prozent des aktuellen Niveaus.

Das Szenario bleibt reine Theorie

Dabei betonen die Autoren der Studie, dass es sich hierbei lediglich um eine Modellrechnung und keinesfalls um eine realistische Prognose handelt. Voraussetzungen für ein solches Szenario wären unter anderem ein deutlich ausgebauter ÖPNV, Reformen in der Parkraumpolitik und vor allem der schrittweise Wechsel auf abrufbare oder geteilte Fahrzeuge. Nicht eingerechnet sind derweil die mit solchen Umstellungen verbundenen zusätzlichen digitalen Infrastrukturkosten, Rückwirkungen auf die Strommärkte und Gewinnmargen kommerzieller Mobilitätsanbieter.

Trotz ihrer Limitationen liefert die Studie erstmals eine globale Gesamtrechnung, die verdeutlicht, in welchem Ausmaß die Gesellschaft durch den klassischen privaten Autoverkehr belastet wird. Dabei ist besonders erstaunlich, dass der größte Anteil möglicher Einsparungen im fiktiven Szenario nicht durch den Umstieg auf E-Mobilität, sondern durch Automatisierung und geteilte Nutzungsmodelle zustande kommt.

Quellen: Spiegel – Hohe Umwelt- und Gesundheitskosten durch Verbrenner / Transportation Research Part D – The global cost of automobility

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Arun Niemann

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Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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