Der chinesische Automobilhersteller Hongqi hat zum Jahresende 2025 einen Schritt gemeldet, der in der internationalen Batterieforschung aufmerksam verfolgt wird. Erstmals wurde ein Prototyp des Modells Tiangong 06 mit einem vollständig feststoffbasierten Batteriesystem ausgerüstet. Nach Angaben der Marke, die zur FAW Group gehört, markiert dieser Einbau den Übergang von der reinen Labor- und Zellforschung hin zu Erprobungen im Gesamtfahrzeug.
Am 31. Dezember wurde das neu entwickelte Batteriepaket am Forschungs- und Entwicklungsstandort von Hongqi installiert. Damit beginne eine Phase, in der nicht mehr einzelne Zellen oder Module im Fokus stehen, sondern das Zusammenspiel von Batterie, Struktur und Fahrzeugarchitektur unter realen Bedingungen getestet werde. Konkrete Angaben zur Energiedichte oder zur möglichen Reichweite des Prototyps machte das Unternehmen nicht.
In der Branche gelten Feststoffbatterien seit Jahren als möglicher nächster Technologiesprung für Elektroautos. Sie ersetzen den flüssigen Elektrolyten herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien durch feste Materialien und versprechen dadurch höhere Energiedichten sowie zusätzliche Sicherheitsreserven. Gleichzeitig ist der Weg dorthin von erheblichen wissenschaftlichen und technischen Hürden geprägt. Hongqi verweist selbst auf Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Materialentwicklung über die Zellchemie bis hin zu Fertigungsprozessen und der Integration in das Auto.
470 Tage Entwicklungsarbeit an zentralen Batterietechnologien
Nach eigenen Angaben arbeitete ein spezialisiertes Team 470 Tage lang intensiv an zentralen Fragestellungen. Dabei seien Fortschritte bei sulfidhaltigen Elektrolyten erzielt worden, ebenso bei der Leistungsfähigkeit von 10-Ah-Zellen und bei der Herstellung größerer 60-Ah-Zellen. Diese Entwicklungsschritte gelten als Voraussetzung, um Feststoffbatterien aus dem experimentellen Stadium in eine industrienahe Fertigung zu überführen.
Der Einbau in ein komplettes Auto habe zudem neue Anforderungen gestellt. Hongqi spricht von Durchbrüchen bei der Verkapselung von Hochvoltmodulen und bei der leichten Systemintegration. Beides sei entscheidend, um Gewicht zu sparen und gleichzeitig Stabilität sowie Sicherheit zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang wurden laut Unternehmen mehrere Hundert Tests durchgeführt, um Designvarianten und Produktionsabläufe zu optimieren. Dabei mussten unter anderem Probleme der Hochdruckintegration gelöst werden, die bei Feststoffbatterien eine besondere Rolle spielen.
Die nun erreichte Phase wird von Hongqi als technische Grundlage für eine spätere Serienfertigung beschrieben. Ein Zeitplan für eine Markteinführung wurde jedoch nicht genannt. Auch bleibt offen, in welchem Umfang die Technologie zunächst eingesetzt werden könnte. In der Industrie gilt es als wahrscheinlich, dass erste Anwendungen eher in kleinen Stückzahlen oder in ausgewählten Modellen erfolgen. Klar ist jedoch, dass Feststoffbatterien zunehmend nicht mehr nur als Zukunftsvision, sondern als konkret erprobte Option für kommende Elektroautos betrachtet werden.
Quelle: CNEVPost – FAW Hongqi rolls out 1st prototype car equipped with solid-state batteries








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