KGM Musso EV: So schlägt sich das „Nashorn“ unter Strom

KGM Musso EV: So schlägt sich das „Nashorn“ unter Strom
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Wolfgang Gomoll
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  —  Lesedauer 4 min

Wenn man in der Historie eines Automobils stöbert, findet man manchmal Interessantes. Das ist auch beim KGM Musso der Fall. Anfang der 1990er-Jahre trafen koreanische Ambitionen und schwäbische Ingenieurskunst aufeinander, als SsangYong mit Daimler-Benz zusammenarbeitete. Aus dieser Kooperation entstand ein kantiger SUV namens Musso, der mit von Mercedes entwickelten Benzin- und Dieselmotoren ausgestattet war.

Der Name war Programm: „Musso“ leitet sich vom koreanischen „무쏘“ ab – Nashorn. Robust, eigensinnig, und nicht schön um jeden Preis. Erst als SUV, später als Pick-up und heute als Stromer unter dem neuen Markennamen KGM. Das Attribut „nicht schön um jeden Preis“ können wir beim koreanischen Pritschenstromer getrost streichen. Uns gefällt der Musso EV jedenfalls. Und die Goldlackierung macht den Elektro-Pick-up definitiv sogar flaniermeilentauglich.

Zu der dem Nashorn eigenen Gemütlichkeit passt auch der Frontantrieb unseres Testwagens, wenngleich ein Allradantrieb Pick-up-typischer wäre. Dann sind es zweimal 152 kW / 207 PS. So müssen wir uns mit einem Innenraum-Permanent-Synchronmotor (IPM) begnügen, bei dem die Permanentmagnete innerhalb des Rotors angeordnet sind. Diese Bauweise eignet sich unter anderem für hohe Drehzahlen und starke Belastungen – also wie gemacht für ein E-Arbeitstier.

Technisch baut der 5,16-Meter-Pick-up auf der Elektroauto-Architektur des Torres EVX auf, was sich am geschlossenen Grill mit markantem LED-Tagfahrlicht erkennen lässt. Die LFP-Blade-Batterie (Cell-to-Pack) stammt von BYD. So ändern sich die Zeiten: Früher war es der Stern aus Untertürkheim, heute sind es Blade-Zellen aus Shenzhen. Mit einer Gesamtkapazität von 80,6 kWh kommt der Musso EV auf eine WLTP-Reichweite von 420 Kilometern. An einer DC-Ladestation dauert es circa 36 Minuten, bis die Akkus von 10 auf 80 Prozent gefüllt sind. Nicht überragend. Das gilt auch für die Ladeleistung von 120 kW. Da muss im Jahr 2025 mehr gehen. An der AC-Wallbox fürs gemütlichere Laden sind es 11 kW.

Auf der Straße gibt der E-Pick-up ein ähnlich durchwachsenes Bild ab. Mit 152 kW / 207 PS und einem Drehmoment von 339 Newtonmetern reißt man zwar keine Bäume aus, ist aber flott genug unterwegs. Aus dem Stand dauert es 9,2 Sekunden ehe Landstraßentempo erreicht ist, und bei 162 km/h bremst die Elektronik das E-Nashorn ein. Damit ist das Fahrwerk, bestehend aus McPherson-Vorderachse und Mehrlenker-Hinterachse, auch ganz gut gefordert. Bei einem kräftigen Antritt ringen die angetriebenen Vorderräder um Traktion. Bei Bodenunebenheiten reagiert die Federung mitunter etwas unwirsch. Aber das kann sich mit Beladung ändern.

Angesichts der Größe ist der Verbrauch in Ordnung

Apropos: Auf die Pritsche passen bis zu 500 Kilogramm, und an die Anhängerkupplung dürfen bis zu 1,8 Tonnen. Die Lenkung ist wie bei vielen Pick-ups kein Musterbeispiel an Präzision und Mitteilungsfreude. Da ist beim nächsten Musso EV, der 2027 erscheint, noch Raum für Verbesserungen. Zurück zu den Fakten: Wir kamen bei unserer Testfahrt auf einen Durchschnittsverbrauch von 25,1 kWh/100 km. Das sind 2,1 kWh/100 km mehr als im Datenblatt angegeben, was für ein Kaliber mit einem Lebendgewicht von 2165 Kilogramm und dem cW-Wert einer Schrankwand jedoch in Ordnung ist.

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Auch der Preis von 41.900 Euro ist in Ordnung. Schon in der Basis „Core“ gehören eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine Rückfahrkamera samt Parksensoren vorn und hinten zum Serienumfang. Wir waren in der Topversion „Lux“ für 48.990 Euro unterwegs. Dafür gibt es unter anderem Sitzbelüftung vorn, eine Lenkradheizung, eine 360-Grad-Rundumsicht, Ambientelicht und eine Wärmepumpe. Die Vorkonditionierung der Batterie vor dem Laden muss manuell angestoßen werden. Die Verarbeitung ist solide, die Materialien fühlen sich wertig an. Allerdings sollte man sich angesichts des Klavierlackanteils ein Mikrofasertuch in das Handschuhfach legen.

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Das Infotainmentsystem nutzt zwei 12,3-Zoll-Displays. Allerdings muss man sich erst durch einige Menüs hangeln, bis man die gewünschte Funktion findet. Das lohnt sich. Vor allem, wenn man die ständig bimmelnden Assistenzsysteme abschalten will. Wer die gewohnte Smartphone-Umgebung möchte, verbindet sein Gerät per Apple CarPlay oder Android Auto.

Bleibt das Platzangebot. Bei einem 5,16 Meter langen Auto mit 3,15 Metern Radstand ist es kein großes Thema. Auch im Fond hat man im Musso EV genug Platz. Dass man in einem Pick-up sitzt, merkt man spätestens, wenn man die hinteren Fenster hoch- und runterkurbeln muss. Aber ein bisschen Nostalgie darf es schon sein. Gerade beim KGM Musso.

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Wolfgang Gomoll

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Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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