Kia bringt bis 2030 über 25 neue E-Modelle

Kia bringt bis 2030 über 25 neue E-Modelle
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Sebastian Henßler
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Kia hat seine mittelfristige Strategie überarbeitet und setzt dabei verstärkt auf Elektromobilität, neue Nutzfahrzeugkonzepte und den Einstieg ins Pick-up-Segment. Europa nimmt dabei eine zentrale Rolle ein: Kompakte Stromer, spezielle Modelle für den Kontinent und Investitionen in Ladeinfrastruktur sollen den Marktanteil ausbauen, wie das Unternehmen bei seinem Investor Day 2025 mitteilte. Bis 2030 plant Kia weltweit 4,19 Millionen Autos pro Jahr zu verkaufen. Rund 2,33 Millionen davon sollen elektrifiziert sein – darunter reine Elektroautos und Hybride. In Europa will Kia 774.000 Einheiten jährlich absetzen. Der Anteil elektrifizierter Modelle soll hier auf 86 Prozent steigen.

Um diese Ziele zu erreichen, möchte Kia in Europa gezielt kleinere E-Modelle anbieten. Dazu gehören der EV3, EV4, EV5 und künftig auch der besonders kompakte EV2.  Diese Autos werden regional produziert, um Lieferketten zu verkürzen und Transportkosten zu reduzieren. Europa wird dabei als Zentrum für kompakte Elektro-SUVs und Schrägheckmodelle aufgebaut.

Im Nutzfahrzeugbereich setzt Kia auf sogenannte Purpose Built Vehicles (PBVs). Der erste Vertreter dieser neuen Kategorie, der PV5, soll noch 2025 vom Band rollen. Weitere Varianten – der PV7 und PV9 – folgen in zwei- bzw. vierjährigem Abstand. Diese elektrischen Nutzautos lassen sich flexibel umbauen, etwa zum Lieferwagen, Camper oder Kühltransporter. In Europa erwartet Kia eine starke Nachfrage aus dem städtischen Lieferverkehr und dem Handwerk.

Insgesamt sollen 250.000 PBVs pro Jahr verkauft werden – auch durch maßgeschneiderte Angebote für Geschäftskunden. In Europa entstehen spezielle Vertriebskanäle und Business-Lounges bei ausgewählten Händlern. Gleichzeitig baut Kia eine eigene Online-Plattform für den Direktvertrieb und die Umrüstungsplanung auf.

Neue Plattformen, Investitionen und Technikoffensive

Ein weiteres Wachstumsfeld sieht Kia im Pick-up-Segment. Der erste eigene Pick-up der Marke, genannt Tasman, wird ab diesem Jahr in Korea und Australien eingeführt. Für den europäischen Markt ist zunächst keine Einführung geplant. Anders sieht es in Nordamerika aus: Dort wird ein spezieller E-Pick-up mit Fokus auf städtische und geländetaugliche Nutzung entwickelt. Das Ziel sind bis zu 90.000 verkaufte Einheiten jährlich.

Finanziell unterfüttert Kia diese Strategie mit hohen Investitionen. Bis 2029 sollen rund 42 Billionen koreanische Won in neue Technologien, Werke und Produkte fließen – umgerechnet etwa 28,5 Milliarden Euro. Davon sind 19 Billionen Won, also rund 12,9 Milliarden Euro, für Zukunftsthemen reserviert. Dazu zählen Elektrifizierung, softwaredefinierte Autos, Robotik und Luftmobilität.

Softwaredefinierte Fahrzeuge (SDVs) bilden ein zentrales Element dieser Zukunftsstrategie. Diese Autos erhalten regelmäßig neue Funktionen über kabellose Updates, lassen sich stärker personalisieren und sollen später auch autonom fahren. Erste SDV-Modelle kündigt Kia für 2026 an. Ab 2027 sollen erste Serienmodelle mit autonomem Fahrmodus auf Stufe 2+ auf den Markt kommen. In Europa will Kia dafür sein Connected-Car-Angebot ausbauen. Aktuell ist es in 34 Ländern aktiv, bis 2026 sollen es über 70 sein. Die Systeme erlauben Fernwartung, Fehlerdiagnosen und individualisierte Steuerung.

Auch bei den Antrieben geht Kia neue Wege. Neben klassischen Hybriden bringt das Unternehmen sogenannte EREVs auf den Markt – Elektroautos mit zusätzlichem Range-Extender für längere Strecken. Diese Technik soll besonders für Märkte mit unzureichender Ladeinfrastruktur eine Brücke schlagen. Zusätzlich arbeitet Kia an verbesserten Batterien mit höherer Energiedichte, besonders guter Leistung bei Kälte und schneller Ladefähigkeit. In Kombination mit neuer Leistungselektronik sollen Sicherheit und Lebensdauer steigen.

Ehrgeizige wirtschaftliche Ziele für die kommenden Jahre

Die wirtschaftlichen Ziele sind ehrgeizig: Für das Jahr 2025 plant Kia mit einem Umsatz von über 112 Billionen koreanischen Won – umgerechnet rund 76 Milliarden Euro. Das wäre ein Anstieg von etwa fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die operative Marge soll bei elf Prozent liegen. Bis zum Ende des Jahrzehnts will Kia den Jahresumsatz auf 170 Billionen Won steigern – also etwa 115 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn soll dann 18 Billionen Won erreichen, was rund 12,2 Milliarden Euro entspricht.

Ein Teil dieser Summe soll durch den Verkauf von fünf neuen Modellen im Jahr 2025 sowie mehreren Derivaten erzielt werden. Der EV4 wird dabei als wichtiges Volumenmodell gesehen. Auch der Start des PV5 soll die Entwicklung im europäischen Markt befeuern. Langfristig plant Kia eine Eigenkapitalrendite (ROE) von über 15 Prozent und eine Gesamtaktionärsrendite von 35 Prozent im Zeitraum 2025 bis 2027. Zur Umsetzung dieser Ziele gehören Dividenden, Aktienrückkäufe und die Einziehung eigener Anteile. Kia will damit nicht nur seine Marktposition stärken, sondern auch zeigen, dass eine Transformation hin zu neuer Mobilität wirtschaftlich tragfähig und investitionswürdig sein kann.

Quelle: Kia – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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